Comedy-Königin Carolin Kebekus teilt in Dortmund gegen Nazis und Bodyshaming aus

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Carolin Kebekus lässt mit Ribéry-Style, Hefeteig-Tsunami und keineswegs süßem Sugaring laut lachen. Zudem teilt die Feministin derbe gegen Rechtsradikale aus. Ein Mix, der sehr gut ankommt.

Dortmund

, 06.12.2019, 07:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst kommt es zum Schwur, dann gibt es in der mit rund 9000 Fans gefüllten Westfalenhalle kein Halten mehr. Weder bei Carolin Kebekus auf, noch bei den Fans vor der Bühne. Die stehen zu Beginn bei der gewünschten Vereidigung; nach über zwei Stunden freiwillig, dabei laut johlend und zustimmend pfeifend.

Nach der erfolgreichen „Alpha-Pussy“-Tour geht die Wahlkölnerin mit „Pussy-Nation“ jetzt aufs Ganze. Eigene Verfassung inklusive. „Die Pussy des Menschen ist unantastbar. Es sei denn, ihre Besitzerin stimmt ausdrücklich zu“, heißt es in Artikel 1. Artikel 3 bestimmt: „Das Geschlecht ist egal“.

Frauen können sich wehren

Damit ist die Feministin bei einem ihrer Hauptthemen, der Gleichberechtigung. Die habe durch eine übertrieben geführte „Me too“-Debatte gelitten. Frauen, die ihr Leben selbstbestimmt gestalten, könnten sich wehren, meint Carolin Kebekus, die stets in Bewegung ist, Gesagtes mit lebhaften Gesten und Grimassen gekonnt unterstreicht.

Bei der Diskussion des Paragrafen 219a Strafgesetzbuch um das Werbeverbot für Abtreibung hat die 39-Jährige eine klare Meinung: „Das ist ein Schlag in die Fresse!“ Schließlich müssten Frauen sich informieren dürfen. Das aber sei Ärztinnen verboten worden.

Halle war "fucking Katastrophe"

Ebenso derbe teilt sie gegen Rechtsradikale und AfD aus. „Man kann die Leute nicht weiter so labern lassen“, ruft sie aus. „Aus Worten werden Taten und in Halle wurde es eine fucking Katastrophe!“ Gerade Rechte äußerten sich auch frauenfeindlich, wie die Gruppe namens „Die Maskulisten“.

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"Die Bewertungskultur im Netz geht mir auf’n Sack", sagt sie. Bushaltestellen und Büroklammern zu bewerten sei so übertrieben wie selbstkasteiende Körperoptimierung und künstlich produzierte Schönheitsideale. Sugaring, die Haarentfernung mittels Zuckerpaste, könne sie im Intimbereich nicht empfehlen.

Den „Ribéry-Style“ indes wolle sie als selbst ernannte „Pussy-Nation-Königin“ in Anlehnung an den Ex-Bayern-Kicker, der ein vergoldetes Steak aß, beim Rocher-Verzehr übernehmen, die golden eingepackten Kugeln mit Papier essen.

Gefährliche Verführung

Dass sie ihre Untertanen im Griff hat, beweist sie mit dem Schwur auf ihre „Pussy-Nation“. Fast alle machen mit. In Hitler-Duktus spricht Kebekus von „genialem menschlichen Material“, macht deutlich, wie leicht eine Masse zu verführen ist.

Wie im Internet. Dort nähmen diffamierende Kommentare und Hass zu.

So würden ihre Oberarme, die sie selbstironisch betont kräftig wackeln lässt, als „Hefeteig-Tsumani“ verunglimpft, sie selbst als „linksversiffte Bitch“ bezeichnet. „Damit muss man rechnen, wenn man sich gegen die Rechten positioniert“, sagt die Pussy-Königin, die Comedy und Kabarett galant vereint. Bravo!

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