11.000 Prämiensparverträge gekündigt: So begründet die Sparkasse den Schritt

dzFinanzen

Viele Kunden sind verärgert, dass die Sparkasse ihnen lukrative Prämiensparverträge gekündigt hat. Doch die Sparkasse sieht keine andere Möglichkeit - und nennt Gründe für den Schritt.

Dortmund

, 11.02.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Kündigung von mehr als 11.000 lukrativen Prämiensparverträgen zum 28. Februar hat sich die Sparkasse den Unmut vieler Kunden zugezogen. In dem Schreiben an die Kunden begründet das Finanzinstitut die Maßnahme mit dem erheblich geänderten Zinsumfeld am Kapitalmarkt. Wie die Sparkasse und der Sparkassenverband Westfalen-Lippe auf Anfrage erklärten, lassen sich die ehemals in Aussicht gestellten Prämien nicht mehr erwirtschaften.

„Die Niedrigzinsphase hält nunmehr bereits seit Jahren an. Das veränderte Zinsumfeld erschwert es der Sparkasse Dortmund, die Erträge zu erwirtschaften, die benötigt werden, um die jährlichen Prämienzahlungen aufzubringen“, heißt es in dem Kündigungsschreiben.

Bereits im letzten Oktober hatte die Sparkasse gegenüber dieser Redaktion erklärt, sie habe ihre Kunden bereits über Jahre hinweg vor den Belastungen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geschützt. „Jedoch haben die jüngsten Entscheidungen der EZB den Druck auf Sparkassen und Banken weiter verschärft.“

Teures Prämienversprechen

Beim „Prämiensparen flexibel“ handelt es sich um Sparverträge mit langer Laufzeit und lukrativem Bonussystem. Die Prämien begannen im ersten Jahr bei 0 Prozent, kletterten im zehnten Jahr auf 25 und ab dem 15. Jahr auf 50 Prozent der jährlichen Sparsumme. Zahlen die Kunden beispielsweise 1200 Euro im 15. Jahr ein, steuert die Sparkasse 600 Euro dazu.

Der Kapitalmarkt gebe es nicht mehr her, solche Gewinne zu erwirtschaften, erläutert Volker Willner, Pressereferent beim Sparkassenverband Westfalen-Lippe: „In einer Zeit, in der keine Zinsen mehr gezahlt werden, kriegt die Sparkasse das nicht wirtschaftlich dargestellt.“ Das wirtschaftliche Umfeld und die Rahmenbedingungen hätten sich so geändert, „dass wir finden, unbefristete Verträge nach so langer Laufzeit kündigen zu können, wenn die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind.“

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Und die sind laut Sparkasse nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs gegeben. Der hatte am 14. Mai 2019 entschieden, dass Sparkassen nach Erreichen der höchsten Prämienstufe – beim „Prämiensparen flexibel“ also nach 15 Jahren – Ratensparverträge ohne festgeschriebene Vertragslaufzeit ordentlich kündigen dürfen.

Spar-Alternativen

„Vor dem Hintergrund des veränderten Zinsumfeldes, das einen sachlichen Grund nach Auffassung des Bundesgerichtshofs für die Kündigung bildet, ist unser Haus zur Kündigung berechtigt“, schreibt die Sparkasse Dortmund an ihre Kunden – und bittet um Verständnis für diese Vorgehensweise. Viele Kunden hätten auch Verständnis für diese Maßnahme, so Sparkassensprecherin Sophie Donat. Andere allerdings haben Widerspruch erhoben.

Die Sparkasse biete ihren Kunden Alternativen an, unterstreicht Volker Willner, „auch mit einer monatlichen Sparrate, wo man auch noch was verdienen kann.“

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