Mehr als 10.000 Menschen, 1500 Tiere: Wer Brieftauben mag, der ist am ersten Januar-Wochenende in Dortmund. So hat unser Autor seinen ersten Besuch einer Brieftauben-Ausstellung erlebt.

Dortmund

, 05.01.2020, 15:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Deutsche Brieftauben-Ausstellung (DBA) ist das, was für Liebhaber anderer Hobbys die „Boot“ in Düsseldorf oder die „Cebit“ in Hannover ist. Immerhin 30.000 Menschen betreiben die Taubenzucht noch, ein gutes Drittel davon stammt aus dem Ruhrgebiet.

Trotz aller Abgesänge: Von einer Messe in der Größe der DBA träumen viele andere Freizeitbranchen. Rund 12.000 Besucher kommen am Samstag und Sonntag in die Westfalenhalle.

Bilder im Kopf: „Taubenvatta“ und der ungepflegte Verwandte aus der Stadt

Wenn man an Brieftauben denkt, entstehen viele Bilder im Kopf. Das vom „Taubenvatta“ aus dem Ruhrgebiet mit dem Taubenschlag im Garten. Das von der Friedenstaube. Das vom ungepflegten und rüpelhaften Verwandten des biblischen Tieres, der pommespickenden Stadttaube.

Dazu kommt ein gutes Dutzend Lieder über Tauben in verschiedenen Sprachen. Genug, um durch einen Nachmittag auf ungewohntem Terrain zu kommen.

Also: mit einem „Cucurrucucú“ hinein ins Geschehen.

Tierschutzaktivisten protestieren vor der Tür

Am Haupteingang der Westfalenhalle, wo sonst die Besucher bei Konzerten oder dem ADAC-Supercross eintreten, drängen sich schon die ersten Tauben-Fans.

Viele von ihnen halten Pappschachteln mit Tragegriff in der Hand. Darin sind keine Kugelschreiber oder Gratispackungen wie auf anderen Messen. Sondern lebendige Tiere.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Brieftaubenmesse in der Westfalenhalle

Mehr als 10.000 Besucher und Tausende von Tieren: Die Messe des Verbands der Deutschen Brieftaubenzüchter zeigte viele Seiten eines außergewöhnlichen Hobbys,
05.01.2020
/
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth
Menschen und Tauben: Deutschlands Brieftauben-Freunde trafen sich in Dortmund.© Felix Guth

Ziemlich bedenklich finden das Aktivisten der Tierschutzorganisation Peta, die an beiden Tagen vor der Messehalle stehen. Für sie ist Brieftaubenzucht ein „grausames“ Hobby, bei dem jedes Jahr viele Tiere ums Leben kommen. Wettflüge und Leistungszucht seien Verstöße gegen das Tierschutzgesetz.

Jetzt lesen

Eine Debatte, der sich die Mitglieder des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter (VDB) durchaus stellen, auch am Rande der Ausstellung. Die aber nach Ansicht von Verbandssprecherin Elena Finke die Falschen trifft.

„Es ist schade, dass den Züchtern, die mehrere Stunden täglich mit den Tieren verbringen und für sie da sind, vorgeworfen wird, Tierquäler zu sein. Es wird nicht hinterfragt. Für uns steht Tierschutz an erster Stelle“, sagt Elena Finke.

Besucher aus ganz Deutschland und dem europäischen Ausland kommen nach Dortmund

In der Halle erhebt sich ein Stimmengewirr in unterschiedlichen deutschen Dialekten, niederländisch, osteuropäischen Sprachen, asiatischen Sprachen und englisch. Der Durchschnittsbesucher entspricht auf den ersten Blick dem „Taubenvatta“-Klischee: männlich, über 60, viele mit Ehefrau und Familie unterwegs.

Doch es sind unübersehbar auch jüngere Menschen in der Westfalenhalle. Nicht nur, weil die Jugendabteilung des Verbands der Deutschen Brieftaubenzüchter in einer Halle eine Hüpfburg aufgestellt hat.

Tiere verbringen die Messetage in kleinen „Zellen“

Aber hier geht es ja um die Tiere. Die haben ihren Platz für die beiden Messetage mehrere Stunden lang in kleinen Käfigen. „Zelle“ sagen die Brieftaubenzüchter und das ist auch der passende Ausdruck für die paar Quadratzentimeter Fläche.

Die Tiere bekommen regelmäßig frisches Wasser und Futter. Ein Highlight ist der Besuch in Dortmund aber ganz sicher nicht, wenn es auch nicht der Moment ist, in dem die Tauben weinen.

Für den Laien ähneln sie sich sehr. Über den Käfigen hängt eine Tabelle, die zeigt, wer hier eine gute Taube ist und wer nicht. Preisrichter des Verbands haben vorher Kriterien wie Gefieder, Knochenbau, Muskulatur oder Beschaffenheit der Augen bewertet. Die herausragenden Tiere haben einen schwarz-rot-goldenen Anhänger am Käfig.

Für Taube 01591.15.0446 aus Forchheim in Franken reicht es nur zur Teilehmer-Urkunde. Die Taube gurrt gleichgültig vor sich hin.

Taubensport der Zukunft: Digitaltechnik, Wissenschaft, Tinkturen

200 Aussteller sind bei der DBA. Darunter sind auch zahlreiche Unternehmen, die mit dem Hobby ihr Geld verdienen. Die Zukunft des jahrhundertealten Hobbys: Digitale Tracking-Systeme, Zauber-Tinkturen für mehr Leistung, wissenschaftliche Begleitung für mehr Resistenz gegen Krankheiten.

Jetzt lesen

Dazwischen wühlen Männer gedankenverloren in Futtermischungen und fachsimpeln dabei. „Das besprechen wir dann alles beim Bier“, ruft ein Mann einem anderen in schwerem schwäbisch zu. Zur Messe gehört auch ein „Mitgliederabend“, eine Art „Players Party“ für die Brieftaubenzüchter.

In Dortmund trifft sich die Basis einer traditionsreichen Hobby-Sportart

„Es ist wichtig, dass wir unsere Mitglieder auf diese Art wertschätzen“, sagt VDB-Sprecherin Elena Finke. Denn hier in Dortmund trifft sich die Basis. Und die ist weit entfernt von Sphären, in denen sich Brieftaubenzucht in anderen Regionen der Welt bewegt.

Im September 2019 zahlten Züchter aus China bei einer Versteigerung 1,25 Millionen Euro für ein Tier. Es gibt weltweit hochdotierte Tribünenflüge. Vielleicht ist das die Grenze, ab dem das Hobby grausam wird. Dann müssten allerdings auch Pferdesport und jegliche Art von Domestizierung kritisiert werden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Kinderhospiz
Joel (14) wird sterben – So hilft der Kinderhospizdienst „Löwenzahn“ ihm und seiner Familie
Hellweger Anzeiger Shopping-Center
Drei neue Läden ziehen in die Thier-Galerie - eine bekannte Marke ist vor dem Absprung
Meistgelesen