Borussia Dortmund spielt die Liga schwindelig. Nach dem 4:0 in Stuttgart herrscht Gewissheit, dass der Höhenflug mit viel Substanz daherkommt. Bei Boss Watzke kehrt das BVB-Gefühl zurück.

Stuttgart/Dortmund

, 21.10.2018, 20:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hans-Joachim Watzke nutzte den Abstecher ins Schwabenland, um mal wieder bei den BVB-Fans aus dem Süden der Republik vorbeizuschauen. Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund nahm vor dem Gastspiel beim VfB Stuttgart an einem Fanklub-Treffen inklusive Podiumsdiskussion teil, zu dem die BVB-Fanabteilung in Person von Baden-Württemberg-Vertreter Josef Köppel eingeladen hatte.

Eine Einheit auf dem Platz

Es war ein Besuch an der Basis, wie es ja immer so schön heißt. Und die Stimmung war gut, schon vor diesem in vielen Punkten historischen 4:0 des BVB beim Tabellen-17. „Ich hatte das Gefühl, es ist wichtig für die Fans“, sagte Watzke am Sonntag im Gespräch mit dieser Redaktion, „dass wieder eine richtige Einheit auf dem Platz steht und sie wieder stolz auf die Mannschaft sein können.“

Die Fans durften wirklich stolz auf ihre Mannschaft sein. Nach dem Spiel noch ein bisschen mehr als vor der Partie. Denn die vier Tore, die Jadon Sancho (3.), Marco Reus (23.), Paco Alcacer (25.) und der eingewechselte Maximilian Philipp (85.) erzielten, ließen Rekorde purzeln wie bei Olympia.

Neuer Vereinsrekord

So durfte Lucien Favre nach dem fünften Sieg in Serie für sich reklamieren, der erste Trainer von Borussia Dortmund überhaupt zu sein, der in seinen ersten acht Bundesliga-Spielen mit dem BVB ohne Niederlage geblieben ist. Auch 27 erzielte Treffer nach acht Spieltagen sind ein neuer Vereinsrekord.

Doch dieses Spiel, in dem Borussia Dortmund einen überforderten Gegner vor allem in Hälfte eins phasenweise schwindelig kombinierte, lieferte noch weitere Bestmarken: Im vierten Bundesliga-Spiel in Serie erzielte der BVB mindestens vier Treffer - eine längere Serie gelang nie einem Team.

Sieben Tore nach 106 Minuten

Paco Alcacer hatte nach 106 Minuten bereits sieben Bundesliga-Tore auf dem Konto - so schnell war historisch kein Spieler jemals zuvor. Maximilian Philipp erzielte das zehnte Joker-Tor des BVB in dieser Saison - nach acht Spieltagen gab es das in der Bundesliga noch nie. Und zu guter Letzt feierte Borussia Dortmund seinen 14. Auswärtssieg beim VfB Stuttgart - bei keinem anderen Klub gewann Schwarzgelb häufiger. Der Lohn ist die Tabellenführung und mit 20 Zählern die zweitbeste BVB-Punktausbeute nach einem achten Spieltag, nur in der Meistersaison 10/11 hatte Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt der Saison noch einen Zähler mehr auf dem Konto.

„Wenn man sieht, wie wir in der ersten Hälfte kombiniert haben und wie ernst wir dieses Spiel angegangen sind, dann war das schon gut“, erklärte Watzke. Die Mannschaft habe von Beginn an gut dagegengehalten, auch die Viererkette habe trotz der Ausfälle von Manuel Akanji und Marcel Schmelzer sehr gut funktioniert. „Wir waren sehr aggressiv.“

Kein Vergleich zur Spielzeit 17/18

Einzig die erste Viertelstunde des zweiten Durchgangs zeigte in Ansätzen, dass BVB-Trainer Lucien Favre durchaus mit Recht gebetsmühlenartig betont, dass es „noch viel zu tun“ gebe. „Da haben wir nicht gut gespielt“, sagte Watzke. „Und wir haben angefangen - das ist vielleicht ein wenig der Jugend geschuldet - ein bisschen zu viel mit Hacke und Spitze zu spielen.“

Insgesamt aber - und das bestätigte auch Watzke - lässt sich der BVB in der Saison 18/19 nicht mehr mit dem BVB der Vorsaison vergleichen. Der Höhenflug hat Substanz, ein erneuter Absturz lässt sich nicht erahnen. Zwar sei die Tabellenführung nur „eine Momentaufnahme“, meinte Watzke, „allerdings bestätigt sie sich gerade so ein bisschen.“

Eindeutiges Urteil

Vielleicht noch wichtiger als als die Momentaufnahme in der Tabelle ist die Momentaufnahme auf den Rängen. Fans und Mannschaft - das wurde auch in Stuttgart einmal mehr deutlich - finden nach der schwierigen Vorsaison wieder zueinander. Watzke registrierte das nicht nur bei seinem Besuch an der Basis. Er erlebte es auch kurz danach im Stadion - und sein Urteil fiel eindeutig aus: „Das BVB-Gefühl ist wieder komplett da.“

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