Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

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Im Restaurant Carlos verschmelzen portugiesisches Temperament und die rustikale Ruhrgebiets-Mentalität zu einer einzigartigen Atmosphäre mit Wurzeln am Borsigplatz. Willkommen in „Pottugal“.

Dortmund

, 28.11.2018, 16:58 Uhr / Lesedauer: 4 min

Vor über 20 Jahren eröffnete ein Sohn portugiesischer Gastarbeiter in der Nordstadt einen Kiosk. Zigaretten, Bier, Weingummis und Eis lieferten dem jungen Mann vom Borsigplatz das Startkapital für den Einstieg in die Gastronomie. Aus einem 1999 eröffneten Schnellimbiss für Rippchen, Hähnchen und Bauchfleisch mit acht Stehplätzen an der Brunnenstraße ist ein beliebtes Tapas-Restaurant in Benninghofen geworden.

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Portugiesisches Temperament und Ruhrgebiets-Mentalität verschmelzen in dem Restaurant zu einer einzigartigen Atmosphäre. Carlos und Carminha haben Portugal in den Pott geholt - willkommen in Pottugal. Hier geht es zur Speisekarte. Die Gäste genießen gesellig in einer dunkel vertäfelten Spelunke und können beim Rausgehen sagen: „Das war jetzt wie drei Stunden Urlaub.“

Das Essen bei Carlos:

Ab jetzt heißt es: „a saúde“ (zum Wohle). Carlos und Carminha servieren deftige „Entradas“, also Tapas, und frisch zubereitete und würzig marinierte Fleisch- und Fischgerichte mit Spezialzutaten aus Portugal, kombiniert mit gegrilltem und mariniertem Gemüse. Über allem steht der Einfluss von Mama Maria. Carlos` und Carminhas‘ Küche ist inspiriert von Mamas portugiesischer Küche aus den Kindheits-Tagen am Borsigplatz. In dem Mehrfamilienhaus lebten vier spanische Familien und eben die Coutos aus dem 2000-Seelen-Dorf Priscos, knapp 50 Kilometer von der Hafenstadt Porto entfernt.

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Das ist Carlos in Dortmund

Restaurant-Check in "Pottugal": Das ist Inhaber Carlos.
28.11.2018
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Portugal mitten im Pott: Carlos ist ein Dortmunder Original.© Peter Bandermann
Der Portugiese vom Borsigplatz: Carlos kann gut erzählen. Ein Typ mit Temperament.© Peter Bandermann
Carlos denkt viel nach. Über ureigene Gastronomie-Konzepte und gerne auch über den BVB.© Peter Bandermann
Er erklärt spricht gerne über seine kleine Welt in Dortmund und über große Werte-Gemeinschaften wie die Familie oder Borussia Dortmund.© Peter Bandermann
Wie bei den Gewürzen spart Carlos auch nicht beim Humor.© Peter Bandermann

Die Art zu essen ist auf den 2150 Kilometern zwischen dem Dorf in der Ferne und dem Dortmunder Borsigplatz in der Heimat nicht auf der Strecke geblieben. Carlos Ehefrau Carminha hat das Händchen dafür, portugiesische Tapas-Küche so zu verfeinern, dass die Gäste stets den gleichen Fehler machen: sie bestellen viel zu viel.

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Deftiger Einstieg in die portugiesische Küche bei Carlos und Carminha: Gambas, Calamares, Datteln, gefüllte Kroketten und Kartoffelschalen-Chips passen gut zu Bier und Wein. © Peter Bandermann

Aioli mit Brot und Datteln im Speckmantel

Wir auch mal wieder. Nach reichlich Brot mit Aioli und krossen Datteln im Speckmantel (wenn Sie mich fragen: die besten weit und breit) tritt das erste Sättigungsgefühl ein. Zwei Super Bock sind auch schon intus. Aber Kollege Christian Stein, ein dem Genuss nicht abgeneigter Kumpel, und ich müssen durchhalten.

Es kommen ja noch delikate Stockfisch-Kroketten, herzhafte Hähnchen- und Schinken-Käse-Taschen (jeweils 3,50 Euro), auf den Punkt gebackene Calamares (5,50 Euro), Gambas (klein, aber oho) in Knoblauchsauce (die Arbeitskollegen am nächsten Tag freuen sich, 5,90 Euro), die Kartoffelschalen-Chips (3 Euro, am besten leidenschaftlich in Aioli eintauchen), ein sensationeller Seeteufel-Reis (15 Euro), der Lachs-Gemüse-Spieß (11 Euro) und das feurige Piri-Piri-Hähnchen (6 Euro).

Das Piri-Piri-Hähnchen ist der Klassiker des Hauses, den Carlos je nach Gäste-Wunsch mild oder feurig-scharf zubereitet. „Wir haben sechs Wochen lang Hähnchen gegessen, damit Carminha die perfekte Piri-Piri-Marinade enwickeln konnte“, berichtet Carlos. Das bestens gehütete Rezept kennen nur drei Familienmitglieder.

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Zwischendurch ein Lachs-Gemüse-Spieß: Feine Aromen runden mittendrin den rustikalen Tapas-Einstieg ab. © Peter Bandermann

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Deliziös zubereitet und das dauert 45 Minuten: Meeresfrüchte-Reis mit Seeteufel - ein Hauptgericht erster Güte. © Peter Bandermann

Für den Restaurant-Check teilen wir uns alles brüderlich und überlegen, wie am Ende noch das überragend gute Thunfischsteak (auf beiden Seiten 30 Sekunden gegrillt, 17 Euro) unterzubringen ist, Weil Fisch schwimmen muss, fällt der Genuss mit dem nächsten Super Bock-Bier viel leichter.

Christian merkt nicht mehr, dass er längst satt ist und Carlos lässt wissen: „Frauen essen bei uns nicht anders. Aber weniger.“ Er selbst steht nicht in der Küche. „Ich kochen? Zero. Ich bin der Griller. Am Grill musst du nicht überlegen. Die Arbeit macht Carminha. Ich bin hier nur das Maskottchen.“ Das Küchenteam versteht das Handwerk, auch abzulesen am Meeresfrüchtereis: 45 Minuten muss diese Spezialität köcheln und ziehen, dann kommt die Terrine auf den Tisch. Spätestens jetzt ist Christian im Portugal-Urlaub angekommen.

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Thunfischsteak auf beiden Seiten 30 Sekunden gegrillt: dazu Knoblauch, Spezialsalz, Zwiebeln und Petersilie. © Peter Bandermann

Ein Dessert geht immer - oder, Christian?

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Am Ende ein Erdbeer-Tiramisu: Aromatische Früchte treffen den Bolacha-Maria-Keks. Süß und umwerfend gut. © Peter Bandermann

Inzwischen meldet der Magen dem Gehirn: Moment mal. Christian muss nach frischer Luft schnappen, geht also vor die Tür (das ist bei Carlos so üblich) und raucht sich eine (soll angeblich eine der letzten Zigaretten sein). Kaum ist er weg, bringt Carminha mit einem strahlenden Lächeln ihr legendäres Erdbeer-Tiramisù an den Tisch.

Nur der Name erinnert an die italienische Löffelbiscuit-Spezialität. Tatsächlich ist die mit frischer Minze servierte süße Verführung in Schichten aufgebaut, aber statt Löffelbiscuit verbindet der original portugiesische Bolacha-Maria-Keks die cremig gerührten Erdbeeren zu einem einzigartigen Aroma, das die würzigen Tapas entzückend süß kontert - Leute, ein Traum.

Christian raucht. Ich esse. Und lasse ihm selbstverständlich die Hälfte übrig. Er kann zwar nicht mehr, muss aber noch, rückt sich den Gürtel zurecht und taucht ein ins Erdbeer-Tiramisù. Jetzt ist er im Portugal-Rausch.

Einer geht noch

Nein, die Rechnung kommt noch nicht und Christian will jetzt wirklich nicht mehr. Aber: kein Dessert ohne Topping! Der Erdbeer-Batida muss noch her. Ein überdimensionierter Fruchtzwerg aus pürierten Erdbeeren mit crushed Eis und Batida kommt als Super-Longdrink daher. Mit einem wuchtigen Geschmacks-Erlebnis findet der Abend ein romantisch-aromatisches Ende. Jetzt die Rechnung bitte.

Carlos und Carminha: Zwei Portugiesen zum Anbeißen

Fruchtiger Abschluss nach einem genussreichen Abend: Erdbeer-Batida bei Carlos in Dortmund. © Peter Bandermann

Atmosphäre und Service bei Carlos

Carlos‘ Restaurant in Benninghofen ist wie das gleichnamige Restaurant in Lünen (seit 2013 und ab April 2019 auch in Schwerte) ein Familienbetrieb. Geschwister, Kinder, Nichten und Neffen und manchmal auch die Mama arbeiten mit. Die Atmosphäre ist durch und durch freundlich. Das Personal hat zwar gut zu tun und flitzt umher, serviert trotz hoher Anforderungen zwischen Tisch und Küche aber immer portugiesische Lebensfreude mit.

Es kann bei Carlos schon mal lauter werden, aber das liegt an den gut gelaunten Gästen und gehört dazu. Hier vermischt sich natürliche Gastfreundschaft mit einer rustikalen Ruhrgebiets-Mentalität. Bei Carlos verschmelzen zwei ureigene Kulturen aus Pott und Portugal zu einem nicht kopierbaren Gastronomie-Erlebnis. Das mag daran liegen, dass Carlos in Marmor gemeißelten Grundsätzen folgt: „Die Arbeit darf nicht zur Routine werden. Und du darfst nie vergessen, dass du vom Borsigplatz kommst.“

Kinderfreundlichkeit bei Carlos

Bei Carlos gibt es eine Kinder-Karte. Kleine Genießer entdecken auch auf der großen Karte schnell ihre Favoriten. Kinder werden, wie eigentlich alle Gäste, sofort in die große Carlos-Familie aufgenommen. 80 von 100 Gästen sind übrigens Stammgäste. Voll ist es nicht nur freitags und samstags, sondern auch unter der Woche.

Barrierefreiheit bei Carlos

Das Restaurant ist 2004 in eine uralte Benninghofer Dorfkneipe eingezogen. Der Zugang erfolgt über Treppen. Zu den Toiletten geht es über eine steile Kellertreppe.

Anfahrt/Parkplätze

Carlos ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Von den Bushaltestellen Hörder Kampweg oder Overgünne sind es noch 60 Sekunden bis zum Tisch. Die nächsten U-Bahn-Stationen sind am Clarenberg und am Hörder Bahnhof.

Was sagt das Netz über Carlos?

Bei Tripadvisor liegt Carlos im November 2018 auf Platz 96 von 712 Dortmunder Restaurants und erreicht 4 von 5 Punkten bei 76 Bewertungen. Facebook liefert 4,6 von 5 Punkten, bewertet von 406 Gästen.

Restaurant-Infos:

Benninghofer Straße 146a in 44267 Dortmund. Reservierung empfohlen unter Tel. (0231) 9 61 25 15. Öffnungszeiten: Montag Ruhetag. Dienstag bis Sonntag 17 bis 23 Uhr.

Immer mittwochs testen wir ein Restaurant in Dortmund. Hier finden Sie eine Karte mit allen Tests:


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