BVB-Fan bewusstlos geprügelt: Wegen RN-Recherche wird jetzt weiter ermittelt

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Michael Krause wurde k.o. geschlagen, ungewöhnlich schnell wurde das Verfahren eingestellt. Er sagt: „Inzwischen bin ich auf die Angreifer nicht mehr so stinkig, sondern mehr auf die Polizei.“

Dortmund

, 03.11.2019, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Praktisch alle BVB-Fans waren in Feierlaune, als die Fußballer am 30. März in letzter Minute noch ihr Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gewinnen konnten. Michael Krause war mit seiner Tochter nach dem Spiel noch in einer Kneipe, ehe beide gegen Mitternacht zu seinem Auto ins Klinikviertel liefen.

An der Johannesstraße hatte Krause geparkt, an seinem Arbeitsplatz in einem Hinterhof. „Wir liefen die Straße vom Klinikum aus runter“, erinnert sich der 50-Jährige. Aus einer anderen Hofeinfahrt kam ein junges Paar und ging vor Krause her, bis der Mann in Krauses Einfahrt lief, um dort zu urinieren.

Mehrere Männer seien aus einer Hauseinfahrt gekommen

Also stellte seine Tochter den Fremden zur Rede: „Und dann ist er schon mit erhobener Faust auf sie losgegangen“, berichtet der Vater. Der mehr als zwei Meter große 50-Jährige erzählt, er habe sich dazwischengestellt und sei von dem Fremden immer wieder geschubst worden.

Die Begleiterin des anderen Mannes sei auf Krauses Tochter losgegangen, plötzlich eskalierte die Situation. Mehrere andere junge Männer seien aus der ersten Hauseinfahrt angelaufen gekommen und hätten auf Michael Krause eingeschlagen, bis er zu Boden fiel. Auch am Boden sei er noch getreten worden.

„Dann gingen bei mir die Lichter aus“, erzählt er. Als er zu sich kam, näherten sich schon Polizeiwagen, die Unbeteiligte gerufen hatten. Die anderen Männer flüchteten.

BVB-Fan bewusstlos geprügelt: Wegen RN-Recherche wird jetzt weiter ermittelt

An der Johannesstraße kamen die Angreifer aus einer Hofeinfahrt. © Kevin Kindel

Der Hinterhof, aus dem die Männer gekommen sein sollen, ist der bekannte Treffpunkt einer BVB-Fangruppe. Michael Krause ist sich sicher, dass einige von ihnen der Polizei bekannt sein müssen. Er könne die Angreifer sicherlich identifizieren - doch so weit kam es nicht. Das Ermittlungsverfahren ist Mitte Juni eingestellt worden.

Kein Täter konnte persönlich ermittelt werden. Michael Krause legte Beschwerde bei der Polizei ein und ärgert sich vor allem darüber, dass er erst nach zwei Monaten überhaupt eine Antwort bekam.

Die Polizei sieht kein Fehlverhalten

Als Anfang Oktober endlich das Schreiben der Beschwerdestelle kam, las Krause, die Polizei habe vorschriftsgemäß gehandelt. „Ich bedauere, dass Ihre Vorstellungen von einer korrekten Einsatzbearbeitung in diesem Fall nicht umgesetzt worden sind“, schreibt Vize-Polizeichefin Alexandra Dorndorf: „Meine Beamten sind allerdings an die Strafprozessordnung gebunden.“

„Das ist beschämend von der Polizei“, meint Michael Krause. Hinter einer Fensterscheibe habe er im Dunkeln im Beisein der Polizei vor Ort mehrere Verdächtige gesehen. Die Beamten klopften, als niemand reagierte, hätten sie aber erklärt, nichts weiter unternehmen zu können.

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Eine Wohnungsdurchsuchung sei nur möglich, wenn das Auffinden eines Beschuldigten auch wahrscheinlich sei, schreibt die Polizei. Das sahen die Beamten nicht gegeben. In den Monaten seit der Tat habe Krause immer wieder Beteiligte des Abends an der Straße erkannt, berichtet er.

Staatsanwalt: „Weitere Ermittlungen sind notwendig“

Ende Oktober teilt Staatsanwalt Henner Kruse nun mit: „Das Verfahren ist wieder aufgenommen worden, weitere Ermittlungen sind notwendig.“ Es sei durchaus ungewöhnlich gewesen, dass der Fall so zu den Akten gelegt wurde, wie es der Fall war.

Dem Staatsanwalt lagen übrigens keinerlei Informationen über die Beschwerde des Bürgers vor. Weiter ermittelt werde nur wegen der Presseanfrage unserer Redaktion, bestätigt Kruse.

BVB-Fan Michael Krause hat sich mit seiner Tochter bereits an die Fanhilfe gewandt, die ein Treffen mit den Vorsitzenden der verdächtigen Fangruppe organisiert hat. „Das lief sehr positiv“, sagt Krause - obwohl dort wie erwartet keine Namen von Verdächtigen genannt wurden. Der 50-Jährige sagt: „Inzwischen bin ich auf die Angreifer gar nicht mehr so stinkig, sondern vielmehr auf die Polizei.“

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