AOK bewertet Dortmunder Kliniken – Reaktion: „Gefährliche Stimmungsmache“

dzKrankenhausvergleich

Eine Studie der AOK vergleicht die Qualität von Dortmunder Krankenhäusern. Das soll Patienten die Entscheidung erleichtern. Das sind die Ergebnisse - die Kliniken sehen sie kritisch.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 18.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Überdurchschnittlich, durchschnittlich , unterdurchschnittlich – in diese drei Kategorien teilt eine aktuelle Studie der Gesundheitskasse AOK zehn Behandlungen auch in Dortmunder Krankenhäusern ein. Die Qualitätsanalyse nimmt neun Kliniken in der Stadt unter die Lupe.

In der gesamten Region Westfalen-Lippe sind 145 Krankenhäuser und die Behandlungsverläufe von mehr als 76.000 Patienten Teil der Studie.

Patientendaten bis ein Jahr nach dem Eingriff

Der Qualitätsvergleich stützt sich auf das vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) entwickelte QSR-Verfahren (Qualitätssicherung mit Routinedaten). QSR beobachtet Patienten bis ein Jahr nach dem eigentlichen Eingriff. Das WIdO wertet die Daten dann aus, insbesondere mit Blick auf Komplikationen und Folgeereignisse.

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Bereits in den vergangenen Jahren hatte die AOK acht Gesundheitsleistungen mit der QSR untersucht, darunter Gallenblasen- und Prostataentfernungen und Operationen an Knie- und Hüftgelenk. In der aktuellen Studie gibt es zwei Neuerungen: Hüftprothesenwechsel und Leistenbruch-OPs wurden erstmals bewertet.

Vier der neun Kliniken in Dortmund erhielten in einer, das Katholische Krankenhaus Dortmund West in zwei Kategorien eine überdurchschnittliche Wertung.

Dortmunder Krankenhäuser schneiden durchschnittlich ab

Das Krankenhaus in Kirchlinde liegt bei Blinddarmentfernungen und Leistenbruch-OPs weit vorn. Operationen gutartiger Prostatavergrößerungen verlaufen laut der Studie im Klinikum Nord und im St.-Josefs-Hospital besonders gut. Oberschenkelfrakturen behandelt das Knappschaftskrankenhaus in Wambel überdurchschnittlich, Leistenbrüche das Johannes-Hospital.

Insgesamt fallen die meisten Ergebnisse für Dortmunder Krankenhäuser aber eher durchschnittlich aus. Beide Standorte des Klinikums Dortmund schnitten bei Leistenbruch-Operationen und Blinddarmentfernungen unterdurchschnittlich ab. Der Standort Mitte außerdem beim Ersatz des Kniegelenks.

Das Knappschaftskrankenhaus wird bei Blinddarmentfernungen und dem Ersatz des Kniegelenks ebenfalls nur unterdurchschnittlich bewertet. In anderen Krankenhäusern gibt es aufgrund geringer Fallzahlen überhaupt keine Analyseergebnisse.

Dass ein Krankenhaus in verschiedenen Leistungsbereichen unterschiedlich gut abschneidet, ist laut Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest, nicht ungewöhnlich. Das liege einerseits an den unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden der Eingriffe, anderseits daran, dass diese von unterschiedlichen Operateuren vorgenommen und die Patienten von verschiedenem Pflegepersonal versorgt würden.

Krankenhäuser kritisieren die Analyse

Clemens Galuschka, Geschäftsführer der Katholischen St. Lukas Gesellschaft, zu der das Katholische Krankenhaus Dortmund West und das St.-Josefs-Hospital gehören, sieht Analysen wie diese allerdings kritisch. „Allein aus den Daten zahlender AOK-Patienten irgendwelche Qualitätsparameter abzuleiten, ist schwierig“, sagt er.

Die Wertungen würden keine Risikounterschiede einbeziehen, die von Alter, Vorerkrankungen und vorherigen Operationen derjenigen Patienten abhängen, die ein Krankenhaus behandelt. „Für mich ist die QSR als professioneller Maßstab für die Qualität eines Krankenhauses völlig unzureichend“, so Galuschka.

„Eine solche Stimmungsmache seitens der Krankenkassen ist außerdem gefährlich, weil sie das Risiko erhöht, dass irgendwann niemand mehr Risiko-Operationen durchführen will, weil die einem den Schnitt versauen.“

Würden solchen Analysen in der Öffentlichkeit zu viel Bedeutung beigemessen, könne das auf lange Sicht beispielsweise dazu führen, dass Patienten nicht mehr operiert würden, die im Falle einer OP eine 30-prozentige Heilungschance hätten, ohne Operation aber mit Sicherheit sterben würden.

AOK-Krankenhausnavigator: Hilfestellung oder Chaos?

Die Ergebnisse der gesamten Studie fließen in den AOK-Krankenhausnavigator im Internet ein (weisse-liste.krankenhaus.aok.de). Dieser bietet Patienten Hilfestellung bei der Entscheidung für die beste Klinik für eine bevorstehende Behandlung. Der Krankenhausnavigator zeigt neben der QSR auch die Ausstattung, die ärztliche Qualifikation sowie die Hygienezustände in den Krankenhäusern an.

Auch den Krankenhausnavigator bewertet Clemens Galuschka kritisch: „Wenn Sie die Daten alter und junger Patienten aus verschiedenen Risikogruppen mischen, führt das eher zu Chaos und Verwirrung“, sagt er. Die Aussagekraft des Navigators sei außerdem gering.

Aus dieser Analyse allein dürfe man eben nicht schließen, dass Kliniken wie das Knappschaftskrankenhaus und das Dortmunder Klinikum etwa keine Leistenbrüche und Blinddarmentzündungen operieren können.

Nichtsdestotrotz seien Qualitätsanalyse und -kontrolle der St. Lukas Gesellschaft wichtig. „Aber wenn man nur zahlende AOK-Patienten in die Bewertung einbezieht, sind die Ergebnisse ungenau und unzureichend“, sagt Clemens Galuschka.

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