Nach Messer-Angriff: OB-Kandidat Hollstein (CDU) erhielt mehr als 200 Drohungen

dzAuftritt bei Markus Lanz

CDU-Oberbürgermeister-Kandidat Andreas Hollstein hat sich in der Talkshow von Markus Lanz im ZDF einem Millionenpublikum präsentiert - und dargelegt, warum er trotz des Messerangriffs weitermacht.

Dortmund

, 29.01.2020, 08:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um 23.45 Uhr, eine Viertelstunde vor Schluss der Sendezeit, wendet sich Markus Lanz am Dienstagabend (28.1.) seinem Gast Andreas Hollstein (56) zu. Seit November 2017, als ihm ein Mann in einem Imbiss ein Messer an den Hals hielt, steht der Bürgermeister von Altena in einer Reihe mit immer mehr Kommunalpolitikern, die beleidigt, bedroht oder sogar angegriffen werden.

Seitdem ist das Interesse der Medien an seiner Person groß. Und so trägt Hollstein seine Erlebnisse auch in dieser Talkshow im ZDF vor. Sie sind Ausweis und Beleg für Hass und Hetze. Sie schaffen ein Klima, in dem viele seiner Kollegen nicht mehr antreten wollten, sagt Hollstein. „Sie reden nur nicht drüber.“

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400 Menschen auf der Straße

Hollstein aber, der bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 als CDU-Oberbürgermeister ins Dortmunder Rathaus einziehen möchte, will reden. Ausdrücklich. Er habe nach dem Vorfall damals „sieben Minuten mit Merkel telefoniert“ – und sich entschieden, weiterzumachen. Eben nicht die Opferrolle anzunehmen. 1800 Sympathiebekundungen habe er erhalten, 400 Menschen seien für ihn auf die Straße gegangen. Aber es habe eben auch 200 Mails mit Drohungen und Beschimpfungen gegeben, „vor allem von rechts“.

Im Dezember 2017 habe der Staatsschutz 8000 Einträge im Netz unter die Lupe genommen. Lanz will wissen, in wie vielen Fällen es zu einer Anzeige gekommen sei? 67 Fälle seien dem Staatsanwalt übermittelt und davon 37 Verfahren eingeleitet worden, sagt Hollstein. Verurteilungen? „Null.“

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Lanz gibt die Vorlagen, kommt auf Hollsteins Flüchtlingspolitik in Altena zu sprechen: „Sie haben 100 Flüchtlinge mehr aufgenommen, als der Stadt zugewiesen wurden.“ 350 insgesamt, ergänzt Hollstein. „Bei 17 000 Einwohnern.“ Er erklärt, wie das Flüchtlingskonzept funktioniert und lässt einfließen, dass die Stadt 2017 von der Kanzlerin mit dem Nationalen Integrationspreis ausgezeichnet worden sei. „Nicht ich, die vielen ehrenamtlichen Helfer“, ergänzt er.

"Ich drück' Ihnen die Daumen"

Hollstein macht deutlich, dass er die „sozialen Medien“ als mitschuldig betrachtet an der allgemeinen Verrohung der Sitten. Anstelle von Diskussion und Austausch mit Andersdenkenden würden „die Algorithmen des Internets als Echokammer der eigenen Meinung“ aufgefasst.

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Wie an anderen Stellen zuvor plädiert Hollstein eindringlich, für die Demokratie zu kämpfen. Er setzt dabei nicht auf Waffen für Politiker, sondern „auf die Hilfe der Zivilgesellschaft". Das Publikum applaudiert.

Nach einer Viertelstunde nähert sich die Sendung dem Ende. Lanz erinnert, was sein Gast vorhat: Oberbürgermeister in Dortmund zu werden. Er sagt: „Dann drück' ich Ihnen die Daumen, dass das funktioniert.“

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