Abiturienten in Dortmund bekommen Zeugnisse im Autokino

dzZeugnisvergabe in Corona-Zeiten

Das Abitur ist durch, doch wie feiert Dortmunds Corona-Jahrgang seinen Schulabschluss? Zwei Schulen gehen bei der Zeugnisvergabe einen ungewöhnlichen Weg. Schwieriger ist es bei den Abibällen.

Dortmund

, 12.06.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nachdem die Abitur-Klausuren und die mündlichen Prüfungen trotz aller Widrigkeiten geschafft sind, steht der Corona-Abschlussjahrgang der Dortmunder Schulen vor dem nächsten Problem: Was passiert eigentlich mit den Zeugnisübergaben und den Abi-Bällen?

Wenn ganze Jahrgangsstufen ein besonderes Ereignis wie eine Zeugnisvergabe begehen, kommen mit Lehrern, Freunden und Familien schnell weit über 100 Menschen zusammen. Und solche Veranstaltungen sind auch nach den jüngsten Corona-Lockerungen in NRW immer noch mit hohen Hürden versehen.

Zwar sind laut der neuesten, ab 15. Juni gültigen, Corona-Schutzverordnung des Landes Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern möglich. Sie bedürfen aber eines besonderen Hygienekonzepts und müssen mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.

Zeugnisse in den Leistungskursen

Doch mit der Zeugnisübergabe auf die Nach-Corona-Zeit zu warten, ist auch keine Lösung. Schließlich wollen Unibewerbungen geschrieben und Ausbildungen begonnen werden. Und so gibt es an vielen Dortmunder Schulen Zeugnisvergaben im kleinen Kreis. Denn unter 50 Teilnehmern dürfen solche Zeremonien nun ohne Weiteres stattfinden.

„Bei uns werden die Zeugnisse leistungskurs-weise ausgehändigt“, erklärt Paul Schneider, Schülersprecher an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Brackel. Wirklich glücklich sind die Schüler mit der Vorstellung, ihre Schullaufbahn so unspektakulär zu beenden, aber nicht.

„Wir haben entschieden, dass diese kleine Zeugnisübergabe nicht unsere Verabschiedungsfeier sein wird“, sagt Paul Schneider. Stattdessen planen sie, trotz der Widrigkeiten, eine „richtige, würdige Verabschiedung mit Einlaufen und Sektempfang“. Die soll allerdings erst am 1. Oktober stattfinden.

Abschied im Autokino

An der Gesamtschule Brünninghausen und dem Mallinckrodt-Gymnasium haben die Abiturienten eine andere Lösung gefunden. Sie bekommen ihre Zeugnisse wie geplant noch im Juni.

Dafür haben sie die Veranstaltung kurzerhand an einen weitaus spektakuläreren Ort als die Schulaula verlegt: in das Autokino im Schatten des Hochofens auf dem Phoenix-West-Gelände. Hier findet am 18. Juni die Zeugnisvergabe der Gesamtschule Brünninghausen statt, das Mallinckrodt-Gymnasium folgt zwei Tage später am 20. Juni.

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Um 16 Uhr bekommt der Abiturjahrgang aus Brünninghausen als erste Stufe in Dortmund auf der Bühne des Autokinos die Abiturzeugnisse ausgehändigt. „So können alle Schülerinnen und Schülern zusammen mit ihren Familien und Freunden die Übergabe gemeinsam erleben“, sagt Oberstufenkoordinator Martin Hartmann.

Wie zu einer Kinovorstellung kommen die Abiturienten mit ihren jeweiligen Familien in verschiedenen Autos, sodass die Hygieneregeln eingehalten werden können.

Trotzdem soll es eine gemeinsame Veranstaltung werden, an die die Schüler sich lange erinnern. „Die Zeugnisse und Ehrungen können so persönlich auf der extra vom Betreiber errichteten Bühne übergeben werden. Das Händeschütteln wird durch den Coronashuffle ersetzt“, sagt Hartmann.

Schulen hoffen, dass Abibälle nachgeholt werden können

Früher als die Zeugnisvergaben und auch mit größerem Aufwand werden meist die Abibälle geplant. Denn ein solcher Abend kostet viel Geld. Einnahmen aus Kuchenverkäufen und Gesangseinlagen gegen Spenden auf dem Weihnachtsmarkt fließen oft jahrelang in die Abikasse.

Viele Schulen überlegen nun, die abgesagten Bälle nachzuholen. An der Geschwister-Scholl-Gesamtschule will man keinesfalls darauf verzichten. Der 2. Oktober als Ersatztermin im Freischütz stehe, so Paul Schneider.

Herausforderungen bleiben jedoch: „Wir wissen noch nicht, wie wir das mit der Menschenmenge und dem Buffet machen“, sagt er. Denn 600 Gäste sollen es werden. „Es ist momentan noch ein großes Hoffen, dass sich bis dahin alles etwas beruhigt hat.“

Bisher hat seine Stufe nur eine Anzahlung von 500 Euro für die Raummiete gezahlt. Die wäre erstattet worden, hätte die Veranstaltung ausgefallen müssen.

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