BVB-Attentäter Sergej W. zu 14 Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt

Urteil

Im Prozess um den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat das Schwurgericht das Urteil gesprochen: 14 Jahre Haft für Sergej W. wegen versuchten Mordes.

Dortmund

, 27.11.2018, 14:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Attentäter Sergej W. zu 14 Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt

Der Angeklagte Sergej W. steht im Gerichtssaal des Landgerichts Dortmund am 27. November. © dpa

Der angeklagte Sergej W. zeigte keine äußere Regung, als der Vorsitzende Richter Peter Windgätter am Dienstag das Urteil im BVB-Prozess verkündete: 14 Jahre Haft wegen versuchten Mordes. Sergej W. hatte zwar immer wieder beteuert, er habe mit dem Anschlag nur Angst und Schrecken verbreiten, aber niemanden töten oder auch nur schwer verletzen wollen. Das nahmen ihm die Richter aber nicht ab.

Wer drei Splitterbomben baue und diese neben einem voll besetzten Bus zur Detonation bringe, der nehme schwere Personenschäden mindestens in Kauf, hieß es in der Urteilsbegründung.

Anschlag auf dem Weg zum Spiel

Die Tat vom 11. April 2017 hatte die Fußballwelt erschüttert. Gegen 19 Uhr waren Spieler, Trainer und Betreuer des BVB am Mannschaftshotel „l’Arrivée“ in den Teambus gestiegen, um zum Signal-Iduna-Park zu fahren. Dort sollte am Abend das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen AS Monaco angepfiffen werden. Doch die Fans im ausverkauften Stadion warteten vergebens auf ihre Helden. Und spätestens, als die Nachricht die Runde machte, es sei auf der Fahrt zu einem „Zwischenfall“ gekommen, stand vielen die Angst ins Gesicht geschrieben.

Tatsächlich deutete zunächst einiges auf einen islamistischen Terrorakt hin. Sergej W. hatte bewusst versucht, die Spur in diese Richtung zu lenken. Er hatte Bekennerschreiben verfasst und in einem Waldstück in der Nähe des Hotels Gegenstände hinterlassen, die auf einen Einkauf in Belgien hindeuteten. Belgien gilt als eine der Keimzellen der Islamistenszene.

BVB-Attentäter Sergej W. zu 14 Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt

Der Bus von Borussia Dortmund steht nach dem Anschlag mit einer beschädigten Scheibe an der Straße. © dpa

Tatsächlich aber war es dem Attentäter allein ums Geld gegangen. Sergej W. hatte verschiedene Optionsscheine erworben, mit denen er auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie wettete. Sein perfider Plan: Wenn die Mannschaft nach dem Attentat aus der Champions League ausscheide, würde der Kurs wohl fallen – und er reich werden.

So ist es jedoch nie gekommen. Die Partie am 11. April 2017 wurde zwar abgesagt, jedoch schon am nächsten Abend nachgeholt. Bis auf Marc Bartra, der bei dem Attentat im Inneren des Busses einen Bruch des Unterarms erlitten hatte, waren alle Spieler einsatzfähig.

Aussagen von Spielern und Trainern

In dem fast ein Jahr dauernden Prozess am Schwurgericht mussten fast alle Businsassen als Zeugen aussagen. Den meisten war der Schock noch immer anzusehen. Torwart Roman Weidenfeller sagte: „Der Anschlag hat mein Leben verändert.“ Der inzwischen zu Borussia Mönchengladbach gewechselte Verteidiger Matthias Ginter brach sogar in Tränen aus. Auch der damalige BVB-Trainer Thomas Tuchel wurde von den Richtern vernommen. Auf die Frage, ob er glaube, dass er ohne den Anschlag weiter BVB-Trainer geblieben wäre, antwortete er: „Davon gehe ich aus.“

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Für Irritationen sorgte allein der exzentrische Stürmerstar Pierre-Emerick Aubameyang. Er reagierte auf die Zeugenladung des Gerichts nicht und schob erst später ein ärztliches Attest nach, das ihm eine nicht näher bezeichnete Krankheit bescheinigte. Kurz darauf wechselte Aubameyang nach London und war für die Richter fortan nicht mehr greifbar.

Revision wird erwartet

Es gilt als sicher, dass die Verteidiger von Sergej W., Carl Heydenreich und Christos Psaltiras, gegen das Urteil des Schwurgerichts Revision einlegen werden. Sie hatten immer argumentiert, ihr Mandant habe ohne Tötungsvorsatz gehandelt und sei deshalb nur wegen der Sprengstoffexplosion zu bestrafen. Diese Frage wird nun also auch noch der Bundesgerichtshof zu klären haben.

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