Cannabisplantage ausgehoben: „Als ich die Menge gesehen habe, wurde mir schlecht“

dzLandgericht

Ein Student hat in einer Dortmunder Scheune eine der größten Cannabis-Plantagen betrieben, die in jüngerer Vergangenheit ausgehoben wurden. Er berichtet von einem ominösen Hintermann.

Dortmund

, 11.09.2019, 17:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer Scheune an der Altenderner Straße betrieb ein Student eine der größten Cannabisplantagen der vergangenen Jahre. Trotzdem war er wohl nicht viel mehr als ein Hobbygärtner, wenn man seiner Geschichte Glauben schenkt.

Seit Mittwoch muss sich der 35-Jährige vor dem Landgericht verantworten. Die Polizei hatte ihn Ende Juli 2018 mitten in der Nacht in der Nähe der Scheune angetroffen und gefragt, was er dort zu suchen habe. „Das war meine Chance, endlich aus dieser Geschichte rauszukommen“, gab der Angeklagte vor Gericht erleichtert zu.

600 Pflanzen im Obergeschoss

Die Plantage mit über 600 Cannabispflanzen im Obergeschoss des Gehöfts war demnach nicht die Idee des 35-Jährigen gewesen. Hinter der illegalen Aktion soll ein unbekannter Mann namens „Mo“ stecken, den der Student in einem Internet-Chat kennengelernt haben will.

„Er hat alles finanziert und die Ausrüstung samt Pflanzen angeliefert“, sagte der Angeklagte. „Ich sollte nur als Mieter der Scheune auftreten und regelmäßig nachgucken, dass die Pflanzen genug Wasser haben.“

Angefangen hatte alles mit einer harmlosen Recherche im Netz. Der Student wollte sich über die Aufzucht einer einzigen Cannabispflanze informieren, um den Eigenbedarf zu decken.

Über eine Reihe von Links und Klicks sei er dann in besagtem Chat gelandet, wo „Mo“ ihn angeschrieben habe, ob man nicht zusammen ein bisschen Geld verdienen wolle. „Ich habe mir erst einmal nichts dabei gedacht“, so der 35-Jährige am Mittwoch. „Als ich dann aber die Menge an Pflanzen gesehen habe, ist mir richtig schlecht geworden.“

Hintermann nannte sich „Mo“

Sein Versuch, aus dem Vorhaben auszusteigen, sei jedoch von „Mo“ abgeschmettert worden. „Wir stecken da zusammen drin und ziehen das jetzt durch“, soll der Hintermann gezischt haben. Und: „Wenn Du mich verpfeifst, finde ich raus, wo deine Familie wohnt und dann geht es euch richtig schlecht.“

Dass der Student bei seiner Festnahme nicht allein, sondern in Begleitung eines Freundes war, ist übrigens seinem losen Mundwerk zu verdanken. Nach ein paar Bierchen habe er seinem Bekannten von dem lukrativen Nebenjob an der Altenderner Straße erzählt.

Und der habe natürlich sofort mitkommen wollen. „Ich durfte das eigentlich nicht“, so der 35-Jährige. „Aber ich habe ihn dann mitgenommen, als ich die Pflanzen gewässert habe.“ Schlecht für den Kumpel: So geriet auch er in die Polizeikontrolle - obwohl er nichts mit der Plantage zu tun hatte.

Ernte hätte 26 Kilo gebracht

Bei einer Ernte hätte der Angeklagte übrigens 1500 bis 2000 Euro an Gärtnerlohn bekommen sollen. Immerhin hätten die Pflanzen rund 25 Kilo Marihuana ergeben, haben Sachverständige hochgerechnet. Doch noch vor der ersten Ernte kam die Polizei.

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