BVB-Sänger singt auf Demo der Corona-Kritiker: Was steckt dahinter?

dzKasche Kartner

Der als BVB-Sänger bekannte Matthias „Kasche“ Kartner ist auf einer Demo aufgetreten, die von Coronaschutz-Kritikern genutzt wurde. Im Internet wird er dafür kritisiert – zurecht oder nicht?

Dortmund

, 18.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Plakat versprach etwas ganz anderes. Unter dem Titel „Wir sind laut“ wurde für Sonntag (16.8.) von 14 bis 17 Uhr eine Demo an der Reinoldikirche angekündigt. „Die Eventbranche und Fans halten zusammen“, hieß es.

Und tatsächlich: Es traten einige auch in Dortmund bekannte und von der Corona-Krise geplagte Schlagersänger wie Markus Nowak und Matthias „Kasche“ Kartner auf. Zwischendurch gab es aber auch Reden. Und die sorgen dafür, dass Kartner nun in den sozialen Medien kritisiert wird.

Einer der Initiatoren der als Demonstration gemeldeten Veranstaltungsreihe, der Sänger Michael Winter, sagte entweder auf der Bühne oder in Interviews Dinge wie: „Mit Angst und Panik werden die Köpfe der Bevölkerung gewaschen. Viele glauben, was die Politik und die Medien erzählen.“

„Corona ist nicht so gefährlich wie Influenza“, sagt der Initiator

Das Coronavirus, das habe schließlich die Namensgeberin des Virusstammes vor Jahrzehnten schon gesagt, sei ohnehin nicht so gefährlich wie das Influenzavirus. Und überhaupt: „Gestorben wird immer“, sagte Winter.

Kartner in seinem Element - hier zu Karneval 2019

Kartner in seinem Element - hier zu Karneval 2019 © Stephan Schütze (Archiv)

Mit der Demonstration wolle man „die da oben“ dazu bewegen, aufzuwachen, um der Eventbranche und den Künstlern zu helfen. Heißt im Klartext: Die als Hilfsveranstaltung für eine von der Corona-Krise geplagte Branche proklamierte Demonstration war der Rahmen für ausufernde und mitunter polemische Kritik an der Corona-Politik. Eines der Demo-Ziele ist die Lockerung der Corona-Maßnahmen.

Matthias „Kasche“ Kartner ist seit Jahrzehnten als BVB-Sänger unterwegs, vor allem für sein „You‘ll Never Walk Alone“ ist er bei Borussia-Fans bekannt. Eben dieses Lied hat Kartner am Sonntag auf der Bühne der „Wir sind laut“-Demo gesungen. Wie passt das zusammen? Ein Sänger, der sich für Benachteiligte und Kinder einsetzt, aber gleichzeitig für Corona-Kritiker auftritt.

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Für einige Twitter-User passt das gar nicht zusammen. „Matthias Kartner singt bei den Corona-Ottos. Stil hatte er noch nie“, heißt es unter anderem. Ein anderer User schreibt: „Nun also doch. ‚Kasche-Kartner‘ singt sein YNWA beim Querfront-Festival. Meine Fresse, was ne Fritte....“

Auch die Antifaschistische Liste der TU äußert sich und postet ein Foto von Kartners Auftritt: „Gruselig, wie viele Leute sich mit diesen Menschen solidarisieren.“

„Kasche“ wusste vorher nichts über die Reden

Allein: Kartner wusste nicht, wofür die Demo am Ende tatsächlich genutzt wurde. „Ich habe am Vortag von der Veranstaltung erfahren“, sagt Kartner im Gespräch mit dieser Redaktion.

„Die Botschaft, die ich gehört hatte, war: Wir sind Sänger, wir sind stark von der Corona-Krise betroffen“, sagt er. Daher habe er mit seinem Auftritt und mit seinem Lied ein Zeichen für sich und seine gebeutelten Kollegen setzen wollen.

„Ich bin 100-prozentig nicht wegen der Reden dorthin gegangen. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass dort Corona verharmlost wird, wäre ich da nicht aufgetreten. Es wirkte auf mich auch gar nicht wie eine Demo“, sagt Kartner – „das wäre ja imageschädigend für mich“.

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Er habe vor vielen Jahren schon einmal darum kämpfen müssen, sein Image wieder aufzupolieren, als er von Teilen der BVB-Fans hartnäckig als Schalker verschrien wurde.

Am Sonntag selbst sei Kartner mit seiner Familie vor Ort gewesen. Die meiste Zeit habe er abseits und mit gebührendem Abstand zu den anderen rund 80 Besuchern verbracht. Viel habe er nicht mitbekommen, einige Ausführungen eines Redners aber schon. „Bei zwei, drei seiner Sätze habe ich schon schlucken müssen“, so Kartner.

Die vergangenen Monate hätten auch ihn sehr hart getroffen. Zahlreiche Auftritte und damit auch Einnahmen seien weggebrochen. „Als alleinerziehender Vater ist es besonders schwierig“, so Kartner. „Meine Familie unterstützt mich, sonst käme ich mit ziemlicher Sicherheit nicht über die Runden.“

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