Bahn kann Rollstuhlfahrerin nicht zum Gleis bringen - obwohl das seit Monaten gebucht war

dzPersonal fehlt

Mitarbeiter der Sparkasse Dortmund konnten nicht glauben, was sie bei der Planung eines Abteilungsausflugs mit der Deutschen Bahn erlebten. Mit jeder Mail setzte die Bahn einen drauf.

Dortmund

, 30.08.2019, 15:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sollte ein Abteilungsausflug von rund 20 Mitarbeitern der Sparkasse Dortmund am Samstag (31. August) per Bahn nach Münster werden. Zwei Monate wurde dafür geplant. Damit auch die Kollegin im Rollstuhl mitfahren kann, hat sich Melanie Förster bereits im Juni bei der Mobilitäts-Hotline der Bahn telefonisch erkundigt, ob eine Beförderung des Rollstuhls auf das Gleis und in den Zug möglich sei. Kein Problem, bestätigte die Deutsche Bahn per Mail.

Daraufhin buchte Melanie Förster die Bahntickets. Am 15. August kam jedoch eine zweite Mail vom Mobilitätsservice – dieses Mal mit schlechten Nachrichten. Der Aufzug im Hauptbahnhof sei wegen Bauarbeiten außer Betrieb und eine Beförderung nicht wie gewünscht möglich. Man solle telefonisch Kontakt aufnehmen. Allerdings ist der Aufzug nicht erst seit gestern außer Betrieb, sondern schon seit Monaten.

Nutzung der Treppenraupe angeboten

Also rief Melanie Förster am 19. August erneut beim Mobilitätsservice an. Sie bekam die Nutzung einer „Treppenraupe“ angeboten. Das sei in Ordnung, ließ sie den Mobilitätsservice telefonisch wissen. Und wieder kam eine Mail – mit einer Absage. Der Grund wurde erst nach weiteren Gesprächen klar, erläutert Mirco Wangemann, bei der Sparkasse Kundenbetreuer für das internationale Geschäft.

Für die Treppenraupe würden zwei qualifizierte, in der Technik unterwiesene Mitarbeiter benötigt, es stünde aber wegen Urlaubs nur einer zur Verfügung, so der Mobilitätsservice. Kein Problem, meinten dagegen die Sparkassen-Mitarbeiter. Dann könne man ja mit anpacken. Nein, das gehe aus versicherungstechnischen Gründen nicht, lautete die Antwort.

Als Alternativen bot die Bahn Fahrten über Hamm (anderer Bahnsteig) oder zu anderen Zeiten an. Aufgrund von Aktivitäten in Münster machten alternative Zeiten für die Gruppe aber keinen Sinn. Die Kollegin im Rollstuhl reist nun mit dem Auto nach Münster, auch wenn die gemeinsame Bahnfahrt Teil des Ausfluges ist.

„Ausnahmsweise ein Gutschein“

Für Mirco Wangemann bleibt festzuhalten, „dass die Deutsche Bahn nicht in der Lage ist, an einem der größten deutschen Bahnknotenpunkte einem Menschen im Rollstuhl den Zugang zum Gleis zu ermöglichen.“ Die Krönung sei gewesen, dass die Bahn sich nicht in der Lage gesehen habe, das gebuchte Ticket vollständig zu erstatten, sondern „ausnahmsweise“ einen Gutschein ausstellen wollte.

Bahnsprecher Torsten Nehring erklärte dazu auf Anfrage: „Das ist nicht unser Qualitätsanspruch. Wir bitten um Entschuldigung, dass die Treppenraupe aus organisatorischen und personellen Gründen nicht zur Verfügung stand.“ Der mangelnde Informationsfluss sei den Umständen vor Ort geschuldet. Man werde auf die Reisende zugehen.

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