Wenige Fehlpässe, schwache Konter: Die BVB-Offensive in der Analyse

dzBorussia Dortmund

Der BVB zählt zu den treffsichersten Teams der Liga, schießt aber schwache Eckbälle. Im ersten Teil unserer Analyse nach dem ersten Saisondrittel beleuchten wir die Dortmunder Offensive.

Dortmund

, 13.11.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Effizientes Kollektiv: Nur drei Mannschaften erzielten bisher mehr Tore als der BVB (23). Nach jedem sechsten Dortmunder Torschuss zappelte der Ball im Netz, von den Angreifern selber traf sogar jeder vierte Versuch. Nur RB Leipzig zielte geringfügig effektiver.


Zögerliche Stürmer: Generell aber schickten Borussias Stürmer insgesamt nur 26 Abschlüsse aufs Tor - nur Hertha BSC (24) ist in der vordersten Reihe noch zaghafter. Eine andere Erklärung: Dortmunds Spieler sind ausdrücklich angehalten, nur dann das Tor zu attackieren, wenn die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer auch wirklich hoch ist. Allerdings sind auch die Torvorlagen aus der Sturmspitze (2/Platz 15) rar gesät.


Gefährliches Mittelfeld: Wett macht diese schwächeren Statistiken der Stürmer das gefährliche schwarzgelbe Mittelfeld. Der BVB hat die erfolgreichsten Mittelfeldspieler der Liga, sie erzielten die meisten Tore (13), gaben die zweitmeisten Torschüsse ab (95) und glänzten bei 17 Torvorlagen mehr als jeder andere Mannschaftsteil der Liga. Auch in der Kombination „Tore + Assists“ ist das Mittelfeld ligaweit spitze. Thorgan Hazard und Jadon Sancho liegen mit sechs Torvorlagen auch in der Liga vorne. Neun unterschiedliche Torschützen bedeuten ligaweit Rang vier. Die Abwehr steuerte sechs Tore und Assists bei (Rang 5).

Jetzt lesen

Lahme Konter: Drei Kontertore reichen für Rang sechs. Nur acht Torschüsse nach Kontern - schlechter war in dieser Kategorie keiner – bedeuten einen ziemlichen Makel in einer Dortmunder Königsdisziplin. Das schnelle Umschaltspiel nach vorne kommt zu oft zum Erliegen. Zu langsam, zu bedächtig im Vorwärtsgang: Das ist ein Eindruck, den regelmäßige Beobachter sofort teilen werden.


Stumpfe Ecken: Nur der FC Bayern München (75) kam zu mehr Ecken als der BVB (73) - Zählbares kam nur ein einziges Mal dabei heraus, als Axel Witsel in Freiburg eine Hereingabe von Thorgan Hazard mit einem sehenswerten Volley verwertete. Welche Möglichkeiten für „einfache“ Tore der BVB mit seiner notorischen Schwäche nach Ecken liegen lässt, ist frappierend: Durchschnittlich treffen die anderen Bundesligisten nach rund 30 Eckbällen mindestens einmal, die TSG Hoffenheim sogar nach jedem zwölften Versuch. Direkt verwandelte Freistöße gab es beim BVB bisher auch nicht.

Wenige Fehlpässe, schwache Konter: Die BVB-Offensive in der Analyse

© deltatre

Offene Flanke: Viele Flanken in den Strafraum zu schlagen, das gehört wiederum nicht zu den Vorgaben von Trainer Lucien Favre – warum eigentlich? Nur Eintracht Frankfurt (8) traf nach Hereingaben von der Seite häufiger als der BVB (5), der in dieser Teilstatistik auch die effizienteste Mannschaft stellt: Jede 18. Flanke führt zu einem Tor, besser war kein anderes Bundesliga-Team. Dafür wartet der BVB nach dem ersten Saisondrittel noch auf ein Weitschusstor. Auch das ist taktisch so gewollt.


Sicherer Ballspielverein: Lucien Favres Spielstil findet sich in zwei anderen Daten wieder: 59 Prozent Spielanteile toppen nur zwei andere Mannschaften, vorne liegt hier Bayer Leverkusen unter Ex-BVB-Trainer Peter Bosz (63 Prozent). Die Ballsicherheit der technisch hoch veranlagten Mannschaft dokumentiert die Fehlpassquote: Noch souveräner als die Dortmunder (12 Prozent) agiert hier nur der FC Bayern München (11 Prozent).

Wenige Fehlpässe, schwache Konter: Die BVB-Offensive in der Analyse

© deltatre

Verlässliche Spätzünder: Ihre Tore erzielten die Borussen bevorzugt in der zweiten Spielhälfte: Die 16 BVB-Treffer nach der Pause übertrumpften nur die Bayern (18). Joker-Tore, im Vorjahr noch eine Dortmunder Paradedisziplin, gelangen wiederum erst drei – Durchschnitt.


Rechtes Schwungrad: Auffällig zeigt die Grafik der Torentwicklung, wie sehr die linke Angriffsseite abfällt. Nur zwei der 23 Tore fielen nach Angriffen über diesen Flügel, 13 hingegen durch die Mitte und immerhin noch 8 über die rechte Flanke. Am häufigsten eingesetzt wurde auf Linksaußen Thorgan Hazard (13 Mal) vor Achraf Hakimi (2), Julian Brandt (2) und Raphael Guerreiro (1). Dass Hazard zugleich Top-Vorbereiter beim BVB ist (in der Bundesliga sechs Assists, genau wie Jadon Sancho) aufweist, verdeutlicht nur, wie früh und häufig der Belgier von der Außenbahn ins Zentrum zieht. Zur Grundlinie läuft er (zu) selten. Viele seiner 29 Torschussvorlagen (BVB-Bestwert) stammen aus Standardsituationen.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Borussia Dortmund
Warum BVB-Spieler Thorgan Hazard sportlich endlich in Dortmund angekommen ist
Hellweger Anzeiger Borussia Dortmund
Von der Diva zum Zauberer: Die bemerkenswerte Wandlung des Jadon Sancho beim BVB