Bauträger lässt 24.000 Quadratmeter Biotop kaputtroden – obwohl er gar nicht bauen darf

dzAnwohner-Protest

Wo bis vor Kurzem noch jede Menge Grün war, ist jetzt braunes Brachland: Ein Bauträger hat ein riesiges Areal in bester Lage roden lassen. Die Anwohner sind in Sorge, was als nächstes kommt.

Dortmund

, 15.11.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Hans Semmler klingelte am Mittwoch (13. November) häufig das Telefon. Der Bezirksbürgermeister von Hombruch bekam ein heißes Ohr; denn am anderen Ende der Leitung machte sich jede Menge Ärger Luft. Es ging um das Grundstück zwischen Stockumer Straße/Am Gardenkamp/An der Panne in Eichlinghofen. Rund 24.000 Quadratmeter Natur. „Ein hochinteressantes Grundstück“, sagt Hans Semmler.

Autofahrer kennen es vom Vorbeifahren; denn an der Seite zur Stockumer Straße befand sich bis zum letzten Frühjahr über Jahrzehnte der Verkaufsstand einer Korbflechterei. Die dahinterliegende Fläche wurde über Jahre als Pferdeweide genutzt. Mit der Zeit verwilderte das Gelände, das zumindest in Teilen im Landschaftsschutzgebiet liegt. Insekten, Vögel und Kleintiere eroberten es. Auch Rehe und Füchse waren häufiger zu sehen, sagen Anwohner.

Mit Bagger, Fräse und Kettensägen

Damit ist es erst einmal vorbei; denn am Freitagnachmittag (8. November) rückte eine Baumdienstfirma mit mehreren Mitarbeitern, einem Bagger, einem Traktor mit großer Fräse und Kettensägen an. Bis Samstag, etwa 17 Uhr, rasierten sie die Fläche, verwandelten sie in eine braune Brache. Sie fällten 18 Pappeln und frästen alle hohen Gräser, alle Kleinbüsche und Brombeerbüsche bis in den Boden ab. „Ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob sich dort Tiere befinden“, schimpfen Nachbarn.

Sie hätten beim Umweltamt nachgefragt: Eine Fällgenehmigung habe es nur für die Pappeln gegeben. Doch sie trauern nicht nur um „das Biotop“ und haben sich nicht nur wegen der Rodung bei Hans Semmler gemeldet. Sie sind auch in Sorge darüber, was mit dem Gelände passieren soll.

Bauträger lässt 24.000 Quadratmeter Biotop kaputtroden – obwohl er gar nicht bauen darf

In einem Aushang trommeln die Anwohner für die Teilnahme bei der nächsten Bürgerfragestunde der Bezirksvertretung. © Schaper

Yilmaz Altinok, seit 8. April dieses Jahres Geschäftsführer der Lamassu Bauträger GmbH, der Eigentümerin des Geländes, macht dazu eine klare Aussage: Es solle dort „gar nichts“ passieren. „Wir wissen, dass das landwirtschaftliche Nutzfläche ist“, sagte er am Donnerstag im Gespräch mit dieser Redaktion. Warum hat dann der Bauträger das Grundstück überhaupt gekauft? Das sei vor seiner Zeit geschehen, so Alinok. Der Erwerb sei „eine Verrechnung“ statt Geld mit einem anderen Geschäft gewesen.

Über „Brombeerplantage“ beschwert

Warum dann die Rodung? „Ein Nachbar hat sich seit Monaten über die Brombeerplantage beschwert, die bis in seinen Garten gewachsen war“, sagt Altinok. Man habe die Jahreszeit abgewartet, in der man solche Schnittarbeiten durchführen dürfe.

Die Anwohner allerdings trauen dieser Aussage nicht. Nach einer angeblichen Auskunft von Altinok ihnen gegenüber „soll das Grundstück bebaut werden und man will sich um die Aufhebung des Status als Landschaftsschutzgebiet bemühen“, heißt es in einem Infoschreiben unter Nachbarn.

Auch ein Verwandter von Altinok hatte am Mittwoch gegenüber dieser Redaktion erklärt, momentan werde dort nicht gebaut, was mit dem Gelände geschehe, werde sich „in den nächsten Monaten entscheiden“. Möglichweise könne man dort ein Seniorenheim errichten, „wenn es erlaubt ist. Wir erkundigen uns, was man machen kann.“

„Eine Bebauung ist nicht zulässig“

Dazu kann der Bezirksbürgermeister die Anwohner beruhigen: „Die Fläche ist für die Landwirtschaft ausgewiesen, im Flächennutzungsplan, im Landschaftsplan und im Regionalplan. Eine Bebauung ist nicht zulässig.“

Diese „klare Auskunft“ hatte sich Semmler bereits im September vom Planungsamt eingeholt und selbst Kontakt zum Bauträger gesucht.

Thema in der Bürgerfragestunde

In ein paar Wochen hat Hans Semmler einen Termin mit Altinok beim Planungsamt. Fragt sich wozu, wenn der Bauträger dort nicht bauen will.

So oder so: Die Sorgen und Fragen der Anwohner bleiben. Am 3. Dezember (Dienstag) ab 14.30 Uhr wollen sie dazu die Bürgerfragestunde vor der Sitzung der Bezirksvertretung nutzen.

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