Wieder nur Ersatz beim BVB! Götze muss eine Grundsatzentscheidung treffen

dzBorussia Dortmund

Mario Götze erlebt beim BVB eine Wiederholung der schwierigen Hinrunde der Saison 18/19. Vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen stellt sich das Problem seiner ungeklärten Zukunft umso mehr.

Dortmund/Köln

, 25.08.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Bill Murray im Kader von Borussia Dortmund heißt wohl Mario Götze. Wie der Schauspieler, der als Wettermann in der Komödie „Und täglich grüßt das Murmeltier“ im Winter in einer Kleinstadt festsitzt und immer wieder den gleichen Tag erlebt, dürfte sich Götze unliebsam erinnert fühlen an die Hinrunde der vergangenen Spielzeit, die nahezu identisch begann für den 27-Jährigen. Während die Teamkollegen Punkt um Punkt einheimsten, blieb Götze nur die Zuschauerrolle. Ähnlich ist es bislang in dieser Saison. Auch beim 3:1 in Köln saß er draußen - und blieb dort auch in der Schlussphase, als Lucien Favre offensiv wechselte, um den 0:1-Rückstand umzubiegen.

Götze kommt bislang nur auf zwei Kurzeinsätze

Götze hat immerhin schon 23 Pflichtspielminuten hinter sich. Als Einwechselspieler im Pokal gegen den KFC Uerdingen und beim Saisonstart gegen Augsburg kam er zu zwei Kurzeinsätzen. Im Supercup hingegen schmorte er 90 Minuten auf der Bank - wie auch am Freitag. Andere, das lässt sich kaum anders deuten, sind ihm derzeit voraus. Ihnen schenkt Lucien Favre mehr Vertrauen.

Wieder nur Ersatz beim BVB! Götze muss eine Grundsatzentscheidung treffen

Mario Götze während des Reservistentrainings am Samstagvormittag. © David Inderlied

Götze lässt sich äußerlich nichts anmerken. Auch nach dem Spiel am Freitag verließ er die Arena nicht, ohne sich höflich von den Medienvertretern zu verabschieden. Doch er dürfte sich intensive Gedanken machen. Seine derzeitige Situation geht einher mit den Gesprächen über eine Verlängerung seines im kommenden Sommer auslaufenden Vertrags. Götze muss eine Grundsatzfrage klären: Soll er seinen Vertrag verlängern angesichts schwieriger Rahmenbedingungen und möglicherweise noch weiter schwindenden Einsatzchancen? Das ist unabhängig von der Tatsache, dass der BVB im Zuge der Vertragsverlängerung auch sein Gehalt anpassen würde, eine schwierige Entscheidung.

Götze spielt nicht und spricht nicht

Und aus Sicht des Spielers spricht momentan eher wenig dafür, diesen Weg zu gehen. Denn eine Ausweitung seines Vertrags würde Borussia Dortmund alle Trümpfe in die Hand geben für Verhandlungen über eine Ablöse, wenn Götze sich bei weiter geringen Einsatzzeiten in naher Zukunft dennoch zu einem Abschied aus Dortmund durchringen würde. Lässt er den Vertrag hingegen auslaufen, macht ihn das automatisch attraktiver für potenziell interessierte Klubs.

„Wir haben große Konkurrenz.“
Lucien Favre

Wie Götze über seine Situation denkt, verrät er nicht. Er spielt nicht, also spricht er nicht. Dafür hat sein Trainer am Donnerstag in der Spieltags-Pressekonferenz vor der Partie in Köln gesprochen. Favre hat zugegeben, dass die Situation für Mario Götze nicht leicht sei. „Wir haben große Konkurrenz“, hat Favre gesagt und aufgezählt: Thorgan Hazard könne Stürmer spielen, Jacob Bruun Larsen auch, und das sind ja nur zwei Alternativen für Paco Alcacer, der nicht nur weiter trifft und trifft, sondern in diesem Jahr auch noch deutlich fitter und endlich gesund ist.

Götze könne natürlich auch hinter den Spitzen spielen, selbst in einem 4-2-3-1, hat Favre dann noch ausgeführt, doch auch da ist die Konkurrenz groß. Was er nicht sagte, was man aus seinen Sätzen aber durchaus interpretieren konnte: Es bleibt schwierig für Mario Götze.

In der vergangenen Saison ist Götze geduldig geblieben

Seine Situation zeigt, dass Lorbeeren aus der Vergangenheit wenig wert sind. Götze hat sich durchgebissen in der vergangenen Saison und dort eine sehr gute Rückrunde gespielt, er hat viele Anteile bekommen und etliche Partien über 90 Minuten bestritten. Er hat in der zweiten Saisonhälfte sechs Treffer selbst erzielt und vier weitere vorbereitet. Gute Statistiken, die ihm jetzt aber nicht in die Spur helfen.

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Mario Götze hat seinerzeit davon profitiert, dass er geduldig geblieben ist, dass er nicht gemeckert und im Training genau die richtige Antwort gegeben hat - er hat sich mit Leistung in die Mannschaft zurückgekämpft. Das sollte ihm auch in diesem Jahr als Muster dienen. Schon die Verletzung eines Positionskonkurrenten würde seine Situation sofort verändern, und die Monate mit extrem hoher Intensität und Spielen im Drei-Tages-Rhythmus kommen ja noch.

BVB lässt Götze Zeit für seine Entscheidung

Die Grundsatzentscheidung, vor der Mario Götze steht, macht seine momentane Lage allerdings nicht einfacher. Borussia Dortmund hat ihm die lange Leine gelassen, anders als bei Raphael Guerreiro, für den die Woche der Entscheidung anbricht und bei dem der Klub Klarheit bis zum Transferschluss am 2. September einfordert. Götze darf sich länger Zeit lassen. Aber auch bei ihm wird der BVB irgendwann ein klares Bekenntnis verlangen - oder das Signal für einen Schlussstrich.

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