Bürger-Wasser für Bäume, Stadtbahn-Ausfälle: So lief der zweite Hitze-Tag in Dortmund

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Die Hitze prägte auch am Mittwoch das Leben der Dortmunder. Stadtbahnen fielen aus, Freibäder meldeten Rekordzahlen – und die Stadt wandte sich mit einer ungewöhnliche Bitte an ihre Bürger.

Dortmund

, 26.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Der kleine Brunnen vor der Petrikirche war am Mittwoch ein Menschenmagnet: Fast minütlich machten Passanten auf dem Westenhellweg an dem bronzenen, einer Rosenblüte nachempfundenen Trinkwasserspender Halt, um ein paar gierige Schlucke zu trinken oder direkt eine ganze Flasche aufzufüllen – bei Temperaturen von 33 Grad im Schatten eine sehr gute Idee.

Die Hitze, sie drückte Dortmund auch an ihrem zweiten Tag ihren Stempel auf. Sie blieb nicht nur das Gesprächsthema Nummer eins, sondern brachte auch den Fahrplan des Dortmunder Nahverkehrs durcheinander, erfreute die Freibäder und ließ die Stadt ungewöhnliche Pressemitteilungen verschicken.

35 Stadtbahnen fielen Dienstag und Mittwoch aus

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo: So wird sich so mancher Dortmunder gefühlt haben, als er vergebens auf die Stadtbahn wartete. Von Dienstagvormittag bis Mittwoch, 18 Uhr, fielen in Dortmund 35 Stadtbahnen wegen der Hitze aus, 16 davon am Mittwoch.

Die extremen Temperaturen setzen besonders den alten Bahnen auf den Nord-Süd-Linien zu. Bestimmte Bauteile – vor allem Kompressoren und Elektronik – würden sich zu stark erhitzten, erklärte Britta Heydenbluth von Dortmunds Nahverkehrs-Betreiber DSW21. Die betroffenen Bahnen werden dann laut DSW21 in eine Abstellanlage geschoben, wo sie abkühlen können. Mal dauere das 15 bis 30 Minuten, mal mehrere Stunden, so Heydenbluth. Danach könnten die Bahnen wieder eingesetzt werden.

Bürger-Wasser für Bäume, Stadtbahn-Ausfälle: So lief der zweite Hitze-Tag in Dortmund

35 Stadtbahnfahrten fielen am Dienstag und Mittwoch wegen der extremen Temperaturen aus. © Peter Bandermann (Archivbild)

Rekordtage für die Freibäder

Auch wenn er noch keine genauen Besucherzahlen hatte, ist sich Sportwelt-Dortmund-Geschäftsführer Michael Dominik sicher: In den vergangenen Tagen waren seine Freibäder so gut besucht wie noch nie in diesem Jahr. Der Dienstag, der bisher heißeste Tag des Jahres, spülte wohl insgesamt knapp 10.000 Besucher in die drei geöffneten Sportweld-Freibäder Hardenberg, Volksbad und Wellinghofen.

Die Bäder waren auch deshalb besonders voll, weil sie den Ausfall des vierten Sportwelt-Freibads kompensieren mussten, des Froschlochs in Hombruch, das normalerweise Platz für bis zu 4500 Menschen bietet. Das beliebte Freibad ist momentan wegen technischer Probleme geschlossen. Immerhin öffnete am Mittwoch das von der Stadt betriebene Freibad Stockheide am Hoeschpark wieder seine Tore, das wegen des Eichenprozessionsspinners in den vergangenen Tagen zu bleiben musste.

Ebenfalls normal geöffnet ist das Freibad im Revierpark Wischlingen. Hier holten sich am Dienstag und Mittwoch jeweils über 3000 Besucher ihre Abkühlung. Ein Jahresrekord war das jedoch nicht: Am Sonntag zuvor waren es 3800 Besucher.

Mehr Krankenhaus-Patienten in Brackel und Lütgendortmund

Dortmunds Krankenhäuser machen unterschiedliche Erfahrungen mit der Hitzewelle. Während das Klinikum Dortmund am Mittwoch keine erhöhten Patientenzahlen wegen der Hitze meldet, verzeichnen die Knappschaftskrankenhäuser Brackel und Lütgendortmund eindeutig mehr Patienten. „Teilweise wirken Belastungen von Dienstag nach“, so Pressesprecher Klaus-Peter Wolter.

Das Johannes-Hospital wiederum spricht von weniger als zehn Patienten, die mit Kreislaufproblemen behandelt werden mussten, darunter auch wieder jüngere Sonnenanbeter. Das seien mehr als Dienstag, aber immer noch nicht viele, so Sprecherin Gudula Stroetzel.

Stadt bittet Bürger um Wasser für Straßenbäume

Nicht nur Menschen, sondern auch den Pflanzen setzt die Hitze zu. So leiden etwa die jungen Bäume an Dortmunds Straßen „unter außergewöhnlichem Trockenstress“, schlug die Stadt in einer Pressemitteilung am Mittwoch Alarm, das Tiefbauamt und die beauftragten Firmen kämen beim Wässern kaum hinterher.

Die Stadt bittet deshalb ihre Bürger um Hilfe: „Gießen Sie den Straßenbaum vor Ihrer Haustür.“ Die frisch gepflanzten Bäume sind leicht an der weißen Stammschutzfarbe zu erkennen. Hier sei jeder Eimer Wasser (10 Liter) eine echte Hilfe.

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