Auf dem Fußballplatz können sich Profis 90 Minuten lang präsentieren, online rund um die Uhr. BVB-Spieler Marius Wolf startet jetzt seine eigene Vermarktung.

Dortmund

, 21.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Gelbe Augen und messerscharfe Reißzähne, schauriges Geheul, tiefe Kratzspuren: Der Wolf ist in Dortmund angekommen. Genauer gesagt: Marius Wolf. Die beschriebenen Szenen zeigen den 23-jährigen Neu-Borussen nicht auf dem Trainingsplatz, sie entstammen einem Video seiner eigenen Imagekampagne.

„Unleash the Wolf“ (zu Deutsch: Entfessle den Wolf) lautet der tierische Slogan zur Vermarktung des ehemaligen Frankfurters. Wolf gehört zu den ersten Fußballspielern, die ihre PR selbst in die Hand nehmen.

„Marius ist ein gutes Vorbild für weitere Sportler, ihre eigenen Kanäle zur Markenbildung zu nutzen“, erklärt Nenad Miljkovic, Geschäftsführer von Rapid Peaks. Auf die Münchner Agentur war Wolf zugegangen mit dem Wunsch, in Szene gesetzt zu werden. Wolf sei ein Vorreiter, meint Miljkovic. „Dabei geht es nicht um übertriebene Eigeninszenierung, sondern um eine authentische und motivierte Kommunikation.“ Marius Wolf soll sich bei Instagram, Facebook oder Twitter präsentieren, wie er auch als Sportler sei: sympathisch, angriffslustig.

Als BVB-Spieler steht Wolf mehr in der Öffentlichkeit

Für Wolf ging mit dem Wechsel zu seinem Lieblingsverein BVB nicht nur ein Kindheitstraum in Erfüllung und der Sprung in eine andere Gehaltsklasse, sondern auch der Sprung in eine ganz andere Präsenz. Als BVB-Spieler rückt er mehr in die Öffentlichkeit und hat augenscheinlich erkannt, dass über die sozialen Medien Wege bereitstehen, um mit den Fans zu kommunizieren und sein Image kontrolliert zu schärfen.

Wie BVB-Neuzugang Marius Wolf sein Image schärfen will

Marius Wolf hat derzeit 78.300 Abonnenten auf Instagram, rund 10.700 auf Facebook und rund 4400 Follower auf Twitter. © imago

Die Prioritäten sind aber klar geregelt: „An erster Stelle muss der Sport stehen, und dann kommt erstmal ganz lange nichts anderes.“

Dem Instagram-Profi von Wolf folgen aktuell zum Beispiel 78.300 Nutzer. Das ist ein Bruchteil gegenüber Marco Reus (6,9 Millionen) oder Mario Götze (8,7 Millionen), aber ein Anfang.

„Im Idealfall sind die Auftritte originell, professionell, authentisch und mit einer Haltung unterlegt“, sagt Robert Zitzmann, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Vermarktungsagentur Jung von Matt/Sports. „Neben den Chancen muss man aber auch die Verantwortung sehen, die Sportler gerade gegenüber der Zielgruppe von jungen Kindern haben.“ Wer nur Fotos beim Urlaub auf schicken Yachten poste oder Luxusklamotten, setze ein falsches Signal. Zudem sei Fußball immer noch ein Mannschaftssport. „Das ,Wir‘ muss wichtig bleiben“, so Zitzmann.

„Sportler sind glaubhafter als viele andere Marken“

Bei der Mehrzahl der Fußballer organisieren Agenturen im Hintergrund die Aktivitäten im Netz, mit dem Makel, dass deren Postings nicht selten steril und gekünstelt wirken. Wenn Profisportler in Kampagnen eingebunden werden, sind Sponsoren die treibenden Kräfte dahinter. Das ist legitim – und für die Spitzenkräfte eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle, die ihre Saläre von den Arbeitgebern im Falle der Superstars noch übersteigt. Aus gutem Grund: „Sportler sind als Influencer, glaubhafter als viele andere Marken oder Medien“, meint Miljkovic.

Wie BVB-Neuzugang Marius Wolf sein Image schärfen will

BVB-Marketingchef Carsten Cramer: „Für mich ist Social Media nur die Verlängerung der eigenen Persönlichkeit in die digitale Welt. Wenn ich Leute begrüße, gebe ich ihnen die Hand, und ich esse mit Messer und Gabel. Ähnliche Selbstverständlichkeiten gelten auch im Netz. Es gibt ein paar Spielregeln, was, wann und wie kommuniziert werden darf. Das Handy sollte auch nicht 24/7 der engste Begleiter sein. Andersherum betrachtet: Wir verpflichten ja bewusst Spieler, die auch Persönlichkeiten und Typen sind. Das darf sich da gerne widerspiegeln.“ © imago

Bei Wolf gab es die bewusste Entscheidung, eigenständig und ohne externe Sponsoren eine Kampagne für die Eigenkommunikation zu entwickeln. Einen eigenen Weg geht bei Borussia Dortmund sonst noch Sebastian Rode, der eine eigene Internetseite betreibt und dort aktiv mitwirkt.

Die Attribute des Wolfs: Ehrgeizig, bissig, schlau, unermüdlich

Ob sich bei Wolf nun die ihm zugeschriebenen Attribute (ehrgeizig, bissig, schlau, unermüdlich) nun zufällig mit seinem tierischen Nachnamen zusammenfinden und ob das passend oder peinlich wirkt, muss jeder selbst entscheiden.

Fakt ist: Er nimmt sein Image in die Hand. Kernstück seiner Kampagne ist bisher ein Clip, der die Welten von Marius Wolf und die des tierischen Wolfs verschmelzen lässt. Gehalten sind die Motive in Schwarz und Gelb. Bei seinem ersten Treffer in Dortmund jubelte Wolf nicht – aus Respekt vor seinen Ex-Kollegen aus Frankfurt. Wenn er das nächste Mal vor dem Tor zubeißt, könnte ihm zum Heulen sein.

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