Schuss beim Friseur: Besitzerin fürchtet um Existenz - und erzählt Medien falsche Geschichte

dzBlut-Fehde

Einen Tag nach dem Schuss in der Hansastraße scheint der Alltag dort wieder eingekehrt. Doch sowohl der Familien-Clan als auch die Rocker der Bandidos stehen weiter im Visier der Polizei.

Dortmund

, 19.07.2019, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reges Treiben auf der Hansastraße: Leute sitzen im Café, gehen in die Geschäfte, unterhalten sich. Ein Ort jedoch zeigt noch deutlich, dass sich hier am Donnerstagmorgen ein Verbrechen abgespielt hat: Die Scheiben des Friseursalons gegenüber des Museums für Kunst und Kulturgeschichte sind von innen mit Pappkartons verklebt, ein polizeiliches Siegel klebt über dem Schlüsselloch.

Hier wurde einem 38-jähriger Dortmunder während der Arbeit ins Bein geschossen. Die Polizei sagt, dass es sich wohl um eine „Beziehungstat“ zwischen der Rocker-Gruppe Bandidos MC und einem verfeindeten Familien-Clan handelt. Der Mann wurde nicht lebensgefährlich verletzt, musste am Donnerstag aber noch operiert werden.

Diesen Schuss hat die Inhaberin eines Kiosks in der Nähe des Friseursalons mitbekommen. Sie habe plötzlich einen Knall gehört, sagt sie gegenüber unserer Redaktion. Ihren Namen nennt sie nicht. Zur Tatzeit habe sie selber noch Kundschaft im Laden gehabt.

Was wirklich passiert sei, könne sie nicht sagen. Zwar sei ihr Geschäft geöffnet geblieben. Doch obwohl die Polizei sehr schnell Entwarnung für die Bevölkerung gab – nämlich schon um 11.30 Uhr – habe sie die Vorkommnisse des restlichen Tages lieber vom Handy aus beobachtet. Die Polizei fahndet auch am Freitag noch nach dem mutmaßlichen Täter.

Schuss beim Friseur: Besitzerin fürchtet um Existenz - und erzählt Medien falsche Geschichte

Das Schlüsselloch des Tatorts, eines Friseursalons an der Hansastraße, ist von der Polizei abgeklebt. © Verena Schafflick

Während im Kiosk also der Arbeitsalltag wieder eingekehrt ist, geht es im Friseursalon erst mal nicht weiter. Eigentlich war es der Plan der Betreiberin, möglichst schnell zum Tagesgeschäft überzugehen. Man merkte ihr schon am Donnerstag an, dass sie nun Angst um ihre Existenz hat.

Sie forderte Journalisten auf, nicht den Namen ihres Salons zu erwähnen. Sie ging sogar so weit, Medienvertretern zu erzählen, dass sich die Tat vor ihrem Geschäft ereignet habe. Damit widersprach die Frau aber ihrer Aussage gegenüber der Polizei, nach der es im Salon zum Schuss kam. Polizeisprecherin Dana Seketa, die das entsprechende Gespräch zwischen der Frau und mehreren Medienvertretern mithörte, griff ein.

Stimmung ist gefährlich

In der Hansastraße zieht der Laden immer wieder die Blicke von Passanten auf sich. Leute zeigen auf ihn, machen Fotos. „Hier war gestern die Schießerei“, erzählt ein Passant seiner Partnerin im Vorbeigehen. In einem Café in der Nähe diskutiert eine Gruppe über die Hintergründe der Tat. Dabei fallen auch die Namen des Clans und der Bandidos.

Für das Verhältnis der konkurrierenden Gruppierungen wird die Tat Folgen haben. Schon im Vorfeld war die Stimmung zwischen den Bandidos und dem Clan nicht gut, nachdem ein führendes Mitglied des Familien-Clans vom mutmaßlichen Opfer und einem weiteren Bandido durch Messerstiche schwer verletzt worden war.
Der jetzige Verletzte und damalige Täter war erst vor Kurzem zu vier Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden. Das Urteil wurde allerdings bis auf Weiteres außer Vollzug gesetzt.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Polizei ermittelt nach Schießerei in der City

An der Hansastraße soll ein Friseur angeschossen worden sein.
18.07.2019
/
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Die Polizei fahndete am Donnerstag noch nach dem mutmaßlichen Täter.© Verena Schafflick
Mit einem Spürhund fahndete die Polizei nach dem mutmaßlichen Täter.© Verena Schafflick
Über den Königswall ging es zur Brückstraße.© Verena Schafflick
An der Kuckelke verlief die Spur im Sande.© Verena Schafflick
Die Polizei sperrte ab dem Königswall die Hansastraße ab.© Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Die Polizei musste das Gelände großräumig absperren.© Verena Schafflick
Durch einen Schuss ins Bein soll am Donnerstagmorgen ein Mann in einem Friseursalon verletzt worden sein. © Verena Schafflick
Mit Flatterband wurde der Tatort abgesperrt.© Verena Schafflick
Noch sind die Hintergründe der Tat unklar.© Verena Schafflick
Die KTU untersuchte den Tatort.© Verena Schafflick
Gegen 10.45 Uhr fiel ein Schuss in einem Friseursalon.© Verena Schafflick

Vor dem Vereinsheim der Bandidos in Eving parkte am Freitagmorgen ein Polizeiwagen. Warum die Beamten vor Ort waren, will die Pressestelle nicht sagen: „Zu Maßnahmen machen wir keine Angaben“, so Sprecherin Nina Kupferschmidt. Allerdings habe man wegen der Verbindung zwischen den Gruppen solche Objekte im Blick.

Am Freitagmittag war hier alles ruhig. Vor dem Vereinsheim parkten keine Autos, die Rollladen waren runtergelassen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite saßen Jugendliche vor einem Jugendzentrum, Kinder spielten neben ihnen.

Auch in der Stahlwerkstraße am Borsigplatz, dem Hauptgebiet des rivalisierenden Clans, war alles ruhig.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt