11.000 Kilometer Reise für ein mittelmäßiges Fußballspiel

dzArgentinier in Dortmund

Länderspiel in Dortmund: Was bei BVB-Fans nicht zwangsweise für Begeisterungsstürme sorgt, lockt Menschen von der anderen Seite der Welt in die Stadt.

Dortmund

, 09.10.2019, 17:33 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein regnerischer Herbsttag ist nicht der beste Zeitpunkt, um Dortmund zu besuchen. Juan steht trotzdem fröhlich auf dem Westenhellweg: „Gegen die Kälte haben wir etwas dabei“, sagt der Argentinier laut lachend auf Englisch und setzt seinen Rucksack ab: „Wodka!“ Nur für das Fußball-Freundschaftsspiel Argentinien gegen Deutschland ist er nach Dortmund gekommen. Aus Argentinien. Ja, wirklich.

Mit seinen Kumpels Damian und Argen war Juan schon bei der WM in Russland und ist der argentinischen Mannschaft zu anderen Turnieren wie der Südamerika-Meisterschaft hinterhergereist. Wir fragen, ob die Männer enttäuscht sind, dass Messi, di Maria und Agüero in Dortmund nicht spielen.

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„Ach, die Spieler sind uns egal“, sagt Argen - so wie der Robben, nur mit G. „Wir sind wegen des fantastischen Stadions gekommen“, schwärmt der junge Mann, der seit fast 15 Jahren in Spanien lebt. Und wegen des besten Publikums in ganz Europa, wie Juan hinzufügt. Dass die Stimmung beim Länderspiel nicht mit der bei einem BVB-Spiel vergleichbar ist - mit dem Hinweis wollen wir den Männern die Laune nicht verderben.

Argen ist Fan der Boca Juniors aus Buenos Aires. Von diesem Verein ist Leonardo Balerdi kürzlich zu Borussia Dortmund gewechselt. „Der hat bei uns erst zwei Spiele in der ersten Liga gemacht“, sagt Argen: „Dafür ist der Junge viel zu teuer gewesen.“ Ob mit oder ohne Balerdi auf dem Platz - die Freunde sind sich sicher: Argentinien werde gewinnen.

11.000 Kilometer Reise für ein mittelmäßiges Fußballspiel

Juan Pablo (v.l.), José und Federico zeigen ihr Banner für Lionel Messi. © Kevin Kindel

Wenig später irren auf dem Alten Markt drei Studenten ziellos umher. „Wir können gerne Deutsch sprechen“, sagt der, der sich als Federico vorstellt. Die drei jungen Männer sind zusammen aus den Anden nach Deutschland gezogen und studieren in Dresden.

Und jetzt suchen sie andere Argentinier, die sie auf der Busfahrt nach Dortmund kennengelernt haben. Auf dem Platz sind keine zu sehen, in den Kneipen sitzen aber einige.

„Deutschland ist wunderbar“, sagt Federico: „Und Dortmund ist auch sehr schön.“ Sogar im grauen Oktober. Seit Anfang September leben die angehenden Ingenieure in Europa.

Für das Fußballspiel haben sie ein Banner mitgebracht, das sie im Stadion aufhängen wollen: „Mein Vater erzählte mir von Maradona, ich werd‘ vor meinem Sohn über Messi reden.“ Der sei schließlich ein Fußballer von einem anderen Planeten.

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Wer das Spiel am Abend gewinnen wird? „Argentinien natürlich, aber ist ja heute nicht so wichtig“, sagt Federico: „Das wichtigere Spiel hat Deutschland 2014 gewonnen.“ Und eine andere Frage beschäftigt die jungen Männer eh noch viel mehr: Stadionkarten haben sie zwar schon, allerdings noch keinen Schlafplatz. „Mal sehen, wir finden schon etwas“, sagt Federico. Diese südamerikanische Gelassenheit müsste man haben.

Nach einem Sieg für Argentinien sah es zunächst übrigens nicht aus: Deutschland führte dank der Tore von Gnabry und Havertz zunächst mit 2:0. Letztlich lief es hinaus auf ein 2:2 - Unentschieden.

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