Geht es nach dem EUV, darf ein Gartenwasserzähler so künftig wohl nicht mehr eingebaut werden. Er muss von einem Fachbetrieb stattdessen fest vor der Zapfstelle installiert werden. Müsste man hier gar die Wand öffnen? © Tobias Weckenbrock
Gießwasser

Viel Kritik an EUV-Anweisung zum Festeinbau von Gartenwasserzählern

Wer sein Wasser im Garten zum Gießen nutzt, muss dafür keine Abwassergebühr bezahlen. Mit einer neuen Anweisung macht der EUV das jetzt für viele Nutzer aber unwirtschaftlich. Es hagelt Kritik.

Die Grundsteuer in Castrop-Rauxel bewegt sich fast auf Rekordniveau. Sie steigt in ein paar Jahren unter Umständen noch einmal richtig. Zur Unterhaltung der Gewässer hat die Stadt gerade zu Beginn des Jahres eine neue Gebühr eingeführt. Und jetzt kommt der Stadtbetrieb EUV noch mit einer Neuerung beim Gartenwasser, die bei Grundbesitzern für Kopfschütteln sorgt.

Manfred Koert ist einer dieser Gartenbesitzer, der glaubt, „dass man die Grundeigentümer offenbar auf diese Weise weiter verärgern will“. Koert ist dabei eher unverdächtig: Er ist kein notorischer Verwaltungskritiker, schließlich war er selbst lange Ordnungsamtsleiter der Stadtverwaltung.

Aber was sich der EUV da gerade neu ausgedacht hat, das findet Koert „eine Sauerei, mit der man die Eigentümer doch nur dazu bringen will, künftig auf die Nutzung von vergünstigtem Gartenwasser zu verzichten“.

Hintergrund von Manfred Koerts Kritik, mit er er bei weitem nicht allein ist: Bisher konnte man das Frischwasser, das zur Gartenbewässerung genutzt wurde, auf Antrag von der Schmutzwassermenge, die über die Abflüsse in die Kanalisation geleitet wird, abziehen. Dazu musste man einfach einen geeichten Wasserzähler an seinem Wasserkran für Gießwasser anbringen und die verbrauchte Menge am Ende des Jahres an den EUV melden. Der Aufwand des Gartenbesitzers: 25 Euro für den Zähler, anschrauben, eine E-Mail an den EUV – fertig.

Änderung soll 2022 in Kraft treten

Das reicht dem EUV auf einmal nicht mehr. Ab 2022 müssen Grundbesitzer den Wasserzähler vor der Zapfstelle, sprich dem Wasserhahn, fest und fachgerecht einbauen lassen. Wassermengenzähler, die am Wasserhahn oder im Schlauch angebracht sind, werden nicht mehr anerkannt.

Der EUV zeigt in einem Infoblatt, wie Gartenwasserzähler künftig nicht mehr verbaut werden dürfen. Und er zeigt, wie es ab 2022 sein soll.
Der EUV zeigt in einem Infoblatt, wie Gartenwasserzähler künftig nicht mehr verbaut werden dürfen. Und er zeigt, wie es ab 2022 sein soll. © Quelle EUV © Quelle EUV

Folge: Die Wasserzähler, die alle sechs Jahre neu geeicht oder ersetzt werden müssen, können nicht mehr mit wenigen Handgriffen installiert werden, sondern müssen „auf Kosten des Gebührenpflichtigen fachgerecht, zum Beispiel durch einen Installateur“ eingebaut werden, heißt es in einem EUV-Schreiben an alle Gartenwasserzähler-Nutzer.

Die Verwendung des Wassers ist nur zum Gießen der Pflanzen erlaubt, nicht zur Fahrzeugwäsche oder zur Befüllung eines Pools. Das dürfte in der Tat bisher schon von so manchem Nutzer einfach missachtet worden sein.

Diese unerlaubte Nutzung Wassers wird allerdings auch durch die Neuregelung nicht verhindert. Darauf weisen Kritiker hin, die auch auf Facebook diskutiert wird. Dennoch habe Bürgermeister Kravanja diese unlautere Nutzung als einen Grund für die Neuerung bei einer Online-Bürgermeistersprechstunde genannt.

Kritiker: Das falsche Signal des EUV

Der Schritt des EUV, der noch von der Politik abgesegnet werden muss, wird allseits kritisiert. Die Kosten, die jetzt durch einen Handwerker entstünden, könne man so schnell gar nicht wieder einsparen mit dem Gartenwasser, wird moniert. Der EUV versuche so schlicht, die Gartenwasser-Abrechnung möglichst einzuschränken. Sie bedeutet dort Aufwand und senkt schlicht die eingenommenen Schmutzwassergebühren.

Angesichts der Klimadiskussion sei das das falsche Signal, finden viele. „Ich dachte, dass man doch Grünflächen mit Blumen und schaffen soll“, heißt es auf Facebook. „Denke, damit wird eher dafür gesorgt, dass nur noch mehr Steingärten entstehen.“

Der EUV-Tipp, stattdessen mit Regenwasser zu gießen, sei auch nicht wirklich besser. Der Einbau eines großen Tanks im Garten, womöglich im Boden, muss schließlich auch bezahlt werden.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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