Bekommt Dortmund eine Seilbahn? Investor prüft Route in Innenstadt

dzUmweltfreundliche Mobilität

In Ski- und Wandergebieten gehören sie zum Alltag. Dabei könnten Seilbahnen auch innerstädtisch ein Mittel gegen Stau und dicke Luft sein. Auch in Dortmund? Das wird aktuell geprüft.

Dortmund

, 25.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sie produzieren keine Abgase, machen wenig Lärm und schlagen jedem Stau ein Schnippchen: Touristisch genutzte Seilbahnen, oft als Überbleibsel längst verblühter Gartenschauen, gibt es in Berlin und Koblenz. Nun denken immer mehr Städte darüber nach, Seilbahnen als regulären Teil des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) gegen verstopfte Straßen und dicke Luft einzusetzen.

Etwa in München. Die Stadt hat eine Machbarkeitsstudie für eine 4,5 Kilometer lange Strecke („Seilbahn am Frankfurter Ring“) in Auftrag gegeben. Sie soll drei U-Bahnhöfe verbinden.

Das Beispiel könnte Schule machen. Neben weiteren Städten wie Frankfurt, Bremen, Stuttgart und Bonn wird aktuell geprüft, ob eine „urbane Seilbahn“ auch in Dortmund als innovatives Verkehrsmittel eingesetzt werden könnte. Als Standort kommt die frühere Fläche von Hoesch Spundwand & Profil (HSP) an der Rheinischen Straße infrage. Im Planungs- und im Tiefbauamt ist man im Bilde.

Mit der Seilbahn übers HSP-Gelände

Das Gelände bringt es auf eine Größe von 63 Fußballfeldern (45 Hektar). Das ehemalige Industrie-Areal gilt als „Zukunftsfläche“. Dort soll ein modernes Stadtquartier entstehen; mit einem Wohngebiet, einem kleinen See, viel Grün, innovativen Unternehmen und, wenn möglich, mit einem neuen Campus der Dortmunder Fachhochschule (FH).

Die Machbarkeitsstudie ist in Arbeit. Darin lässt die Essener Thelen-Gruppe als Eigentümer der Fläche auch Varianten für die Verkehrsanbindung des künftigen Quartiers prüfen.

Jetzt lesen

Eine Option ist die Seilbahn, wie Projektmanager Stefan Christochowitz auf Anfrage bestätigt. „Wir prüfen, welche zukunftsweisenden Verkehrsträger Sinn machen und welche Trends sich umsetzen lassen." Dazu gehöre – neben der Erschließung durch die Stadtbahn – eine innerstädtische Seilbahn.

Zu Spekulationen, nach denen ein solches Projekt vom Bahnhof Dorstfeld über das HSP-Gelände bis zur Haltestelle „Hafen“ der U 47 an der Mallinckrodtstraße verlaufen könnte, mochte sich Christochowitz nicht äußern. „Es geht um Punkt-zu-Punkt-Verbindungen.“

Ein Puzzle im ÖPNV-Konzept

Wie der Thelen-Manager betont, würden nicht allein die baulichen (technischen) Möglichkeiten geprüft. „Wir müssen schauen, ob der Betrieb auch wirtschaftlich machbar ist.“

Tatsächlich geht es nicht darum, Touristen über eine Zukunftsfläche schweben zu lassen: Wenn, muss die Seilbahn Teil des ÖPNV-Systems sein und in die Tarifstruktur eingebunden werden. Sie sei nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur Stadtbahn zu verstehen, sagt Christochowitz. Das Ergebnis der Prüfung sei aber "völlig offen".

Jetzt lesen

„Unter diesen Vorzeichen wäre ein Seilbahn förderfähig“, sagt Verkehrsplaner Heiner Monheim, emeritierter Professor für Raumentwicklung an der Uni Trier. Monheim beschäftigt sich seit 15 Jahren professionell mit Seilbahnen und gilt bundesweit als Experte. „Eine Seilbahn über dem HSP-Gelände kann ich mir gut vorstellen“, sagt er auf Anfrage. Er kenne Dortmund noch aus seiner Zeit im NRW-Verkehrsministerium, in dem er von 1985 bis 1995 gearbeitet habe.

Studie soll Anfang 2020 kommen

Das Verkehrsmittel Seilbahn, so Monheim mit Blick auf die Mobilitäts-Diskussion, führe zur Entlastung der Straßen. Sie sei raumsparend und habe weniger Personalkosten als Bus und Bahn. Wichtig sei die Verknüpfung mit anderen Verkehrsträgern. „Es kommt nicht von ungefähr, dass die Variante in so vielen Städten durchgespielt wird.“

Auch in Hamburg. Eine früher geplante Seilbahn, die über die Elbe führen sollte, scheiterte am Nein der Bürger. Längst gibt es neue Überlegungen. Monheim weiß, dass eine Seilbahn aber nicht nur Freunde hat: Wenn Gondeln über Häusern schweben, könne es immer zu Widerstand kommen.

Anfang 2020 soll die Machbarkeitsstudie für das HSP-Gelände vorliegen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Straßenlaternen
Beleuchtung an der Rheinischen Straße fällt ständig aus – auch nächtelang