BVB-Fans und Nazi-Gegner schreien rechtsextreme Mini-Demo im Kreuzviertel nieder

dzDemo am Sonnenplatz

Rund 40 Nazis haben am Samstagmittag im Kreuzviertel demonstriert – an einer Hauptroute der BVB-Fans zum Stadion. Hunderte Schwarzgelbe zeigten den Rechtsextremen, was sie von ihnen halten.

Dortmund

, 14.09.2019, 15:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise löst der Song „Wir sind alle am Borsigplatz geboren“ bei BVB-Fans ein wohliges Gefühl im Bauch aus. Vor BVB-Heimspielen singen Tausende Fans selig die Zeile „100.000 Freunde, ein Verein“ mit. Am Samstagmittag auf dem Sonnenplatz im Kreuzviertel nicht. Stattdessen recken Dutzende Fans ihre Mittelfinger in die Höhe und buhen, als der Song erklingt. Denn er ertönt aus den Lautsprechern von Rechtsextremen.

Rund 40 Nazis haben sich an diesem Samstag gegen 13 Uhr auf dem Platz neben der Möllerbrücke versammelt. Es ist die dritte Mini-Demo in drei Tagen. Die Rechtsextremen reagieren mit ihnen auf die Übermalung des berüchtigten „Nazi-Kiez“-Graffitos in Dorstfeld, stattdessen steht dort nun den Spruch „Our colors are beautiful“ – „Unsere Farben sind wunderschön“. Damit die symbolträchtige Wand nicht wieder mit rechtsextremen Schmierereien verschandelt wird, bewacht die Polizei sie nun. Die Nazis wiederum behaupten, dass dadurch in anderen Stadtteilen die Kriminalität steige, weil die Polizei dort gebunden sei.

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BVB-Fans singen: „Ihr seid sch..., wie der S04“

Bedeutend mehr Polizei bindet an diesem Samstagmittag die Mini-Demo der Nazis selbst: Stoßstange an Stoßstange stehen die Polizeibullis am Fuß der Möllerbrücke, zusätzlich zeigt eine Pferdestaffel aus Baden-Württemberg Präsenz. Zusammen mit Dutzenden Beamte der Bereitschaftspolizei sorgen sie dafür, dass es eine Pufferzone zwischen Rechtsextremen und Nazi-Gegnern gibt.

Letztere sind zahlreich gekommen: Rund 250 Menschen haben sich am Fuße der Möllerbrücke an der Lindemannstraße versammelt, um den Nazis zu zeigen, was sie von ihnen halten. Im Vorfeld hatten Fan-Bündnisse und auch der BVB selbst dazu aufgerufen, gegen die Nazi-Demo zu protestieren. Entsprechend viele BVB-Trikots leuchten gelb in der Menge. Sie rufen „Haut ab!“ und „Wir sind Dortmund und ihr nicht!“, oder – etwas fanspezifischer – auch: „Ihr seid sch..., wie der S04“. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, viele bleiben auf ein Bier und gehen dann weiter zum Spiel in Richtung Signal Iduna Park.

Rechte Reden gehen im Geschrei der Nazi-Gegner unter

Auf der anderen Seite des Sonnenplatzes, an der Ecke Große-Heim-Straße, stehen noch einmal rund 40 Nazi-Gegner bei der offiziell angemeldeten Gegendemo von Blockado. So werden die wenigen Nazis akustisch in die Zange genommen, sodass die Reden der Rechtsextremen nicht zu verstehen sind. Ihre Parolen gehen im Buhen und Schreien der Gegendemonstranten unter.

Um kurz nach 14 Uhr beenden die Nazis ihre Demo. Schließlich spielt ja gleich der BVB, da wollen auch die Rechtsextremen dabei sein – zumindest die, die kein Stadionverbot haben, wie Demo-Organisator Michael Brück noch ins Mikro ruft.

Man muss eben Prioritäten setzen.

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