Armin Laschet spricht drinnen über Nachhaltigkeit - und bekommt draußen Gegenwind

dzUnternehmertag in Dortmund

Vuvuzelas, Tröten, Blockflöten: Bei seinem Auftritt in Dortmund erfährt der NRW-Ministerpräsident heftigen Protest. So diskutierte er mit den Demonstranten.

von Von Marie Frieling

Dortmund

, 22.05.2019, 18:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Hopp Hopp Hopp - Kohle Stopp“ und „Es gibt - Kein Recht - Die Umwelt zu zerstören“. Dazu Vuvuzelas, Tröten und auch die ein oder andere Blockflöte: Es ist eine ungewöhnliche Geräuschkulisse, die die Anzugträger, die am Dienstagnachmittag am Westfälischen Industrieklub Dortmund eintreffen, erwartet. Fast 40 junge Demonstranten haben sich am Alten Markt versammelt.

Der Anlass: Armin Laschet spricht am Dienstag auf dem 13. Unternehmertag der Kommende Dortmund zum Thema „Erfolgreich nachhaltig“. Die Dortmunder Fridays-for-Future-Aktivisten empfinden das als scheinheilig: „Dass der über Nachhaltigkeit reden will, ist eigentlich eine Frechheit“, ruft ein Schüler ins Megafon. Dem CDU-Politiker werfen sie vor, in der Klimapolitik zu bremsen und vor allem, den Kohleausstieg bis 2038 als „übereilt“ zu bezeichnen. Die bundesweite Klimastreik-Bewegung fordert einen Ausstieg bis 2030.

Vorfreude auf den großen Klimastreik

Die Stimmung ist gut bei den Demonstranten, trotz des regnerischen Wetters, die Vorfreude auf den für Freitag angekündigten großen internationalen Klimastreik anlässlich der Europawahlen groß. Doch heute, so betont die Schülerin Franka, demonstrieren die Schülerinnen und Schüler nach der Schule und wünscht sich, dass Armin Laschet, der die Schulstreiks zu Unterrichtszeiten des Öfteren kritisiert hat, auf sie hört. „Es wär‘ doch schön, wenn er das als direkte Demokratie ansehen würde und auf uns reagiert“, sagt die 14-Jährige.

Drinnen im Industrieklub erzählt der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker, der bei der Veranstaltung ebenfalls eine Rede halten wird, dass er die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler positiv sieht. Auch Detlef Herbers, stellvertretender Direktor der Kommende hat Verständnis für die „überaus erfrischende, engagierte junge Bewegung“.

Hitzige Diskussion mit Demonstranten

Draußen geht es konfrontativer zu. Auf dem Platz ist ein Mann in eine hitzige Diskussion mit den Demonstranten verstrickt. „Die Pflanzen brauchen Kohlendioxid!“ beteuert der Mann, was die Schülerinnen und Schüler zu „Hopp, Hopp, Hopp - Klimaleugner Stopp“ - Rufen veranlasst. „Bei diesem Herrn habe ich wohl eher das Gefühl, dass er die Schule geschwänzt hat, weil er nicht weiß, was der Klimawandel ist“, ruft ein Schüler ins Megafon.

Kurz bevor das Auto des Ministerpräsidenten am Alten Markt vorfährt, ist es plötzlich still, die Spannung ist spürbar. Als Laschet begleitet von Sicherheitsleuten aussteigt, fangen die Demonstranten an, zu der bekannten Melodie von „Bruder Jakob“ zu singen: „Armin Laschet, Armin Laschet, schläfst du noch? Schläfst du noch? Hörst du nicht die Sägen, hörst du nicht die Sägen? An deinem Stuhl. An deinem Stuhl.“

In der Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern muss er sich einige Vorwürfe anhören: „Der Kohleausteig bis 2038 bedeutet, dass wir alle leiden werden, dass wir alle die Folgen Ihrer Politik zu tragen haben!“ ruft ihm einer der Demonstranten zu. Laschet verteidigt sich, er sei erst zwei Jahre im Amt und die Vorgängerregierung habe den Kohleabbau auch nicht gestoppt. „Sie sagen ich tue nichts. Nachdem alle meine Vorgänger 50 Jahre Braunkohle verbrannt haben, bin ich dabei auszusteigen. Ich bin die Regierung, die aussteigt!“

Andere Töne im Saal

Auch im Saal spricht Laschet über den Kohleabbau, jedoch ein bisschen anders. Mit dem Verweis auf niedrige Arbeitslosenzahlen im Ruhrgebiet sagt er, es habe sich gelohnt, den Bergbau länger zu subventionieren und sich mit dem Stopp des Kohleabbaus mehr Zeit gelassen zu haben als beispielsweise Großbritannien.

Die Schülerinnen und Schüler auf dem Platz bleiben über zwei Stunden lang laut. Das hört man auch im Saal. Fast hat man das Gefühl, Laschets Mikrofon müsste lauter gestellt werden.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Klare Kante

Protest gegen Nazi-Demos? Nein, lasst die Rechten ins Leere laufen – wortwörtlich!