Betteln ist in der Dortmunder Innenstadt nicht immer verboten

dzArmut

Neun Bettler auf dem Westenhellweg - „ist das das Stadtbild, das wir möchten?“, fragte ein Dortmunder Modehaus-Geschäftsführer. Nun antwortet das Ordnungsamt.

Dortmund

, 17.10.2018, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem Brief an Oberbürgermeister Ullrich Sierau hat Ansons-Geschäftsführer Björn-Daniel Solbach auch das Betteln auf dem Westenhellweg bemängelt. „Zumindest einige von ihnen“ seien „organisierte Bettler“. „Ist das das Stadtbild, das wir möchten?“, fragt der Modehaus-Chef.

Wir haben beim Ordnungsamt nachgefragt: Gerät da etwas außer Kontrolle? Stimmt auch das, was Einzelhändler zuletzt in der Dortmunder Gesprächsrunde „Handelsplatz Nummer 1“ berichtet haben? Also, dass die Stadt Düsseldorf das Bettler-Problem besser im Griff habe?

Platzverweise gegen aggressive Bettler

Dortmunds Ordnungsamtsleiterin Beate Siekmann verweist darauf, dass ihre Kollegen vom Ordnungsamt in der Landeshauptstadt über 124 Stellen im Außendienst verfügen, in Dortmund laut Plan aber nur 58. Beides sind Soll-Zahlen. Nicht alle Stellen sind tatsächlich besetzt. Unterm Strich könne die Stadt Düsseldorf intensiver kontrollieren als Dortmund, doch Dortmund sei nicht untätig. Zahlen zum aggressiven Betteln:

  • 2017: 167 Platzverweise (davon 152 in der City) und 109 Bußgeldbescheide
  • 2018: 172 Platzverweise (davon 165 in der City) und 149 Bußgeldbescheide

Die Zahlen für das Jahr 2018 gelten für die Monate Januar bis September. Steigen können die Zahlen, wenn das Ordnungsamt die Kontrollen erhöht. Die Teams des Ordnungsamt können auf aggressives Betteln mit Verwarn- und Bußgeldern reagieren. Die Preise:

  • aggressiv auf Passanten zubewegen: 15 Euro
  • neben Passanten bettelnd hergehen: 15 Euro
  • in den Weg stellen: 20 Euro
  • Passanten anfassen: 25 Euro
  • Passanten einschüchtern: 35 Euro
  • Passanten gewaltsam am Weitergehen hindern: 50 Euro
  • Passanten bedrohen: 50 Euro
  • Wiederholungsfälle: bis zu 100 Euro

Aggressives Betteln kann zunächst harmlos anfangen. Jürgen Walther, Abteilungsleiter für allgemeine Sicherheit und Ordnung bei der Stadtverwaltung: „Frauen aus Südosteuropa waren mit einen Rosen-Trick aufgefallen. Sie haben Passanten Rosen geschenkt und dafür eine Gegenleistung erwartet. Gab es keine Spende, sind die Frauen sehr ruppig geworden.“ Gegen diese Arbeitsweise sei das Ordnungsamt vorgegangen.

Betteln ist in der Dortmunder Innenstadt nicht immer verboten

Friedliches Betteln ist nicht verboten. © Peter Bandermann

Schwieriger wird es beim „organisierten Betteln“. Der Ansons-Geschäftsführer Solbach äußerte den Verdacht, dass Bettler in Dortmund organisiert arbeiten würden. Gemeint ist damit: Ein Kleinbus lädt Bettler, die das über den Tag verdiente Geld dann abgeben müssen. Doch weder Polizei noch Ordnungsamt liegen Erkenntnisse über diese Methode vor. „Wer ein Pkw-Kennzeichen und Orte nennen kann: her damit“, sagt Beate Siekmann. Allerdings: Das geltende Recht verbietet Absprachen beim Betteln nicht.

„Man darf Bettlern nicht verdrängen und die letzte Würde nehmen“, sagte unser Redakteur Peter Bandermann. Hier sein Video-Kommentar zum Thema:

Die meisten Bettler sind friedlich

„Das Betteln ist in jeder Großstadt ein Thema. In Dortmund haben wir es im Griff“, sagt Ordnungsamts-Leiterin Beate Siekmann. Nur selten würden Bettler Widerstand leisten. Die meisten seien friedlich und würden Anweisungen auch umsetzen. Beate Siekmann: „Mir ist wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen den Bettlern auch Hilfsangebote geben, denn viele Bettler sind obdachlos.“ Vielen Obdachlosen seien diese Angebote bereits bekannt. Sie würden sie aber nicht nutzen.

Bettler können Angst auslösen, wenn sie aggressiv auftreten. Das Ordnungsamt geht aktiv gegen sie vor, wenn die Teams einen Fall beobachten. Gegen friedlich dasitzende Bettler, die mit „stillem Betteln“ ans Geld kommen wollen, gehen die Kontrolleure nicht vor. „Mehrere Gerichte haben entschieden, dass eine Stadt dieses Betteln akzeptieren muss.“ Die Frage, ob das gut oder schlecht sei, müsse jeder Bürger sozial-moralisch für sich selbst entscheiden. Das Ordnungsamt aber werde gegen friedliche Bettler nicht vorgehen.

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Bei Problemen mit aggressiven Bettlern bittet das Ordnungsamt um einen Anruf beim Service- und Bürgerteam unter Tel. 0231 / 50 2 88 88.
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