Schon in den Morgenstunden eine lange Schlange vor dem Juicy-Beats-Campingplatz – für den Einlass am Nachmittag. Manche haben ganz besondere Vorlieben an dem Festival.

Dortmund

, 25.07.2019, 19:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wir trinken Bier gegen die Hitze. In Bier ist auch Wasser!“ Das ist die Antwort vieler Besucher des Juciy-Beats-Festivals, wenn man sie am Donnerstag (25.7.) fragt, wie sie die extremen Temperaturen aushalten. Andere bringen Planschbecken mit, in denen sie ihre Füße kühlen.

Wieder andere verstecken sich unter ihren Pavillons und versuchen sich so wenig wie möglich zu bewegen. „Wir sind auf der Suche nach einer Motivation, um unsere Zelte aufzubauen“, klagt eine schweißdurchnässte Gruppe.

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Um 15 Uhr öffnete der Campingplatz am Donnerstag (25.7.) seine Tore. Erst am nächsten Tag beginnt das Festival im Westfalenpark. Trotzdem strömen die Menschenmassen auf das Camping-Gelände an den Westfalenhallen, als würden sie die 40 Grad gar nicht spüren.

Der Campingplatz liegt in der prallen Sonne. Anders als auf anderen Festivals ist der Boden gepflastert. Die Steine haben sich bis 15 Uhr schon so weit aufgeheizt, dass man sie durch die Turnschuhsohlen hindurch spüren kann.

Camping in brütender Hitze: Hunderte Festivalgänger strömen am Donnerstag zum Juciy Beats

Jennifer Balz weist die hereinströmenden Menschenmengen ein. Zum Ende ihrer Schicht gegen 16 Uhr ist bereits der halbe Campingplatz belegt. Dabei fängt das Festival erst morgen an. © Sylva Witzig

„Um 10 Uhr standen schon die ersten Besucher vor dem Tor. Die schmorten dann fünf Stunden lang in der Sonne. Wir durften sie erst um 15 Uhr reinlassen“, erzählt Jennifer Balz. Sie weist die ankommenden Festivalgänger ein. „Mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass die Leute nicht in die falsche Richtung laufen“, erklärt sie.

Obwohl sie in der Sonne brät, macht ihr die Arbeit Spaß. „Eigentlich habe ich um 16 Uhr Feierabend, doch bei dem Andrang sieht das aktuell noch nicht danach aus. Die Leute sind aber super drauf. Ich freue mich selber auf das Festival. Das lässt mich den Schweiß vergessen“, sagt sie.

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„Das Beste am Festival sind die Spülklos“

„Egal wie viel man auszieht, man hört einfach nicht auf zu schwitzen“, klagt ein Festivalgänger. Seine Gruppe aus Düsseldorf ist schon seit 11 Uhr vor Ort und durfte nun endlich rein. Zum Juicy Beats kommen sie, weil das Festival familiär und überschaubar ist, sagen sie. Der Tabula Rasa Floor hat es ihnen angetan. Auch die niedrigen Preise haben sie gereizt.

„Das geilste sind aber die richtigen Klos auf dem Gelände. Es ist eine Wohltat, nicht auf die Dixis zu müssen.“ Die heizen sich in der Sonne nämlich extrem auf. Wonach es dann in den stickigen Plastikbuden riecht, kann man sich vorstellen.

Die ersten reisen mitten in der Nacht an

Eine Gruppe aus Koblenz war schon vor allen anderen vor Ort: „Wir waren schon um Mitternacht hier. Irgendwie dachten wir, dass die Schlange vor dem Einlass viel länger ist. Wir kennen das von anderen Festivals wie Rock am Ring. Wir standen dann mitten in der Nacht hier, niemand war da, der Campingplatz war noch nicht einmal eingerichtet und wir dachten, wir hätten uns verfahren.“

Camping in brütender Hitze: Hunderte Festivalgänger strömen am Donnerstag zum Juciy Beats

Diese Gruppe aus Koblenz freute sich so sehr aufs Festival, dass sie schon in der Nacht auf Donnerstag anreiste. Reingelassen wurde sie trotzdem erst um 15 Uhr. © Sylva Witzig

Bis 15 Uhr mussten sie warten, bis sie auf das Gelände durften. „Ich habe ganz charmant gefragt, ob wir nicht früher reindürfen, aber es half alles nicht. Wir haben in unseren Autos übernachtet und waren die Ersten auf dem Platz.“ Für den Fall, dass es am Samstag wirklich gewittert, haben sie ihren Pavillon am Bauzaun festgebunden. Ihre Zelte bauen sie später auf – bei 40 Grad setzt man nun einmal Prioritäten.

„Warum sind wir eigentlich hier?“

„Wir waren betrunken, als wir die Tickets gekauft haben. Wir wissen auch nicht so genau, warum wir hier sind. Wir kennen kaum eine Band, die hier auftritt.“ Drei Jungs aus Rheine sitzen, mit Bier in den Händen, in der prallen Sonne vor einem Berg aus Campingmaterial.

Camping in brütender Hitze: Hunderte Festivalgänger strömen am Donnerstag zum Juciy Beats

Diese Jungs üben in der prallen Sonne für ihren Mallorcaurlaub. © Sylva Witzig

„Unser Plan für das Festival ist zu überleben. Das ist unser Warm-Up für Mallorca. Da geht es nächstes Wochenende hin.“ Die Truppe hofft, dass sie auf Mallorca nicht derartig von der Sonne geröstet werden wird.

Erstes Camping bei fast 40 Grad

Maria und Hanna Hampel wissen hingegen ganz genau, warum sie hier sind. Um halb neun sind sie aus Brandenburg aufgebrochen, um die Giant Rooks zu sehen. „Ich hab mich auf dem Lollapalooza in die Jungs verliebt“, gibt Maria zu. Bisher haben die Schwestern sich für Festivals ein Hotel gesucht. Dies ist ihr erster Campingurlaub.

Immer wieder läuft Hanna los, um sich nasse Handtücher in den Nacken zu legen. Nach einer halben Stunde steht das Zelt endlich. In der Nähe wirft ein Strahler einen Schatten, in dem sie sich nun verstecken, während sie Pläne für den Abend schmieden.

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Das Programm des Festivals geht erst am Freitag los. Im Toykas und der Kneipe „Zum Schlips“ gibt es am Donnerstag eine Pre-Show-Party. Am Freitag und Samstag werden insgesamt 50.000 Besucher erwartet. Auf dem Campingplatz tummeln sich lediglich 2800 Feierwütige.

„Man muss nur dreimal täglich duschen, dann gehts“

Beliebt in der Hitze sind die Wasserstellen. „Man muss nur dreimal am Tag duschen, dann gehts einem gut“, empfiehlt ein Festivalbesucher. Auf dem Campingplatz gibt es zudem eine kleine Beach-Area. Im aufgeschütteten Sand stehen kleine Planschbecken und Klappstühle.

Um 16.30 Uhr hat sich die Schlange vor dem Einlass aufgelöst. Der halbe Zeltplatz ist bereits gefüllt und die Besucher sind nach wie vor bester Laune. Von allen Ecken des Zeltplatzes dröhnt Musik aus kleinen Boxen. Von der Stadtbahnhaltestelle Remydamm kann man die Feiernden sehen und hören. Dann kann es sein, dass man mit einem Biergarten-Schunkelmusik-Ohrwurm in die Bahn steigt.

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