Zettelwirtschaft im Signal Iduna Park: Das bedeutet die Bonpflicht für den BVB

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Die Belegausgabepflicht macht auch vor dem BVB nicht halt. Bald gibt es zu jedem Bier im Signal Iduna Park zwangsläufig einen Bon - ob der Stadionbesucher will oder nicht.

Dortmund

, 14.02.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Thema Bonpflicht ist nicht ganz neu, die Aufregung darüber auch nicht. Ein Besuch in der Bäckerei lässt grüßen. Seit dem 1. Januar dieses Jahres verlangt das sogenannte „Kassengesetz“ (Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen vom 22. Dezember 2016), das zu mehr Steuergerechtigkeit und weniger Steuerbetrug in Deutschland führen soll, dass die Ausgabe von Belegen immer Pflicht ist. Entweder in Papierform oder elektronisch, in jedem Fall aber „in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Geschäftsvorgang“. So will es das Finanzministerium, bis zu zehn Milliarden Euro Steuer-Mehreinnahmen erhofft es sich durch das „Kassengesetz“.

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Das gilt auch für Borussia Dortmund und den Signal Iduna Park. Dort, wo es möglich ist, erfüllt der BVB die Vorgaben des „Kassengesetzes“ seit der Rückrunde bereits bei jedem Heimspiel. „Für jedes Bier, für jede Stadionwurst, für jede Weingummi-Tüte muss ein Bon ausgestellt werden“, sagt Dr. Christian Hockenjos, Direktor Organisation bei Borussia Dortmund. Technisch sei der BVB dabei gut aufgestellt, „weil unsere Kassen bereits über das Gros der entsprechenden technischen Voraussetzungen verfügen“.

Mobiler Verkauf stellt den BVB vor eine besondere Herausforderung

Bei den technischen Voraussetzungen geht es zum einen um Drucker, die Kassenzettel ausstellen können, es geht aber vor allem auch darum, und an dieser Stelle wird es sehr technisch, dass die Kassen im Signal Iduna Park über eine technische Sicherheitseinrichtung, kurz TSE, verfügen müssen, die eine lückenlose und unveränderbare Aufzeichnung aller Kassenvorgänge gewährleistet - ein bisschen wie ein Flugschreiber („Black Box“) bei Flugzeugen.

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Die besondere Herausforderung für den BVB liegt im mobilen Verkauf. „Auch jeder Bierverkäufer mit einem Bierrucksack auf dem Rücken muss demnächst einen Kassenzettel rausgeben können“, erklärt Hockenjos. Das führt einerseits zu zeitlichen Verzögerungen, andererseits aber auch zu deutlich mehr Papiermüll als zuvor. Trotzdem müsse der BVB „das Gesetz so hinnehmen, wie es ist“, sagt Hockenjos.

BVB hat bis zum 30. September Zeit für die Umstellung

Bis auch der mobile Bierverkäufer im Signal Iduna Park Kassenzettel ausstellen muss, bleibt noch ein bisschen Zeit. Das Finanzministerium gewährt laut eigener Aussage eine Karenzzeit bis zum 30. September 2020, um alle Kassen mit TSE auszustatten. Ab kommenden Oktober gibt es aber auch zum Stadionbier aus dem großen Bierrucksack einen Kassenbon, ob der Fan auf der Tribüne will oder nicht.

Zettelwirtschaft im Signal Iduna Park: Das bedeutet die Bonpflicht für den BVB

Dr. Christian Hockenjos, Direktor Organisation bei Borussia Dortmund, sagt: „Wir müssen das Gesetz so hinnehmen, wie es ist.“ © imago/Team 2

Wie teuer die Umrüstung der mobilen Kassen für den BVB wird, mag Hockenjos noch nicht abschätzen. Der BVB habe bislang erst einmal die Lage sondiert und sich einen Überblick verschafft, wo Nachrüstungen erforderlich seien. Sicher scheint aktuell nur, dass es für Borussia Dortmund keine Alternative zur Umrüstung und auch keine Hintertür aus der neuen Bonpflicht geben wird.

Antrag auf Befreiung hat für den BVB kaum Aussicht auf Erfolg

„Ein Antrag auf Befreiung von der Bonpflicht hat nach unserem Kenntnisstand keine Aussichten auf Erfolg“, sagt Hockenjos, „weil unsere Existenz nicht von der Belegausgabepflicht bedroht wird.“ So teuer wird’s dann doch nicht, das ist unstrittig. Die Kassenzettel-Pflicht als solche dürfte allerdings weiter diskutiert werden - zukünftig auch im Fußballstadion.

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