Abos, Facebook & Co: Wie das virtuelle Ich nach dem Tod weiter durchs Netz geistert

dzDigitaler Nachlass

Kaum jemand beschäftigt sich mit seinem digitalen Nachlass. Doch nach dem Tod bleiben jede Menge Daten im Netz zurück. Das virtuelle Ich lebt weiter – und stellt Angehörige vor Probleme.

Dortmund

, 07.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bild, wie Heinrich beim Dorffest in Lütgendortmund Salsa tanzt, findet man noch immer auf seinem Facebook-Profil. Ebenso längst überholte Neuigkeiten seines Lieblingsvereins BVB und Geburtstagsglückwünsche von Freunden. Augenblicke aus dem Leben von Heinrich (der natürlich anders heißt). Noch immer sind sie gespeichert, obwohl Heinrich seit gut zwei Jahren tot ist. Gestorben im Alter von 66 Jahren.

Wie viele andere Facebook- und Instagram-Nutzer hat sich auch Heinrich wohl nie Gedanken darüber gemacht, dass sein virtuelles Ich nach seinem Tod weiterlebt. Immer mehr Menschen hinterlassen ihre Spuren in den sozialen Netzwerken, aber die wenigstens tragen Sorge dafür, dass sie mit ihrem Tod gelöscht werden. Sie denken nicht daran, dass sie neben ihren Habseligkeiten auch jede Menge Daten zurücklassen, die als Geisterprofile das Netz bevölkern.

Angehörige bleiben überfordert zurück

Der digitale Nachlass umfasst neben geposteten Inhalten, Homepages und Blogs, Likes und Fotos auch E-Mail-Accounts, Online-Abos oder Guthaben auf Online-Konten. Das lässt häufig überforderte Angehörige zurück, etwa wenn sich automatisch verlängernde Abo-Lieferungen aus Online-Shops weiter eintreffen, Strom- oder Telefonrechnungen unzugänglich für Hinterbliebene im E-Mail-Postfach landen. Denn das Erbrecht sieht vor, dass alle Verträge des Verstorbenen grundsätzlich auf den Erben übergehen.

Susanne Wolf, Bestatterin bei der Genossenschaft der Dortmunder Friedhofsgärtner, kennt das Problem seit mindestens fünf Jahren aus täglicher Erfahrung. „Wir sprechen die Kunden auf den digitalen Nachlass an. Das gehört bei uns zum Service; denn die meisten Kunden kommen da nicht drauf.“ Die Alten, weiß sie, besuchen eigens Internet- und Handykurse an der Volkshochschule, denken aber nicht daran, welche Spuren sie digital hinterlassen. „Und die Jüngeren denken nicht daran, dass sie sterben könnten“, sagt Susanne Wolf, die seit 25 Jahren als Bestatterin tätig ist.

Bestandteil der Bestattungs-Vorsorgeregelungen

Während Bankkonten in der Regel aufgelöst würden, hätten die Kunden die Internet-Accounts nicht auf dem Schirm. Sie frage dann, so Wolf, ob es eine Liste mit Passwörtern gebe. Oder ob die Hinterbliebenen ins E-Mail-Programm kämen. Sie rate ihnen, dafür zu sorgen, „dass der Internet-Zugang sauber ist“. Der digitale Nachlass sei inzwischen auch Bestandteil der Bestattungs-Vorsorgeregelungen, sagt Susanne Wolf.

Ob E-Mails, Nutzerkonten, hochgeladene Fotos oder Chat-Nachrichten – auch die Verbraucherberatung rät dazu, diese Zugänge im Blick zu haben und frühzeitig Vorkehrungen für den eigenen Tod zu treffen.

Eine Liste mit den Accounts anlegen

Helene Schulte-Bories, Chefin der Dortmunder Verbraucherberatung, empfiehlt, eine Liste der eigenen Accounts mit Benutzername und Passwörtern anzulegen und sicher zu verwahren. Eine Person des Vertrauens sollte zum Verwalter des digitalen Nachlasses bestimmt und von der Liste in Kenntnis gesetzt werden. „Und halten Sie das in einer Vollmacht schriftlich fest“, rät Schulte-Bories. Zudem sollte man in der Vollmacht detailliert aufschreiben, was mit den eigenen Accounts geschehen soll, zum Beispiel welche Daten gelöscht und ob Accounts in sozialen Netzwerken in einen Gedenkstatus umgeschaltet werden sollen.

Es gibt sogar die Möglichkeit, zu Lebzeiten den Hinterbliebenen nach dem Tod noch letzte Liebesbotschaften, Geschäftsgeheimnisse oder das Lieblingsrezept für den Apfelkuchen zu hinterlassen (www.lasthello.de) – auch ein Online-Abo, das sich aber sozusagen selbst kündigt.

Im Facebook-Account von Heinrich haben Angehörige die Traueranzeige hinterlegt.

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