Betreiber über „Köpi“-Aus: Zwischen BVB-Stars und brennenden Haaren

dzKult-Kneipe muss schließen

Die Kneipe „Kronen am Rathaus“, auch „Köpi“ genannt, muss schließen. Betreiber Frank Chagall fällt der Abschied äußerst schwer. Er blickt zurück auf eine Zeit voller besonderer Geschichten.

Dortmund

, 15.06.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den 14. April 2000 wird Frank Chagall so schnell wohl nicht mehr vergessen. Obwohl es eigentlich gänzlich anders geplant war, eröffnete Chagall bereits an diesem Tag die Gaststätte „Kronen am Rathaus“ in der Dortmunder City.

Doch nach 20 Jahren ist Schluss. Als Folge der Corona-Krise schließt die als „Köpi“ bekannt gewordene Kneipe für immer ihre Türen. Chagall hat in dieser Zeit viel erlebt und erzählt unter anderem von brennenden Hochsteckfrisuren und einigen Fußball-Legenden, die immer wieder den Weg in die Kneipe an der Balkenstraße fanden.

Übernahme schneller als geplant

Turbulent. Wenn man die Erzählungen von Frank Chagall über die Zeit im „Köpi“ hört, dann ist das eines der ersten Wörter, die einem in den Kopf kommen. Turbulent verlief schon die Eröffnung der Gaststätte im Jahr 2000.

Jetzt lesen

„Ich habe damals noch eine andere Diskothek in Dortmund betrieben und bekam dann Anfang April das ‚Köpi‘ angeboten. Da ich die Diskothek zum August verkauft hatte, war eigentlich auch für diesen Monat die Übernahme der Kneipe geplant“, erzählt Chagall.

Weil sich der damalige Betreiber der Gaststätte dann allerdings mit dem Besitzer überwarf, musste Chagall ins kalte Wasser springen und das „Köpi“ schon im April neu eröffnen - innerhalb einer Woche und deutlich früher als geplant.

Ein Leben in der Kneipe

„Ich war dann jeden Tag von morgens bis abends in der Kneipe. Am Wochenende habe ich auch noch die Musik gemacht und war deshalb häufig bis 5 Uhr in der Früh im ‚Köpi‘. Da hat meine Mutter dann die Frühschicht übernommen“, berichtet der Dortmunder.

Jetzt lesen

In der Woche habe er an manchen Tagen maximal sechs Gäste gehabt. Die Folge: „Die Kosten waren teilweise höher als die Einnahmen und ich habe zu Beginn noch zwischen der Diskothek und der Kneipe gependelt“, so Chagall.

Ein Leben für die Kneipe. So lässt sich wohl erklären, dass der Dortmunder beinahe jede freie Minute in der Gaststätte verbrachte. Lediglich sieben Tage im Jahr habe er mal Urlaub gemacht. „Aber auch nur mit einem schlechten Gewissen“, betont Chagall, der parallel noch seine Musik-Karriere ankurbelte.

Nebenbei wird die Musik-Karriere angekurbelt

Durch seine Auftritte als Schlagersänger habe er im Laufe der Zeit einige prominente Menschen kennengelernt, die dann auch in seinem Laden zu Gast waren und die Bekanntheit des „Köpi“ steigerten: Unter ihnen war etwa Schlagerstar Jürgen Drews.

„Ich habe meine Künstlerkollegen eingeladen und es kamen auch immer wieder Fußballer vorbei.“ Das „Köpi“ wurde somit nach und nach zur Kult-Kneipe. Laut Chagall gehörten unter anderem die ehemaligen BVB-Trainer Reinhard Saftig und Bert van Marwijk sowie der Präsident von Borussia Dortmund Reinhard Rauball zu den Besuchern.

Jetzt lesen

Obwohl 20 Jahre „Köpi“ zahlreiche Geschichten hervorgebracht hätten, ist dem Wirt eine ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Regelmäßig sei eine Frau zu ihm an das DJ-Pult gekommen und habe ihm ein Bier ausgegeben. „Als die Dame sich dann einmal etwas zu weit über das Pult lehnte, entzündete sich ihre Hochsteckfrisur an ein paar Teelichtern“, erzählt Chagall.

Zukunft bislang noch unklar

Daraufhin habe er versucht, die brennenden Haare mit dem Bier zu löschen. „Die Frau hat von dem Feuer allerdings gar nichts mitbekommen und mich deshalb ganz schön verhauen.“

Vier andere Gäste hätten eingreifen müssen und erst dann habe er die Situation aufklären können. Zwei Wochen später sei die Frau wieder in den Laden gekommen. „Ich habe sie zuerst gar nicht erkannt, aber dann hat sie die Geschichte noch einmal erzählt und seitdem können wir darüber wirklich herzhaft lachen“, unterstreicht Chagall.

Wie es nun aber mit der Gaststätte und ihm weitergeht, das weiß Chagall derzeit noch nicht genau. Sicher ist nur: Die Kult-Kneipe „Köpi“ ist in dieser Form vorerst Geschichte.

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie ans „Köpi“ denken? Schreiben Sie uns Ihre Lieblings-Anekdoten in die Kommentare unter diesem Artikel!
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Glosse: Wenn Sie Günna fragen...
Urlaub im Corona-Sommer: Arktis-Expedtion im Urlaub anne Nordsee