Bilden ein erfolgreiches Trainer-Gespann beim Holzwickeder SC: Florian Bartel (r.) und Axel Schmeing, der den Verein am Saisonende nach fünf Jahren verlassen wird. © Holzwickeder SC
Fußball-Oberliga

Herr Bartel, warum gehen Sie zum ASC 09, obwohl Sie in Holzwickede verlängert haben?

Der ASC 09 hat Florian Bartel als neuen Co-Trainer vorgestellt. Der Holzwickeder SC war überrascht. Bartel hatte beim HSC schon verlängert. Bartel erklärt im Interview seinen Wechsel.

Florian Bartel ist Projektleiter in der Elektroindustrie. Der 27-Jährige ist also ein guter Organisator, und dass nicht nur im Job. Auch beim Fußball-Oberligisten Holzwickeder SC hat man seine Fähigkeiten geschätzt. Deshalb hat der Klub seinen Vertrag als Co-Trainer um ein Jahr verlängert. Trotzdem steht er in der Saison 2021/22 an der Linie des Liga-Rivalen ASC 09 Dortmund. Warum? Das erklärt er im Interview.

Ist es richtig, dass Sie beim Holzwickeder SC für die kommende Spielzeit zugesagt hatten?

Das ist korrekt. Nachdem Marc Woller als neuer Trainer vorgestellt wurde, habe ich bei der Sportlichen Leitung um Bedenkzeit gebeten.

Sie haben im Februar gesagt, dass Sie in Ihren 24 Jahren als Fußballer noch nie eine so charakterstarke Mannschaft erlebt haben wie die in Holzwickede. Es sei in Holzwickede super harmonisch. Warum haben Sie den Verein jetzt trotz Zusage verlassen?

Zu dem Statement stehe ich auch heute noch. Meinem Chefcoach Axel Schmeing kann ich nur ein Kompliment aussprechen. Er hat mit der Sportlichen Leitung eine super Mannschaft zusammengestellt. Das ist eine Truppe mit super Typen.

Es wird spekuliert, dass Sie unzufrieden über die Verpflichtung von Marc Woller waren und deshalb gehen?

Marc Woller kann am wenigsten dafür, dass ich den Verein verlasse. Während meiner Bedenkzeit hatte ich auch Kontakt zu ihm. Ich habe ihm erzählt, mit welchen Spielern wir schon über die nächste Saison gesprochen haben. Ich werde da für eine glatte Übergabe sorgen.

Wären Sie selbst gerne Trainer in Holzwickede geworden?

Ich fühle mich persönlich wohl in meiner Rolle. Ich hatte keine Ambitionen Trainer zu werden. Als ich Gespräche mit den Spielern aus dem Kader über Vertragsverlängerungen geführt habe, sind einige Spieler auf mich zugekommen und haben mich gefragt, warum ich nicht Nachfolger von Axel Schmeing werde. Ich habe auf der Grundlage dann meinen Namen bei der Sportlichen Leitung in den Ring geworfen.

Wie hat die Sportliche Leitung reagiert?

Neutral. Es gab keine positive oder negative Resonanz.

Sie sind begeistert von dem Team, sagen, dass Marc Woller nichts für Ihren Abgang kann. Warum gehen Sie dann?

Das bleibt intern. Die Gründe werde ich öffentlich nicht äußern.

Warum sind Sie eigentlich nicht mit Axel Schmeing zum Lüner SV gewechselt?

Er hat mich mehrfach gefragt, ob ich mitkommen möchte. Ich habe immer abgelehnt. Der Lüner SV ist nicht mein favorisierter Verein, bei dem ich arbeiten möchte.

Wie sind Sie denn jetzt zum ASC gekommen?

An dem Tag, an dem Marc Woller als Trainer vorgestellt wurde, hat Aplerbecks Uwe Kallenbach mich angerufen und gefragt, ob ich auch unter Marc Woller bleibe. Ich habe ihm dann erklärt, dass ich ja auch gerade erst von der Entscheidung erfahren habe und Bedenkzeit benötige. Einen Tag später habe ich dann noch einmal mit Uwe gesprochen. Wir kennen uns ja schon lange aus gemeinsamen Zeiten in der Jugend des Hombrucher SV. Ich habe ihm gesagt, dass ich zu einem Gespräch bereit sei.

Herr Bartel, warum gehen Sie denn jetzt zum ASC, obwohl Sie in Holzwickede verlängert haben?

Ich muss sagen, dass mir beim ASC von vornherein eine hohe Wertschätzung entgegengebracht wurde. Die Gespräche mit der Sportlichen Leitung und dem Trainer waren durchweg positiv. Ich hatte schnell das Gefühl, an der richtigen Stelle sein zu können. In der Summe hat alles gepasst.

Wie sieht Ihr Jobprofil beim ASC aus?

Mein Eindruck von Toni (Antonios Kotziampassis, Trainer des ASC, Anm. d. Red.) ist sehr positiv. Er ist ein absoluter Fachmann. Er hat das Puzzleteil gesucht, das zu ihm passt und ihn ergänzt. Ich denke, dass ich meine analytische Herangehensweise einbringen kann. In Holzwickede habe ich auch die Videoanalysen gemacht.

Sie kommen von außen. Wie wirkt der ASC in der Außendarstellung?

Der ASC hat sich einen super Ruf erarbeitet. Nach dem BVB ist es der renommierteste Fußball-Verein in Dortmund. Ich habe den ASC immer als sehr positiv wahrgenommen, der familiär geführt wird. Das ist etwas, was zu mir passt und mit dem ich mich identifizieren kann.

Sie sind 27 Jahre jung, sind jünger als manche Spieler. Wie erarbeitet man sich die nötige Autorität bei den Spielern?

Ich bin ein offener Typ. Ich denke, ich kann gut mit Menschen. Wenn man sich über Fußball unterhält, merkt man schnell, ob einer Ahnung von Fußball hat oder nicht. So findet man den Draht zu den Spielern und auch die Akzeptanz. Merkt der Spieler, dass ihm jemand weiterbringt und helfen kann, steigt die Akzeptanz.

Warum spielen Sie eigentlich nicht mehr selbst?

Ich habe mit drei Jahren angefangen Fußball zu spielen und es bis zu meinem 26. Lebensjahr getan. Ich war ja schon bei ETuS/DJK Schwerte spielender Co-Trainer und habe seit Jahren Jugendteams gecoacht. Ich habe dann gemerkt, dass das Feuer nicht mehr da ist, um selbst über 90 Minuten auf dem Platz zu stehen. Meinen ersten Trainerschein habe ich 2015 gemacht, dann folgte die B-Lizenz. Jetzt mache ich gerade die Elitejugendlizenz. Im April steht die Prüfung auf dem Programm. Ich bin zusammen mit Sandro Wagner und Julian Koch in einem Kurs.

Geht es dann irgendwann zu einem Junioren-Bundesligisten?

Ich hatte schon ein Angebot des VfL Bochum. Ich freue mich jetzt einfach über die Aufgabe beim ASC und mach mir keine Gedanken über andere Klubs.

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Thomas Schulzke
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