550 Airbnb-Wohnungen in Dortmund: Umstrittene Studie sieht Positiv-Effekt für Wohnungsmarkt

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Schadet AirBnb dem Dortmunder Wohnungsmarkt? Nein, sagt eine neue Studie. Ihr Auftraggeber ist: Airbnb selbst. Mieterschützer und Hotel-Vertreter bezweifeln die Ergebnisse der Untersuchung.

Dortmund

, 27.08.2019, 04:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit einigen Jahren tobt in Großstädten eine wohnungspolitische Diskussion: Verschärfen Kurzzeitvermietungs-Plattformen im Internet, allen voran Airbnb, die Wohnungsnot? Auch in Dortmund werden Wohnungen in illegale Ferienappartements umgewandelt. Airbnb meint, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Kurzzeitvermietungs-Portalen und dem Wohnungsmangel.

Airbnbs jüngste Waffe in diesem Kampf ist 33 Seiten stark und trägt den sperrigen Titel „Airbnb im Kontext zentraler quantitativer Einflussfaktoren auf regionale Wohnungsmärkte“. Es ist eine Studie, das Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut Empirica hat sie erstellt – im Auftrag von Airbnb selbst. In ihr werden die Auswirkungen von Kurzzeitvermietungen über Airbnb auf vier Städte untersucht: Berlin, Hamburg, München und Dortmund.

60 bis 70 betroffene Wohnungen in Dortmund

Ihr Fazit fällt sehr vorteilhaft für Airbnb aus: Zwar werden dem Wohnungsmarkt Wohnungen entzogen, weil sie ausschließlich als Ferienappartements genutzt werden. Doch die Gesamtzahl sei so gering, dass sie bei Wohnungsnot und steigenden Mieten keine nennenswerte Rolle spielen. Stattdessen empfiehlt die Studie der Politik, ihre Augenmerk auf Wohnungsneubau zu legen.

In der Studie werden konkrete Zahlen für Dortmund genannt, die auf Daten von Airbnb beruhen: Ihr zufolge wurden 2018 in Dortmund rund 550 Wohnungen auf Airbnb angeboten, wovon aber „der geringste Anteil“ dem Wohnungsmarkt Wohnraum entziehe: Laut Studie gibt es in Dortmund „höchstens“ 60 bis 70 Airbnb-Wohnungen, die dauerhaft als Ferienappartements genutzt werden. Das entspreche nur 0,4 Prozent des zukünftigen Bedarfs an Neubauwohnungen.

Studie: Airbnb entlastet indirekt den Wohnungsmarkt

Die Studie geht sogar noch einen Schritt weiter: Airbnb würde den Wohnungsmarkt entlasten. In den untersuchten Städten sei die Zahl der Übernachtungen steil angestiegen. Die über Airbnb vermieteten Wohnungen würden helfen, den gewachsenen Bedarf an Übernachtungsmöglichkeiten zu decken. Gäbe es sie nicht, müssten mehr Hotels gebaut werden – auf Bauflächen, die dann nicht mehr dem Wohnungsbau zur Verfügung stünden.

Dieser zusätzliche Flächenbedarf entspricht „ersten Schätzungen“ der Macher der Studie zufolge etwa der Wohnfläche der aktuell als Ferienappartements zweckentfremdeten Wohnungen. Für Dortmund errechnen sie eine „eingesparte“ Fläche von knapp 3400 Quadratmetern, was rund 50 Wohnungen entsprechen würde.

Mieterverein: „Eine ziemlich steile These“

„Eine steile These“, nennt das Dr. Tobias Scholz, wohnungspolitischer Sprecher des Mietervereins Dortmund. So einfach könne man es sich mit dem Vergleich nicht machen: „Dabei werden die planungsrechtlich vollkommen unterschiedlichen Voraussetzungen für Wohnungen und Hotels mit keinem Wort erwähnt. Etwa sind Wohnungen in einem Gewerbegebiet nicht erlaubt.“

Grundsätzlich findet er den Tenor der Studie problematisch: „Die Studie zeichnet ein Bild, als sei die Zweckentfremdung von Mietwohnungen als Ferienwohnungen vom Effekt her gar nicht so schlimm. Zweckentfremdungsverbote sind jedoch ein wichtiger Baustein der städtischen Wohnungspolitik und stärken den Mieterschutz.“

Dehoga: Studie rechnet Zahlen schön

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hält die Zahlen der Studie für „schöngerechnet“: „Das Institut hat ein unfundiertes Kriterium nach dem anderen auf die Zahlen angewendet, bis es gepasst hat“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung mit mehreren Mietervereinen im Rheinland.

Die Interessenvertretung der Hoteliers, die Airbnb als Konkurrenten um Übernachtungsgäste sieht, fordert eine Registrierungspflicht für private Vermietungen. Vermieter privater Ferienwohnungen sollten ihre Gäste und den Zeitraum der Vermietung melden. Wer dagegen verstoße, müsse mit Bußgeldern von bis zu 500.000 Euro belangt werden.

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