Acht Stationen führen auf dem Evangelischen Friedhof Mengede über den Weg der Trauer

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Wie überkommt man Verlust, Abschied und Trennung? Möglichkeiten gibt es viele. Eine davon können Interessierte nun auf dem Evangelichen Friedhof Mengede ausprobieren: den Trauerparcours.

Mengede

, 24.10.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf dem Evangelischen Friedhof Mengede ist in den vergangenen Monaten etwas für Dortmund bislang Einmaliges entstanden: ein Trauerparcours mit acht Stationen. Diese symbolisieren die unterschiedlichen Gefühlslagen während eines Trauerprozesses. Der kleine Rundweg zwischen Alpha-Tor (Anfang) und Omega-Tor (Ende und gleichzeitig Neuanfang) lädt aber nicht nur Trauernde, die gerade einen geliebten Menschen verloren haben, ein.

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Vom Alpha-Tor zum Omega-Tor

Der Trauerparcours auf dem Evangelischen Friedhof Mengede ist ein neues Angebot, sich mit Verlust, Abschied und Trennung auseinanderzusetzen. Auch Kinder sind durchaus willkommen.
24.10.2018
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Die Rampe symbolisiert mit dem Schritt durch das Alpha-Tor und einer hohen Stufe den Sturz ins Leere, die viele nach dem Tod eines Menschen empfinden.© Beate Dönnewald
Das Labyrinth steht für das Gefühlschaos am Anfang einer Trauerphase.© Beate Dönnewald
Auf dem Balancierpfad fühlen Petra Kern, Bianca Strundem (Gemeindemitglied) und Pfarrer Springer Gleichgewicht-Verlust eines Trauernden nach.© Beate Dönnewald
Der Hügelpfad ist Symbol für das ständige Auf und Ab während einer Trauerphase.© Beate Dönnewald
Die Bänke bieten den Trauernden die Möglichkeit, auszuruhen und Kraft zu schöpfen.© Beate Dönnewald
Der Würfel steht für Rückzug und den gleichzeitigen Kontakt mit der Außenwelt.© Beate Dönnewald
Die Lichtwand eröffnet neue Perspektiven.© Beate Dönnewald
Die Spiegelwand – hier geht es mit eigenem Antrieb zurück ins Leben und durchs Omega-Tor.© Beate Dönnewald

Auch mit Abschied, Trennung, Verlust abseits von Sterben und Tod können sich die Besucher hier auseinandersetzen. Das kann eine Scheidung sein genauso wie ein Umzug oder das Scheitern eines Lebensplans. „Die Trennung der Eltern fühlt sich für Kinder auch erst mal wie der Tod an. Denn ein Elternteil ist zumindest dauerhaft nicht mehr da“, erklärt Kindertrauerbegleiterin Petra Kern.

Erfahren können Friedhofsbesucher den Trauerparcours alleine oder in der Gruppe – und wer möchte, auch in Begleitung von Pfarrer Gerd Springer oder Petra Kern. Letztere betont: „Es geht hier aber ums eigene Fühlen, Erleben und Spüren. Nichts wird vorgegeben.“ Auch die Reihenfolge der einzelnen Stationen müssten nicht eingehalten werden, ergänzt Pfarrer Springer. Fünf Stelen mit Infotafeln bieten den Besuchern Orientierung, lassen ihren eigenen Gedanken, Gefühlen und Assoziationen aber genügend Raum. „Sie und Ihre Trauer sind so individuell wie der Mensch, den Sie verloren haben“, steht zum Beispiel auf einer der Tafeln.

Ein "Leise- und Langsam-Spielplatz"

„Nichts muss, alles kann“ – so wird es im dazugehörigen Flyer formuliert.

An der offiziellen Einweihung des Trauerparcours mit Pfarrer Gerd Springer haben zahlreiche interessierte Bürger teilgenommen. Auch mit den Kindern des evangelischen Kindergartens war Petra Kern bereits vor Ort. Für die Kleinen habe sie den Trauerparcours in einen „Leise- und Langsam-Spielplatz“ umbenannt.

Es sei beeindruckend, sagt die Kindergartenleiterin, wie die Kinder auf die einzelnen Elemente reagieren würden. „Diese Offenheit, dieses freie Fühlen, das gibt es nur bei Kindern.“ Petra Kern und Gerd Springer hoffen, dass noch viele Menschen diesem „Weg ins Leben“ auf dem Friedhof an der Mengeder Schulstraße nachspüren werden. Allein oder in der Gruppe. So, wie es sich für sie am besten anfühlt.

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