Ante Perry im Interview: „Dortmund muss sich nicht verstecken“

dzDortmunder DJ

Ante Perry ist eines der Gesichter der Dortmunder DJ-Szene. Am Freitag erscheint sein neues Album. Im Interview erzählt er, wo man es zum ersten Mal hören sollte und warum er umgezogen ist.

Dortmund

, 28.08.2018 / Lesedauer: 6 min

Es war um die Jahrtausendwende herum, als Ante Perry als DJ in das Dortmunder Nachtleben einstieg. Heute ist er einer der bekanntesten DJs der Stadt, bekommt Aufträge in ganz Europa und arbeitet mit den Größen der elektronischen Musik-Szene zusammen.

Etwas mehr als zwei Jahre lang hat der 38-Jährige an seinem neuen Album „Welcome to Perrydise“ gearbeitet. Am Freitag kommt es auf den Markt und am Samstag legt Ante Perry bei einer Release-Party die neuen Songs im Tanzcafé Oma Doris auf.

Redakteurin Jana Klüh hat mit ihm über das neuen Album, seine Heimat Dortmund und sein neues Zuhause Berlin gesprochen.

Sie sind im März von Dortmund nach Berlin gezogen. Was hat denn Berlin, was Dortmund nicht hat?

Ich bin der Liebe wegen nach Berlin gezogen. Meine Frau wohnt dort, wir werden heiraten. Ich wollte da eigentlich nie hinziehen, weil es mir in Dortmund immer sehr gut gefallen hat. Jetzt merke ich aber, was das für Vorteile hat, weil hier alles so nah beieinander ist. Berlin ist ja die Hauptstadt der elektronischen Musik weltweit. Ich teile mir ein Studio mit David Keno, in der Etage über mir arbeiten Künstler wie K-Paul, Kid Simius, Marteria. Paul Kalkbrenner guckt auch ab und zu mal rein – das Umfeld ist sehr attraktiv. Und Berlin ist eine wunderschöne Stadt. Dort sind die Menschen sehr entspannt und tolerant.

Gibt es etwas, das Sie aus Dortmund vermissen?

Den BVB und das Stadion. Und natürlich meine Freunde.

Man hört immer wieder, mit dem Dortmunder Nachtleben geht es bergab. Früher war alles besser. Wie sehen Sie das?

Das ist die Standard-Floskel der Leute, die ein bisschen in die Jahre gekommen sind und nicht mehr so oft rausgehen. Das ist totaler Quatsch. Dieser ganze Sommer war gespickt mit Open-Airs, Veranstaltungen, Festivals. Die Stadt initiiert eine Menge, zum Beispiel die DJ-Picknicks. Im Sommer braucht sich Dortmund wirklich nicht über Ausgehmöglichkeiten beschweren.

Aber es ist schon schade, dass es keinen reinen elektronischen Club mehr in Dortmund gibt – so wie früher das Royal Bambi, das Versteck oder den Zuhouse-Club. Dort hatten wir großartige Nächte. Heute bereichern dafür kreative Veranstalter die Stadt mit coolen Eventreihen. Zum Beispiel die Crushed Party in der Oma Doris, bei der mein alter Freund der Wolf (Dortmunder DJ, Anm. d. Red.) regelmäßig Platten auflegt.

Was müsste sich in Dortmund ändern, damit es wieder ein attraktiveres Club-Angebot gibt?

Ein erster Schritt wäre sicher die Abschaffung oder Senkung der Vergnügungssteuer. In Dortmund muss man als Veranstalter, anders als in vielen anderen Städten, 20 Prozent Vergnügungssteuer auf Eintrittsgelder zahlen. Das kulturelle Angebot leidet darunter, dass es ambitionierten Menschen schwer gemacht wird.

Sie legen in Clubs überall auf der Welt auf – aber immer wieder auch in Dortmund. Warum?

Weil Dortmund meine Heimatstadt ist. Hier bin ich aufgewachsen, hier habe ich als DJ das Laufen gelernt. Mein erster Resident-Job war im Clubbing 69, der zweite dann im Zuhouse-Club. Hier herzukommen bedeutet für mich Heimspiel. Deswegen versuche ich nicht zu oft, aber regelmäßig mit meinem Publikum in Dortmund zu feiern. Meine Mutter kommt übrigens auch gern zu meinen Veranstaltungen hier. Das ist schön.

Was unterscheidet Partys in Dortmund von denen in Berlin?

In Berlin kann man von donnerstags bis montags oder dienstags durchgehend feiern. Das geht hier durch die Sperrstunde nicht. Verstecken muss Dortmund sich trotzdem nicht. Ich habe hier schon genauso wilde Partys gefeiert wie in Berlin. Die Leute sind einfach toll hier.

Am Freitag erscheint Ihr Debütalbum. Es heißt „Welcome to Perrydise“. Wo sollte ich es mir zum ersten Mal anhören?

Beim Autofahren.

Warum?

Naja. Wann hört man noch bewusst Musik? Alle hängen an ihren Handys, sind beschäftigt, haben wenig Zeit. Im Auto ist man fokussiert und hat so das größtmögliche Hörerlebnis. Eine Stunde Autofahrt ist perfekt, um dieses Album anzuhören.

Das Album heißt „Welcome to Perrydise“. Die Songs klingen nach Sommer, Strand, Meer. Wie sind sie entstanden?

Die Namensfindung war ein ähnlich langer Prozess wie die Produktion der Musik selbst. Was haben wir uns den Kopf zerbrochen. Eines Nachts kam meine Verlobte mit diesem Knaller um die Ecke. Der Name ist perfekt. Mit dem Paradies verbindet man Sonne, Strand, Palmen, gute Drinks, Musik und vor allem auch Vielfältigkeit. Das Album habe ich aber tatsächlich in Dortmund in der Kaiserstraße produziert – nicht am Strand.

Wie sieht denn Ihr persönliches „Perrydise“ aus?

Das ist tatsächlich irgendwo am Meer unter Palmen mit ganz vielen Freunden. Die Welt ist immer ein schönerer Ort, wenn viele Freunde dabei sind.

Musikalisch möchten Sie in keine Schublade passen. Das Album bedient viele Stile, trotzdem gibt es ja etwas, das Ihre Musik ausmacht. Wie würden Sie das nennen?

Vor Jahren habe ich über meine Musik mal gesagt: Disco im Zeichen des Flashes. Und Mike Litt (DJ, Anm. d. Red.) hat daraus dann „Flashing Disco Sounds“ gemacht. Und ich finde das beschreibt es ganz gut. Das sind drei Worte, das heißt Alles und Nichts. Worauf man sich immer bei mir verlassen kann: Wenn ich irgendwo auflege, dann brennt der Baum.

Auf dem Album gibt es auch viele Hip-Hop-Elemente, die man so von Ihnen vielleicht nicht erwarten würde…

Ich bin ja ein Kind der Alten Schule. Bin mit deutschem Oldschool-Hip-Hop groß geworden, mit dem Wolf habe ich früher viel abgehangen. Ich habe noch nie Hip-Hop produziert, fand es für dieses Album aber eine gute Möglichkeit. Ich möchte damit an die Offenheit der Leute appellieren.

Ist das Album so etwas wie Ihr Meisterwerk?

Ja, es ist bis jetzt das Schönste, Anstrengendste und Emotionalste, was ich musikalisch je gemacht habe.

Wie sieht Ihr Alltag aus? Ihre Arbeitszeiten liegen ja eher in der Nacht.

Ich habe eine Sieben-Tage-Woche. Arbeite als selbstständiger DJ und Produzent mit eigenem Label quasi rund um die Uhr. Mal am Schreibtisch, mal im Studio, oft unterwegs am Smartphone. Ich gehe regelmäßig laufen, um das auszugleichen.

Warum ist Sport wichtig für Sie?

Erstmal natürlich für die Gesundheit. Mein Alltag läuft entgegen des üblichen Rhythmus. Ich schlafe wenig am Wochenende, ich reise sehr viel, trinke gerne das ein oder andere Bierchen. Laufen ist für mich eine gute Möglichkeit, um auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen, den Kopf frei zu kriegen und etwas für meinen Körper zu tun. Zusätzlich gehe ich regelmäßig in die Sauna. Und, toi, toi, toi, ich war seit 20 Jahren nicht krank.

Was beschäftigt Sie gerade?

Für mich ist es die Woche der Wahrheit. Am Freitag erscheint das Album, Donnerstag feiern wir Release in Berlin erst auf der MS Perrydise auf der Spree, dann im Club. Samstag geht es dann in der Oma Doris weiter, wo ich mit den Jungs von Younotus so richtig aufdrehen werde. Montag fliege ich dann nach Griechenland, um zu entspannen. Zehn Tage lang Perrydise am Pool.

Sie feiern ihre Album-Release-Party in Dortmund in der Oma Doris. Warum gerade da?

Die Oma Doris ist mit Abstand der beste Club in Dortmund. Ich arbeite sehr gern mit dem Besitzer zusammen. Ben (Bolderson, Anm. d. Red.) ist ein toller Typ. Es hat für mich immer etwas Nostalgisches dort hinzugehen, wegen der Einrichtung und der langen Tradition – die Anlage ist megamodern und der Sound großartig. Ich mag auch, dass die Tanzfläche so nah am DJ-Pult ist und diesen einzigartigen Look hat mit den Spiegeln und der Lichtanlage. Und die Lage in der Innenstadt ist auch top.

Wer sind Sie, wenn Sie nicht DJ Ante Perry sind?

Tobitob von Fünfsterne Deluxe nennt mich in unserem Song „Gib dem Affen Zucker“ den vollschlanken DJ mit dem Silberblick. Der bin ich wohl. Der mit dem Bauch und dem Humor. Ansonsten bin ich einfach Andreas Pachurka. Ich trinke gerne ein Glas Rotwein oder ein kaltes Pils, gehe gerne gut Essen und genieße das Leben.

Die Album-Release-Party mit Ante Perry und dem Berliner DJ Younotus in der Oma Doris, Reinoldistraße 2-4, beginnt am Samstag (1.9.) um 22.30 Uhr. Der Eintritt koset bis 24 Uhr 10 Euro, danach 14 Euro. Das Album „Welcome to Perrydise“ ist ab dem 31. August erhältlich. Für 11,99 Euro bei iTunes, für 21 Euro als Vinyl. Eine Hörprobe gibt es bei iTunes.

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