Die FFP2-Masken, die an Berechtigte fast kostenlos verteilt werden, finanziert der Bund. © dpa/ Friso Gentsch
Maskenverteilung in Dortmund

Reibach mit Masken-Verkauf? Apotheker: „Fairer Ausgleich für harte Arbeit“

Apotheken erhalten für die fast kostenlos verteilten FFP2-Masken vom Bund deutlich mehr Geld, als sie im Einkauf kosten. Ein Dortmunder Apotheker erklärt, warum er das als „fair“ empfindet.

Es klingt nach einem lukrativen Geschäft: Der Bund zahlte in der ersten Verteilungsphase an Apotheken sechs Euro für jede FFP2-Maske, die sie an Menschen aus bestimmten Risikogruppen austeilen. In der zweiten Phase erhalten die Apotheken 3,50 Euro pro Maske vom Bund – ein Betrag, der deutlich über dem Marktwert liegt.

Im Dezember 2020 verteilten Apotheken erstmals FFP2-Masken kostenlos an über 60-Jährige, Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen und Angehörige verschiedener Risikogruppen. „Damals bekamen die Apotheken vom Bund sechs Euro pro Maske“, sagt Kristian Reissig auf Anfrage, der gemeinsam mit Tochter Lisa Reissig die Dortmunder Delta- und Hirsch-Apotheke leitet.

Beitrag des Bunds auf 3,50 Euro pro Maske abgesenkt

Seit Januar erhalten die Berechtigten zwei Coupons für jeweils sechs Masken, die sie in Apotheken abholen können. Pro Coupon müssen sie zwei Euro selbst beisteuern. Im zweiten Verteilungsdurchgang zahlt der Bund 3,50 Euro pro Maske. „Sicherlich ist das kein schlechtes Geschäft“, sagt Reissig. Seine Mitarbeiter seien daher bemüht gewesen, möglichst viele Masken zu verteilen.

Vor allem durch die seit dem 25. Januar geltende verschärfte Maskenpflicht in NRW, nach der in bestimmten öffentlichen Bereichen medizinische Masken getragen werden müssen, habe sich die Nachfrage nach FFP2-Masken massiv erhöht.

Ulrich Ausbüttel von Ausbüttels Apotheken stellt auf Anfrage klar: „Was häufig übersehen wird, ist, dass die sechs Euro vom Bund ein Bruttobetrag sind.“ Nach Abzug der Mehrwertsteuer bleibe für die Apotheke 5,03 Euro übrig. „Das ist immer noch viel Geld, aber der Betrag wurde ja auch ab sofort auf 3,50 Euro abgesenkt“, so Ausbüttels.

Ausbüttels: Maskenpreise seien gesunken, weil sich Knappheit aufgelöst habe

Ulrich Ausbüttel erklärt die Preisentwicklung der Masken wie folgt: „Mitte vergangenen Jahres waren die Preise für FFP2-Masken so hoch, dass sie teilweise 20 bis 30 Euro gekostet haben.“ Im Herbst hätten die Apotheken für die Masken im Einkauf zwei bis drei Euro zahlen müssen – und daher vom Bund mehr Geld pro Maske erhalten.

„Dass die Preise so stark sinken würden und dass sich die Knappheit auflöst, das konnte ja keiner voraussehen“, sagt Ausbüttel, aber eben deswegen seien die Maskenpreise gesunken – so auch der Beitrag des Bundes. „Wenn es andersrum gekommen wäre, hätten wir bei Einkaufspreisen wie im Herbst oder Sommer die Kunden ja auch beliefert“, meint er. Im Moment würden zertifizierte Masken im Einkauf bei etwa 75 bis 90 Cent liegen.

Michael Mantell, Vorsitzender des Dortmunder Apothekervereins, sieht den vom Bund bezahlten Betrag für die Masken an die Apotheken als „fairen Ausgleich für harte Arbeit“ an. „Anfang Dezember haben wir aus dem Stand heraus die Maskenverteilung gemeistert, als alle anderen keine Masken liefern konnten, und haben damit Geld verdient“, sagt er.

Kurzfristig hätten die Apotheken im vergangenen Dezember innerhalb von vier Tagen FFP2-Masken an alle Berechtigten ausgeben müssen. „Das war nur durch Einsatz, Mehrarbeit, Überstunden und Wochenend-Schichten möglich“, sagt Mantell.

Apothekervereins-Vorsitzender weist Vorwurf zurück

Den Vorwurf, dass sich Apotheken nun durch den gesenkten Einkaufspreis mit den Masken die „Taschen vollstopfen“ würden, wie er sagt, weist er „ausdrücklich zurück“. Mit viel Aufwand seien die Apotheken in Vorleistung gegangenen. „Und jetzt wird man auf einmal so dargestellt, als sei man der große Corona-Gewinner, nur weil die Marktpreise gesunken sind“, meint Mantell.

Wichtig sei Michael Mantell zufolge, dass Bürger qualitativ gut, wohnortnah und sicher mit medizinischen Masken versorgt werden. Dies werde nur durch die Finanzierung des Bundes gewährleistet. Der Apothekervereins-Vorsitzende sagt: „Für gute Arbeit darf man auch eine sachgerechte Bezahlung verlangen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
2000 in Heinsberg geboren, seit 2020 als freier Mitarbeiter bei den Ruhr Nachrichten. Ich studiere Journalistik und Politikwissenschaft in Dortmund. Mit 16 Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen im Lokaljournalismus gemacht - und dort fühle ich mich zuhause.
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Nick Kaspers
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