JVA-Leiter Ralf Bothge zeigt die hölzernen Kabinen, in denen die Besucher durch Scheiben von den Insassen abgetrennt sind. © Kevin Kindel (Archiv)
Coronavirus

Anders als bei Lehrkräften: Keine Testpflicht für Gefängnis-Personal

Auch im Gefängnis ist der Corona-Schutz wichtig. „Unter den Bediensteten haben wir natürlich schon Corona-Fälle gehabt“, sagt der Leiter der JVA in Dortmund. Er berichtet, wie sich die Pandemie auf den Alltag auswirkt.

Die Corona-Infektionszahlen steigen, Arbeitnehmer sollen, wenn es irgendwie möglich ist, von zu Hause aus arbeiten. Doch es gibt viele Jobs, bei denen das nicht möglich ist – zum Beispiel bei vielen Mitarbeitenden in der Justizvollzugsanstalt (JVA).

Dabei arbeiten sie in einer Einrichtung, die ganz besonderen Corona-Schutz braucht. Schließlich leben im Gefängnis an der Lübecker Straße 320 Menschen auf engem Raum nah beieinander. Das Coronavirus soll keinerlei Möglichkeit bekommen, sich in der Einrichtung auszubreiten.

Fallzahlen „im niedrigen zweistelligen Bereich“

Weil die Angestellten in ihrer Freizeit aber auch Kontakt zu anderen Menschen haben, hat es durchaus schon Corona-Fälle im Team der JVA gegeben, wie Behördenleiter Ralf Bothge auf Anfrage mitteilt. Zu größeren Ausbrüchen sei es aber nicht gekommen. „Relativ gut“ komme man bislang durch die Pandemie.

Er habe die Fälle nicht aufgelistet, sagt aber, dass die Zahl seit Beginn der Pandemie „im niedrigen zweistelligen Bereich“ läge – wahrscheinlich seien etwas mehr als zehn Angestellte infiziert gewesen. Krankenhaus-Aufenthalte wegen Covid-Erkrankungen seien ihm aber nicht bekannt. Aktuell sei ein Kollege infiziert.

Eine Testpflicht gibt es für Gefängnis-Personal nicht, berichtet Bothge. „Wir bieten aber zweimal pro Woche die Möglichkeit, sich hier testen zu lassen.“ Der Chef lobt seine Kollegen, die gut mitdenken und umsichtig mit der Situation umgehen würden.

Neue Gefangene würden bei ihrer Ankunft immer aufs Coronavirus getestet und unabhängig vom Ergebnis 14 Tage lang isoliert, sodass sie nur den notwendigen Kontakt zum Personal hätten. Nach diesen zwei Wochen würden sie erneut getestet und dann bei negativem Ergebnis normal untergebracht. „Das hat sich bewährt“, sagt Bothge.

320 statt 405 Plätze sind belegt

Normalerweise hat der „Lübecker Hof“ Platz für 405 Gefangene. Weil für die Quarantäne-Abteilung besonderer Platz benötigt wird, sitzen aktuell 320 Menschen ein. Besucher sind von den Insassen seit dem vergangenen Jahr wie im Film durch Glasscheiben getrennt. Ob sie bald negative Testergebnisse zu Besuchsterminen mitbringen müssen, werde aktuell besprochen, so Bothge.

Ganz optimal ist der Corona-Schutz im Gefängnis für den JVA-Leiter aber noch nicht. „Bei den Impfungen sind die meisten unserer Bediensteten leider erst in Stufe drei dran.“ Nur die Wärter der Quarantäne-Abteilung und das medizinische Personal haben bereits ein Anrecht auf Impfungen gegen das Coronavirus.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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