Achtfacher Mordversuch: Mutmaßlicher Brandstifter beschuldigt seine Ex

dzProzess am Landgericht

Aus Frust soll ein 42-jähriger Mann im November 2019 in der Nordstadt ein Feuer gelegt haben. Zu Beginn des Prozesses wegen Mordversuchs lästert der Angeklagte über seine Ex-Freundin.

Dortmund

, 18.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nacht des 28. November 2019 werden acht Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Mallinckrodtstraße wahrscheinlich nie vergessen. Gegen 23 Uhr breiteten sich plötzlich im Hausflur dichte Rauchwolken und Flammen aus. Nur der Feuerwehr hatten es die Männer, Frauen und Kinder zu verdanken, dass sie lebend gerettet wurden.

Feuerwehr rettete Bewohner

Schon sehr bald, nachdem das Feuer gelöscht war, stand ein furchtbarer Verdacht im Raum. Als Ursache kam nämlich nur Brandstiftung in Betracht.

Inzwischen rekonstruieren die Ermittler das Tatgeschehen so: Ein 42-jähriger Mann soll in der Nacht einen Kanister mit Diesel im Keller ausgeschüttet und den Brandbeschleuniger dann angezündet haben.

Bei dem Mann handelt es sich um einen Obdachlosen, der zur Tatzeit regelmäßig im Keller des Hauses übernachtet haben soll. Oberstaatsanwalt Carsten Dombert wirft ihm nun nicht nur Brandstiftung, sondern auch achtfachen Mordversuch vor. Der 42-Jährige habe gewusst, dass sich Menschen in dem Haus aufhielten und deren Schicksal sei ihm egal gewesen.

Angeklagter wohnte im Keller, in dem er das Feuer legte

Zu Prozessbeginn nutzte der Angeklagte die Gelegenheit, seine Sicht der Dinge zu schildern. Demnach hatte er sich an jenem Abend mit seiner Partnerin gestritten, die zusammen mit ihm in dem Keller gewohnt habe. Nachdem er seine Lebensgefährtin einmal erwähnt hatte, redete sich der Angeklagte regelrecht in Rage.

„Wo ich zur Brandzeit war? Keine Ahnung, wie das heißt. So 60 Kilometer von Dortmund entfernt.“
Ex-Partnerin des Angeklagten

Alkohol, Drogen und Streit hätten damals den Tagesablauf des Paares bestimmt, sagte er. „Jetzt, wo ich nüchtern bin, frage ich mich ständig, wie ich überhaupt so viel Zeit mit dieser Frau verbringen konnte“, sagte der 42-Jährige mit einem Kopfschütteln. „Sie hat alles kaputtgemacht, was ich jemals besessen habe.“ Außerdem habe die Frau selbst schon viele Brände gelegt.

Streit in der Tatnacht

In der Tatnacht soll sich dann Folgendes abgespielt haben: Mal wieder habe es Streit gegeben. Und in dessen Verlauf habe die Frau ihn rausgeschmissen und gesagt: „Ich werde dafür sorgen, dass du hier nie wieder wohnen kannst.“

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Der Angeklagte sagte den Richtern am Donnerstag: „Ich wusste gleich, was das heißen soll. Um sie zu provozieren, habe ich dann an der Tankstelle einen Kanister Diesel vollgemacht und ihn später wütend in den Hausflur geworfen.“

Der 42-Jährige ist also davon überzeugt, dass nur seine Ex-Partnerin für die Brandstiftung infrage kommt. Die 31-Jährige will davon allerdings nichts wissen. „Ich habe damit nichts zu tun“, sagte sie in ihrer Zeugenvernehmung.

Zur eigentlichen Brandzeit sei sie nämlich gar nicht in dem Keller, sondern mit einem Bekannten namens Hassan unterwegs gewesen. Wo? „Keine Ahnung, wie das heißt. So 60 Kilometer von Dortmund entfernt.“

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