DFB-Präsident hat eine Idee, wie der Restart im Amateursport gelingen könnte - doch sie erscheint nur schwer umsetzbar. © picture alliance/dpa
Fußball

DFB möchte Schnelltests für Amateurfußballer – Kosten für Westfalen: 3 Mio. Euro pro Spieltag

DFB-Präsident Fritz Keller steht schon länger in der Kritik. Nun ist er mit einer Idee für den Amateur-Restart um die Ecke gekommen. FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders reagiert.

DFB-Präsident Fritz Keller wird sich das alles wahrscheinlich ein wenig anders vorgestellt haben. Er, der zuvor beim ruhig und sympathisch vor sich hin arbeitenden SC Freiburg seinen Dienst tat, wechselte im September 2019 in die Zentrale des Deutschen-Fußball-Bundes, wurde oberster Vertreter des weltweit größten Sportfachverbandes – und stand fortan im Sturm.

An dieser Stelle passt die Vokabel „krisengeschüttelt“ wohl ganz hervorragend. Denn, um hier an dieser Stelle im Bild zu bleiben: Es wäre nicht verwunderlich, würde Keller längst dezente Schwindelgefühle verspüren bei all den Böen, die ihn durchrütteln und -schütteln von links und rechts und hinten und vorne. Der 13. DFB-Präsident befindet sich jedenfalls längst in der Defensive.

Keller gilt als führungsschwach, beratungsresistent, aktionistisch – diesen (vernichtenden) Urteilen über sich und seine Arbeit muss er entgegentreten. Doch gelingen mag es ihm nicht, zumindest bislang. In der Frankfurter Zentrale scheint einiges drunter und drüber zu laufen, die Nationalmannschaft schlingert derweil durch die Gegend – und dann gibt es ja noch das große, allumfassende Problem.

DFB-Präsident Fritz Keller hat eine Restart-Idee

Das heißt Corona und legt unter anderem den Amateurfußball lahm. Keller täte freilich gut daran, nicht nur den Profis angemessene Wertschätzung gegenüber zu bringen, sondern gleichfalls den Amateuren, die darauf warten, endlich wieder loslegen zu dürfen. Nur wann? Und vor allem wie? Zu letzterer Frage hat Keller kürzlich einen Vorschlag eingereicht. Die Frage ist allerdings, was wirklich damit anzufangen ist.

Denn Keller beantwortete „Welt am Sonntag“ die Frage, was er für den Restart der Amateursportler denn mache, mit folgenden Worten: „Wir haben unser Netzwerk an Ehrenamtlichen angeboten, um Tests durchzuführen, damit die Kids, Jugendlichen und Amateure auch wieder auf die Plätze kommen. Aber das allein ist es ja nicht. Es geht auch darum, dass die Kinder wieder in die Schule können.“

Dies ginge auch „über Testungen, andere Länder machen es doch vor. Wir müssen aufpassen, nicht eine ganze Generation zu verlieren“, so Keller. Auf die Nachfrage, ob er demnach Schnelltests als Schlüssel für die Rückkehr des Amateurfußball werte, sagte der DFB-Präsident: „Ja, absolut. Wenn klar ist, dass jemand einen anderen nicht anstecken kann, muss er seine Freiheiten zurückerhalten.“

Schließlich, fügte er an, wollten „wir“ ein „normales Leben zurück, und dafür brauchen wir Perspektiven“. In diesem Punkt widerspricht ihm keiner, doch seine Schnelltest-Idee scheint eher in die Kategorie „Wunschdenken“ zu fallen. Zumindest ist sie dort einzusortieren, wenn man davon ausgeht, dass Keller alle Amateur-Fußballerinnen und -Fußballer durchtesten will – zumal in aller Regelmäßigkeit.

FLVW ist von Fritz Kellers Idee nicht überzeugt

Eine kurze Hochrechnung: Allein in Westfalen finden an einem Wochenende circa 15.000 Spiele statt. Rechnet man jedem Team 20 Personen zu, dann sind jeweils 600.000 Spieler und Trainer im Einsatz. Derzeit ist der billigste Schnelltest für rund fünf Euro zu erwerben. Hochgerechnet wären es demzufolge rund 3 Millionen Euro, die nur in Westfalen für Coronavirus-Schnelltests fällig wären.

Die Partien in Westfalen machen dabei ungefähr 14 Prozent aller Amateur-Spiele in Deutschland aus – so viel zur Relation. Was Manfred Schnieders, seinerseits Vize-Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen, von den Schnelltest-Gedankenspielen hält? „Das ist eine Summe, die wir als Verband gar nicht stemmen können. Wir wollen den Vereinen auch nicht zumuten, die Schnelltest selbst zu bezahlen“, sagt er.

„Wir hatten uns auch schon Gedanken über Schnelltests gemacht, aber aufgrund der Kosten ganz schnell verworfen“, so Schnieders deutlich. „Wenn Herr Keller Sponsoren dafür findet, wäre das natürlich okay.“ Oder wenn die Schnelltests urplötzlich und überraschend massenhaft sowie kostenfrei zur Verfügung stünden. Allerdings nur dann. Ist dem nicht so, fängt sich DFB-Präsident Keller seine nächste Pleite ein.

Mancherorts würde wohl wieder über dessen Aktionismus gespöttelt. In jedem Fall kämen die nächsten Böen auf ihn zu.

In unserer ersten Version ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir haben pro Spiel nur eine Mannschaft berechnet, deshalb hat sich die geschätzte Summe von 1,5 Millionen Euro auf 3 erhöht.

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