Nach zwei enttäuschenden Spielzeiten kämpft Yannick Gerhardt mit dem VfL Wolfsburg um die Qualifikation für den Europapokal. Im Interview spricht der 25-Jährige über die neue Ausrichtung der Wölfe und seine enorme Laufstärke.

Wolfsburg/Dortmund

, 29.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Für den VfL steht das zweite schwere Auswärtsspiel hintereinander an. Freuen Sie sich auf den Signal Iduna Park?
Die Freude überwiegt deutlich. Natürlich ist uns klar, dass das ein schweres Spiel wird, aber es macht jedem viel Spaß, vor so einer Kulisse zu spielen. Und es ist immer sehr reizvoll, gegen so eine gute Mannschaft zu spielen.


Ihre persönliche Bilanz in Dortmund ist ausbaufähig. Ein Pünktchen mit dem 1. FC Köln, ein 0:3 mit den Wölfen ...

Das stimmt (lacht). Die Bilanz gilt es definitiv zu verbessern. Ich hoffe, ich kann mithelfen, am Samstag daran etwas zu ändern.


Haben Sie den letzten Auswärtsauftritt mit dem VfL vor drei Wochen aus dem Gedächtnis gestrichen?

Im Gegenteil, wir haben das 0:6 in München sehr intensiv analysiert und ja im folgenden Heimspiel gegen Düsseldorf beim 5:2 eine gute Reaktion gezeigt. Das war sehr wichtig. Damit ist das Spiel abgehakt. Uns ist aber klar, dass wir einfach nicht so hoch verlieren dürfen. Da haben wir uns definitiv nicht gut präsentiert.


Die Statistik besagt, dass der VfL in dieser Spielzeit noch keine zwei Auswärtsspiele in Serie verloren hat. Ein gutes Omen für Samstag?

Die Statistik spricht zumindest mal nicht gegen uns. Wir haben auswärts in dieser Saison schon gute Ergebnisse eingefahren, wir haben zum Beispiel in Mönchengladbach gewonnen. Das lässt uns selbstbewusst nach Dortmund reisen.


Was muss passen, um beim BVB etwas mitzunehmen?

Wir brauchen definitiv eine gute Tagesform, ein paar Prozent weniger an Leistung werden nicht reichen. Aber das 0:1 im Hinspiel gibt uns Mut, das war sehr eng.

Als Sie 2016 aus Köln zum VfL wechselten, hatten Sie ehrgeizige Pläne. Dann folgten zwei Jahre Relegation. Wähnten Sie sich im falschen Film?

Ich hatte natürlich andere Hoffnungen und Ziele, die ich mit dem Wechsel verknüpft habe. Das waren für den Verein und für mich zwei schwere Jahre und wird alle sind froh, dass es in diesem Jahr deutlich besser läuft. Man geht mit besserer Laune zum Training, der Fußball macht einfach mehr Spaß.


Wie ist das, wenn man weiß, es geht in die Relegation und da kommen zwei Endspiele, die über so viel entscheiden?

Das ist brutal. Der Saisonverlauf zuvor war ja entsprechend, so dass du nicht gerade mit viel Selbstvertrauen in diese Spiele gehst. Die Anspannung ist riesig, und dann geht es gegen einen Zweitligisten, der total motiviert ist. Man weiß, was ein Abstieg für den Verein, für die Fans und auch für die Mannschaft bedeuten würde. Das brauche ich definitiv nicht mehr.


Was läuft in diesem Jahr anders und besser?

Der Trainer hat im Sommer die Grundlagen geschaffen, er hat uns eine klare Spielidee verpasst. Und wir treten deutlich geschlossener auf. Man spürt, dass da ein anderer Geist ist und Spieler auf dem Platz stehen, für die es etwas Besonderes ist, für den VfL Wolfsburg zu spielen.


Wie sieht diese Spielidee aus?

Wir richten uns nicht mehr ausschließlich nach dem Gegner. Wir wollen unser eigenes Spiel entwickeln.


Teile der Grundlagen, von denen Sie sprechen, wurden auch bei Morgenläufen um 7.30 Uhr geschaffen. Macht Ihnen das Spaß?

Rückblickend erkennen wir doch alle, wie sehr uns das geholfen hat. Auch wenn es manchmal hart war.


Laufen ist generell eine Ihrer Stärken. Kein Bundesliga-Spiel läuft im Schnitt mehr Kilometer pro Spiel (12,12) als Sie ...

Es hat mir nie etwas ausgemacht, schon in der Jugend nicht. Und es ist auch ein schönes Gefühl, wenn ich mir ab der 70. Minute keine Gedanken darüber machen muss, ob ich für den nächsten Spurt noch genügend Power habe.

Wolfsburgs Gerhardt über einen neuen Geist, seine Laufstärke und einen BVB-Mutmacher

Läuft und läuft und läuft: Yannick Gerhardt. © imago

Jörg Schmadtke, der VfL-Geschäftsführer Sport, nennt sie wahlweise Pferdelunge oder Laufziege. Was ist Ihnen lieber?

(lacht) Eigentlich ist mir das egal. Laufen gehört dazu, aber ich hoffe mal, dass ich auch über meinen Fußball definiert werde.


Es geht für den VfL in diesem Jahr sogar ums internationale Geschäft. Wie stehen die Chancen?

Die stehen ganz gut, finde ich. Es gibt ja noch zwei, drei Mannschaften, die mit uns im die Plätze konkurrieren. Das ist keine schlechte Konstellation. Es wäre ein Bonus für unsere gute Saison.


Sie sind im dritten Jahr beim VfL. Ist es auch persönlich Ihr bestes Jahr?

Natürlich habe auch ich meine Leistung in den ersten beiden Jahren nicht so abgerufen, wie ich mir das gewünscht hätte. Ich wurde auf mehreren Positionen eingesetzt, da ist die Variabilität dann Fluch und Segen zugleich. Jetzt spiele ich eigentlich immer zentral, das hat mir persönlich geholfen, ein konstant gutes Niveau zu erreichen.


Sie haben fast alle U-Nationalmannschaften durchlaufen, waren U21-Europameister und haben dann im November 2016 beim 0:0 in Italien ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft gefeiert. Warum blieb es bislang bei diesem einen Spiel?

Ich denke, man steht nicht so im Blickpunkt, wenn man zwei Mal hintereinander Relegation spielt. Und als Außenverteidiger wie damals in Italien spiele ich ja gar nicht mehr. Aber ich gebe nicht auf. Es war ein ganz besonderer Moment für mich, etwas Schöneres, als für sein Land zu spielen, das gibt es nicht. Und der Bundestrainer leitet ja gerade den Umbruch ein. Vielleicht ergibt sich ja noch eine Chance.

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