Bundespräsident Steinmeier besucht Dortmund - und kaum jemand kriegt es mit

dzTU Dortmund

Der Bundespräsident machte bei seiner Ruhrgebietstour am Freitag auch Halt in Dortmund. An den Bürgern ging der Besuch jedoch ziemlich unbemerkt vorbei. Das passierte hinter verschlossenen Türen.

Dortmund

, 22.11.2019, 19:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Spuk ist so schnell vorbei, wie er begonnen hat. Eine Kolonne von Polizeiautos, Vans und Limousinen fährt vor dem Technologiezentrum an der Otto-Hahn-Straße in der Nähe der TU vor. Sicherheitsleute und Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes springen aus den Wagen, wenig später steigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus.

Es folgt Händeschütteln, Oberbürgermeister Sierau, TU-Rektorin Ursula Gather, einige andere Politiker und Wirtschaftsvertreter stehen schon bereit. Dann ein kurzes Statement für die Presse, Posieren für die Fotografen, dann geht es rein ins Technologiezentrum (TZDO).

Bundespräsident Steinmeier besucht Dortmund - und kaum jemand kriegt es mit

In Dortmund sehe man, wie sehr der Strukturwandel von der Wirtschaft abhänge. Das erklärte Bundespräsident Steinmeier am Freitag im Gespräch mit Medienvertretern. © Stephan Schütze

Kaum ein Dutzend Passanten auf der Otto-Hahn-Straße registriert, was hier gerade passiert. Noch weniger bleiben stehen, um zu gucken, was sich hinter der Polizeiabsperrung auf der gegenüberliegenden Straßenseite tut.

Bundespräsident tourt durch Duisburg, Gelsenkirchen und Dortmund

Das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik verbrachte am Freitag (22.11.) einen Nachmittag in Dortmund. Das Technologiezentrum war die letzte Station seiner Ruhrgebietstour. Die Tour begann am Duisburger Hafen, dann ging es ins NRW-Zentrum für Talentförderung, anschließend nach Dortmund.

Das Thema des Besuchs: Strukturwandel. Weg von der Kohle, hin zu Logistik, Biomedizin, Digitalisierung - wie kann das gelingen? Und: Ist das schon gelungen?

Das Technologiezentrum, zu dem auch das Biomedizinzentrum gehört, musste dafür am Freitag als Symbol herhalten. Die Wissenschaft als Nachfolger des Bergbaus, helle Köpfe statt verkohlter Lungen. „Ohne die Universitäten, ohne die Wissenschaft wäre der Strukturwandel im Ruhrgebiet nicht möglich gewesen“, ist sich TU-Rektorin Gather sicher.

Guido Baranowski, Geschäftsführer des Technologiezentrums, stellt die Arbeit des Zentrums vor: Die Unternehmen, die sich seit der Gründung 1985 hier angesiedelt haben, die Arbeitsplätze, die geschaffen wurden. Steinmeier fragt nach, knapp und gezielt, Baranowskis eifrige Antworten nimmt er mit einem Nicken hin, dann wandert sein konzentrierter Blick wieder auf die Powerpoint-Präsentation.

Der Besuch von Steinmeier ist minütlich getaktet

Nach einem festen Plan, der quasi auf die Minute genau festlegt, wann der Bundespräsident welche Hand schüttelt und wann Gruppenfotos in welcher Konstellation aufgenommen werden, rauscht Steinmeier durch das Zentrum.

Auf die Gesprächsrunden mit Baranowski folgten Laborbesichtigungen.

Bundespräsident Steinmeier besucht Dortmund - und kaum jemand kriegt es mit

Steinmeiers Besuch in Dortmund lief nach einem festen Zeitplan. Hier wird gerade die Gesprächsrunde mit unter anderem Guido Baranowski und Ullrich Sierau beendet. © Stephan Schütze

Dr. Sonja Sievers, Laborleiterin beim ebenfalls im TZDO ansässigen Max-Planck-Institut, erklärt dem Bundespräsidenten eine hochkomplexe Technologie des Compound Management and Screening Centers (COMAS), eine robotergestützte Analyseanlage. Es geht um Krebszellen, Resistenzen bei Krebspatienten, und zehntausende Verbindungen, die die Technik am Tag verarbeiten kann.

Bundespräsident Steinmeier besucht Dortmund - und kaum jemand kriegt es mit

Labor Leiterin Dr. Sonja Sievers erklärt Steinmeier und seinen Begleitern eine robotergestützte Analyseanlage, die unter anderem mit Krebszellen arbeitet. © Stephan Schütze

Der Bundespräsident nickt und fragt interessiert nach - ob er Sonja Sievers‘ Erläuterungen wirklich so gut versteht, wie er vorgibt, bleibt offen. Ein grimmig schauender Sicherheitsmann, der sich ebenso wie Steinmeier, Sierau und die übrigen Politiker einen weißen Kittel anziehen musste, lugt um die Ecke eines Apparates im Labor.

Für tief gehende Diskussionen oder gar konkrete Zukunftspläne ist an diesem Nachmittag keine Zeit. Für den Bundespräsidenten dient der Besuch im TZDO wohl eher als Update. Als Update und als Möglichkeit, Präsenz zu zeigen. Zumindest für einen kleinen Kreis handverlesener Funktionäre und akkreditierter Journalisten. An den meisten anderen Dortmundern ging diese Präsenz wohl vorbei.

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