In den Anfangsjahren der Dortmunder Berufsfeuerwehr haben Pferde die Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens gebracht. © Sammlung Winter
Mit Video

120 Jahre Berufsfeuerwehr Dortmund: Viele Fotos zeigen die Anfangsjahre

Im Jahr 1901 sind Rettungskräfte noch mit Kutschen und Fahrrädern zum Einsatz gefahren. Einer der ältesten Feuerwehrleute der Stadt spricht im Video über seine Ausbildung in den 50er-Jahren.

Die Berufsfeuerwehr Dortmund wird 120 Jahre alt. Den Großteil dieser Zeit hat Pit Richarz miterlebt: Der 85-Jährige ist 1959 in die Feuerwehr eingetreten und heute noch bei den „Alten Löschknechten“ aktiv, wie sich die Pensionäre nennen.

„Wir hatten den ersten Lehrgang, der ein halbes Jahr gedauert hat“, erinnert sich Richarz. In den Nachkriegsjahren sei die Ausbildung zunächst aufs Nötigste beschränkt gewesen und habe nur wenige Wochen gedauert. Im Jahr 1959 habe es in Dortmund auch nur fünf Feuerwachen gegeben, erzählt der Pensionär.

„Die Hauptwache war in der Innenstadt an der Silberstraße“, sagt Richarz und zeigt ein Foto des Gebäudes mit kleinem Turm. Es befand sich zwischen Hansaplatz und dem heutigen Standort der Thier-Galerie. Die restlichen vier Wachen waren in der Nordstadt, in Brackel, Hörde und Marten.

„Als in Lanstrop eine große Siedlung gebaut wurde, kam da die Wache sechs dazu“, sagt Richarz. Heute hat die Berufsfeuerwehr in Dortmund neun Standorte und 19 weitere der Freiwilligen Feuerwehren.

Pit Richarz hat kuriose Geschichten von der Feuerwehr in einem Buch gesammelt. © Kevin Kindel © Kevin Kindel

Als der heute 85-Jährige seinen Dienst begonnen hat, war die gesamte Ausstattung wesentlich dürftiger als heute. „Wir hatten einen alten Kran von den Amerikanern, der hat 100 Liter Sprit gefressen“, sagt er. Löschfahrzeuge seien damals „riesige Schiffe“ gewesen.

„Heute gibt es Feuerschutzbekleidung vom Allerfeinsten“, sagt Richarz: „Wir hatten nur die Ausgehuniformen. Und die alten wurden eben im Einsatz benutzt.“ Filtergeräte zum Atemschutz hätten das Atmen deutlich erschwert.

Mit zwölf Männern fing es an

Dabei sah die Ausstattung in den Anfangsjahren noch mal ganz anders aus. Freiwillige Feuerwehren gab es schon lange – um auf den großen Aufschwung der Stadt Dortmund durch Industrialisierung und Bergbau zu reagieren, wurde aber um 1900 eine Berufsfeuerwehr nötig.

An der Silberstraße in der Innenstadt war ein Löschzug mit nur zwölf Männern stationiert. Die sogenannte Dampfspritze war ein Gefährt mit Kutschenrädern, das von Pferden gezogen wurde. In einem Kessel wurde der nötige Wasserdruck erzeugt.

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120 Jahre Berufsfeuerwehr Dortmund

Im Jahr 1903 wurde der erste mit Pferd bespannte Krankenwagen in Betrieb genommen. „Die Berufsfeuerwehr übernimmt damit den Krankentransport, für den bis dahin die Polizeiverwaltung zuständig war“, ist in der Feuerwehr-Chronik zum 100-Jährigen zu lesen.

Auch wenn der technologische Fortschritt die Sicherheit der Feuerwehrleute bis heute deutlich vergrößert hat: „Wir haben auch jedes Feuer aus gekriegt und sind überall reingegangen“, sagt Richarz über die 60er-Jahre. Notärzte seien bei Rettungseinsätzen auch zu seiner Zeit noch nicht mitgefahren. „Für uns hieß es: hinkommen, einladen und ins Krankenhaus bringen.“

Im Foyer der Feuerwache 1 ist ein Buch ausgestellt mit den Todesdaten der Männer, die im Einsatz ihr Leben gelassen haben. Acht Namen sind dort vermerkt, der erste zu einem Todesfall aus dem Jahr 1905, die letzten beiden aus 1978. Erstaunlich wenige Verluste aus 120 Jahren mit lebensbedrohlichen Situationen.

Einer der Einsätze, die Pit Richarz am meisten in Erinnerung geblieben sind, ist direkt zwei Wochen nach seinem Dienstantritt passiert. In Aplerbeck habe es damals im Dezember 1959 eine Gasexplosion gegeben, die Rettungskräfte seien zunächst gar nicht an die drei betroffenen Häuser gekommen, weil so viel Schutt auf der Straße lag. „Es gab etliche Tote und zig Vermisste“, erinnert sich Richarz.

„Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann“

Ob man sich nach vielen Jahren im Rettungswesen daran gewöhne, tote Menschen zu bergen, fragen wir: „Sowas wie einen psychologischen Dienst gab’s bei uns nicht“, sagt Richarz: „Ich wüsste auch nicht, dass jemand einen Knacks gekriegt hat.“ Für so eine Aufgabe muss man wohl gemacht sein. Jahrzehnte später hat der 85-Jährige immer noch Kontakt zu seinen Kameraden: „Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann“, sagt er bestimmt.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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