Bienenschwarm legt große Baustelle mitten in der Dortmunder City lahm

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Kleine Tiere, große Auswirkung: Die Arbeiten auf der Baustelle an der Reinoldikirche sind am Dienstag teilweise zum Erliegen gekommen. Ein Experte hat sich des Problems schnell angenommen.

Dortmund

, 02.06.2020, 13:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Stockwerke fehlen noch im großen Neubau direkt neben der Reinoldikirche. Dennoch haben sich zu Wochenbeginn der ersten Juni-Woche bereits Bewohner im „Basecamp“ einquartiert – und damit für Probleme gesorgt.

Ein Bienenschwarm, den ein Arbeiter an der Decke zwischen drittem und viertem Stock am Dienstagmorgen (2.6.) entdeckte, legte die Arbeiten zumindest in einem Teilbereich lahm.

Aus Sicherheitsgründen riefen die Verantwortlichen der Baufirma einen Fachkundigen zu Hilfe und ließen die Arbeiter einen großen Bogen um die betroffene Stelle machen – zum Schutz der Arbeiter und zum Schutz der Bienen.

Mit einem Umzugskarton und einer Wasserflasche „bewaffnet“

Imker Ralf Schmidt aus Sölde ließ nicht lange auf sich warten. Kurz vor 14 Uhr war er da.

Wegen der Baustellen-Vorschriften musste er Helm und Warnweste anlegen - auf Schutz vor den Bienen verzichtete der Experte jedoch. Dafür war er mit einem großen Umzugskarton und einer Wasserflasche „bewaffnet“.

Hoch oben in der prallen Sonne, auf der unfertigen Decke über dem dritten Stock, hatte es sich der Bienenschwarm in einer Aussparung bequem gemacht. „Das sind so 10.000 bis 15.000 Bienen“, schätzt Imker Ralf Schmidt.

10.000 bis 15.000 Bienen hatten es sich auf der Baustelle gemütlich gemacht.

10.000 bis 15.000 Bienen hatten es sich auf der Baustelle gemütlich gemacht. © Wilco Ruhland

In dem großen Neubau auf der Kampstraße, wo einst das Karstadt-Einrichtungshaus stand, sollen unter anderem 430 Wohnungen vornehmlich für Studierende gebaut werden. Die Badezimmer werden als fertige Nasszellen eingesetzt.

Dafür gibt es größere Aussparungen in der Decke - und zusätzlich noch kleinere, durch die die Arbeiter hinterher die Abflussrohre legen.

Damit während der Bauphase niemand dort herunterfällt, ist die kleine Aussparung durch einen Holzkasten gesichert und hier, in einem der insgesamt 450 Holzkästen, hatten sich die Bienen eingenistet.

Arbeiter machen große Augen

Mit seinem Karton und einer Wasserflasche tritt Ralf Schmidt an die Stelle heran. Er sprüht Wasser auf die Tiere. „Das kühlt und macht die Flügel feucht, sodass sie nicht so schnell losfliegen. Das beruhigt die Bienen“, erklärt er.

Der Imker spuckt mehrmals Wasser auf die Bienen - das soll sie kühlen und etwas beruhigen, sagt er.

Der Imker spuckt mehrmals Wasser auf die Bienen - das soll sie kühlen und etwas beruhigen, sagt er. © Wilco Ruhland

Während die umherstehenden, muskulösen Arbeiter große Augen machen, hebt der Imker den Deckel des Holzkastens – an dem dem eine große Traube Bienen hängt – an und legt ihn in seinen Karton.

Die Luft ist erfüllt von den Insekten. Den Kasten klopft er furchtlos über seinem Karton aus. Die umherfliegenden Tiere orientieren sich mit der Zeit am Geruch ihrer Artgenossen und fliegen auch zu dem Karton, erklärt Schmidt.

Mit einem improvisierten Bienen-Fahrstuhl fahren die Tiere dann nach unten: in einer Mulde an einem Kran. Dort packt der Imker sie in sein Auto – am Telefon sagt er eine gute halbe Stunde später, dass der Schwarm bei ihm bereits ein neues Zuhause gefunden hätte.

Durch den Geruch ihrer Artgenossen werden die Tiere angezogen.

Durch den Geruch ihrer Artgenossen werden die Tiere angezogen. © Wilco Ruhland

Ein Glück sei es, dass der Schwarm so schnell entdeckt und entsprechend schnell reagiert wurde, meint Ralf Schmidt. Es sei viel schwieriger, die Tiere zu entfernen, wenn sie bereits ein Nest gebaut haben. Um sich zu vermehren schwärmen die Tiere aus und bauen neue Nester.

Ein Glück war es zudem für die Arbeiten, dass der Imker so schnell helfen konnte. So konnten die Arbeiten für den einen Vormittag umverlagert werden und zogen keine große Verzögerung für das gesamte Projekt nach sich - in circa einem Jahr soll das große Projekt fertig sein.

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So entfernt der Imker die Bienen von der Baustelle

02.06.2020
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Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Im Sommer 2021 soll das Bauwerk fertig werden - zwei Stockwerke fehlen aktuell noch.© Wilco Ruhland
Um sie zu kühlen und zu beruhigen, Bespuckt der Imker die Tiere mit Wasser.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Imker Ralf Schmidt konnte die Baustelle schnell von dem Bienenschwarm befreien.© Wilco Ruhland
Mit einer Mulde an einem Kran fuhren die Bienen per improvisiertem "Bienen-Fahrstuhl" hinunter.© Wilco Ruhland
Mit einer Mulde an einem Kran fuhren die Bienen per improvisiertem "Bienen-Fahrstuhl" hinunter.© Wilco Ruhland
Bei Imker Ralf Schmidt hat der Bienenschwarm ein neues und sicheres Zuhause gefunden.© Wilco Ruhland
An anderer Stelle konnten wir beobachten, wie eine Nass-Zelle in eine andere Aussparung eingesetzt wurde. In einer dieser Aussparungen hatten es sich die Bienen gemütlich gemacht.© Wilco Ruhland

Erstmeldung: 13:23 Uhr

Auf der großen Baustelle an der Kampstraße, zwischen Reinoldi- und Petrikirche, hat sich ein Bienenschwarm eingenistet.

Die Bauarbeiten auf der Baustelle der Ed. Züblin AG sind am Dienstag (2.6.) deshalb nach unseren Informationen teilweise zum erliegen gekommen. Deshalb soll ein gerufener Imker den Bienenschwarm gegen Nachmittag entfernen.

„Ich war selbst noch nicht da“, sagt Imker Ralf Schmidt, der sich der unliebsamen Baustellen-Gäste annehmen will. Dennoch schätzt er ein, dass sich der Schwarm einfach von ihm wegtragen lasse.

Um die die Arbeiter vor Stichen zu schützen, die allergische Reaktionen auslösen können, ist die Arbeit zumindest an dieser Stelle vorerst lahmgelegt.

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