Warum Kehl beim BVB nicht unbedingt Bedarf auf der Stürmerposition sieht

Mediengespräch in Bad Ragaz

Sebastian Kehl fordert von jedem im Verein, für das Ziel Meisterschaft zu leben, setzt große Hoffnungen in Mats Hummel und würde Mario Götze gerne noch länger beim BVB sehen.

Bad Ragaz

, 01.08.2019, 15:36 Uhr / Lesedauer: 6 min

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Kehl über Trainingslager, Götze und Supercup

Seit gut einem Jahr fungiert Sebastian Kehl jetzt als Leiter der Lizenzspielerabteilung des BVB. Der ehemalige Kapitän von Borussia Dortmund bewertet dieses Jahr als „grundsätzlich erfolgreich“, macht aber keinen Hehl daraus, dass es im zweiten Jahr noch ein bisschen erfolgreicher werden soll. Im Trainingslager in Bad Ragaz sprach Kehl am Donnerstagmittag in einer Medienrunde zu den versammelten Journalisten über…


… den Supercup: „Für mich persönlich hat der Supercup immer einen hohen Stellenwert gehabt. Es ist immer gut, mit einem Titel in die Saison zu starten. Ich glaube, dass der Supercup in diesem Sommer eine besondere Brisanz mit sich bringt. Spiele gegen die Bayern sind immer besonders, aber in der jetzigen Konstellation ist es noch einmal spezieller. Das Stadion war unheimlich schnell ausverkauft. Ich glaube, die Menschen freuen sich drauf. Und wenn man die Spieler aus beiden Lagern hört, dann sehen beide Mannschaften dieses Spiel als erste Standortbestimmung.“


… die Euphorie im Falle eines Supercup-Sieges: „Wir könnten das schon einordnen, da mache ich mir keine Sorgen. Bis zum Ligastart sind es noch zwei Wochen. Beide Mannschaften sind noch nicht bei 100 Prozent. Trotzdem wird dieses Spiel etwas bewegen. Es kann zu Diskussionen führen, es kann beflügeln. Es wäre auf jeden Fall gut, das Spiel zu gewinnen, gerade auch vor eigenem Publikum.“


… die Verfassung der Mannschaft: „Wir haben sehr gut gearbeitet bislang. In den USA konnten wir noch nicht dauerhaft trainieren, hier in Bad Ragaz haben wir wirklich einen guten Schritt nach vorne gemacht. Die Testspiele waren gut, auch wenn wir die Gegner realistisch einordnen müssen. Trotzdem war es gut, um den Rhythmus zu finden. Wir haben den Fokus im Trainingslager darauf gelegt, dass wir körperlich die ganze Saison bestehen können. Leider haben wir den einen oder anderen verletzten Spieler. Aber wir werden die Tage nach dem Supercup weiter nutzen, um uns auf die Saison vorzubereiten.“

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… den Konkurrenzkampf und den großen Kader: „Noch ist keiner sauer, weil im Trainingslager alle auf ihre Kosten kommen. Es wird natürlich harte Entscheidungen geben, wenn die Pflichtspiele anstehen. In der kommenden Saison werden die Spieltagskader von 18 auf 20 Spieler aufgestockt, was ich sehr positiv finde. Aber am Ende ist Konkurrenzkampf für einen Klub wie uns sehr wichtig, weil wir in drei Wettbewerben erfolgreich sein wollen. Wir brauchen mindestens eine Doppelbesetzung auf allen Positionen. Trotzdem arbeiten wir daran, den Kader weiter zu optimieren – und da wird sich in den nächsten Tagen mit Sicherheit noch etwas tun. Nichtsdestotrotz werden Wochenende für Wochenende harte Entscheidungen anstehen. Damit muss jeder professionell umgehen. Das hat die Mannschaft in der vergangenen Saison schon sehr gut hinbekommen. Am Ende steht der Erfolg des Klubs an oberster Stelle, deswegen gab’s in der vergangenen Saison auch keine Querdenker.“


… die Stimmung in der Mannschaft: „Ich erlebe die Mannschaft sehr ambitioniert. Sie hat das Ziel mit getragen. Jeder ist gewillt, seine Rolle zu finden. Natürlich hat der eine oder andere Transfer die Konkurrenzsituation noch einmal verschärft. Das schärft die Sinne. Trotzdem geht es harmonisch zu. Wir wachsen weiter zusammen. Auch die USA-Reise hat dazu beigetragen, dass man sich noch einmal besser kennenlernt. Und so langsam wollen wir in den Wettbewerb starten. Vorbereitungen sind nie so ganz einfach. Es kann jetzt losgehen. Von einem Lagerkoller ist trotzdem weit und breit nichts zu spüren.“

Warum Kehl beim BVB nicht unbedingt Bedarf auf der Stürmerposition sieht

„Ich erlebe die Mannschaft sehr ambitioniert. Sie hat das Ziel mit getragen. Jeder ist gewillt, seine Rolle zu finden.“ - Sebastian Kehl © Guido Kirchner

… die verletzten Spieler: „Thorgan Hazard steigt heute wieder in Teile des Mannschaftstrainings ein, mal sehen, ob es bis Samstag noch reicht. Roman Bürki hat eine Risswunde am Schienbein und musste genäht werden, das wird eng bis zum Supercup. Julian Brandt fällt mit Adduktorenproblemen aus. Bei den anderen Spielern, die zwischendurch kürzer getreten sind, müssen wir schauen, wie es läuft. Aber wir werden am Samstag eine gute Mannschaft auf dem Platz haben.“


… die Fortschritte, die der BVB machen muss, um in der neuen Saison einen Titel gewinnen zu können: „Ich glaube, dass wir uns gut verstärkt haben und einen Schritt weiter sind. Das Ziel ist klar formuliert und ambitioniert. Man merkt, dass alle danach lechzen, dieses Ziel zu erreichen. Es geht jetzt darum, daran zu arbeiten. Wir müssen dieses Ziel jeden Tag leben und hart dafür arbeiten. Das muss in den Fokus.“


… das Meisterschaftsduell mit Bayern München: „Wir haben das Ziel formuliert, weil wir daran glauben, in dieser Saison die Meisterschaft gewinnen zu können. Zum FC Bayern möchte ich mich nicht groß äußern. Ich bin davon überzeugt, dass sie auf dem Transfermarkt noch etwas machen werden. Wir haben unseren eigenen Weg, unseren Fahrplan. Und nach unserer Leistung in der letzten Saison, ist es jetzt ganz normal, dass wir um die Meisterschaft mitspielen wollen.“

Warum Kehl beim BVB nicht unbedingt Bedarf auf der Stürmerposition sieht

Sebastian Kehl glaubt, dass sich 90 Prozent der Fans über die Rückkehr von Mats Hummels freuen. © Guido Kirchner

… Mats Hummels: „Er ist ein Baustein, der vielleicht in der letzten Saison gefehlt hat. Er bringt Erfahrung, Reife, Qualität und hat viele Titel gewonnen. Er kennt den BVB sehr gut, ist sofort wieder integriert. Und natürlich haben wir große Erwartungen an ihn. Ich erlebe ihn bisher sehr klar. Er trainiert hart, hat bisher keine Einheit verpasst und hat sich sehr viel vorgenommen für die neue Saison. Es geht alles in die richtige Richtung – und ich gehe fest davon aus, dass Mats nicht mit Pfiffen empfangen wird. Ich habe das Gefühl, dass sich 90 Prozent der Fans über diesen Wechsel freuen. Den einen oder anderen muss Mats durch Leistung erst noch überzeugen. Das ist sein Ziel, darauf konzentriert er sich. Ich glaube aber, dass die Fans ein gutes Gespür dafür haben, dass sie uns nicht helfen, wenn sie einzelne Spieler auspfeifen.“


… zu viele Gegentore in der Vorsaison: „Wir haben vor allem in der Rückrunde zu viele Gegentore bekommen und viele individuelle Fehler gemacht. Ich hoffe, dass wir daraus gelernt haben. Das ist auch ein Entwicklungsprozess dieser jungen Mannschaft. Aber ich denke, dass wir einen Schritt weiter sind. Wenn wir die individuellen Fehler abstellen, werden wir deutlich weniger Gegentore kassieren – und damit auch die Chance auf Erfolg erhöhen. Um unsere Offensive mache ich mir überhaupt keine Sorgen, aber wir müssen zusehen, dass wir gemeinsam gut verteidigen. Gerade gegen Mannschaften, gegen die es schwer ist, selbst Tore zu schießen.“


… Mario Götze: „Wir wollen gerne mit Mario verlängern und werden Gespräche führen. Es sind bislang noch keine Verhandlungen geführt worden, aber ich erlebe Mario äußerst gelassen, was dieses Thema angeht. Er konzentriert sich auf das, was er vorhat. Er will richtig fit sein und seinen Platz in der Mannschaft finden. Alles andere werden wir in den nächsten Wochen klären.“

… Lucien Favre: „Er ist gelassen, aber fokussiert. Er denkt jeden Tag darüber nach, wie er unsere Mannschaft verbessern kann. Er arbeitet weiterhin sehr detailliert und versucht, den neuen Spielern klarzumachen, was er von ihnen erwartet. Ich glaube, es hilft ihm, dass er jetzt ein Jahr hier ist und weiß, in welchem Umfeld er sich bewegt. Die Zusammenarbeit ist super vertrauensvoll. Wir haben gemeinsam Großes vor. Auch der Trainer trägt das Ziel Meisterschaft natürlich mit. Wir haben gemeinsam darüber gesprochen. Der Trainer will auch gewinnen, das ist doch klar. Manchmal drückt er das vielleicht nur ein wenig defensiver aus als andere.“


… einen möglichen neuen Stürmer: „Suchen wir einen? Das Transferfenster ist ja noch ein bisschen geöffnet, deswegen kann ich nichts ausschließen. Grundsätzlich finde ich aber, dass wir vorne wahnsinnig viele Optionen haben. Der Trainer hat da auch noch die eine oder andere Idee. Wir haben viele Spieler, die auf unterschiedlichen Positionen und in unterschiedlichen Systemen spielen können. Mario macht einen guten Eindruck, Paco macht einen guten Eindruck. Er ist fitter als vor einem Jahr, er ist sehr engagiert. Ich habe keine Sorge, wenn wir mit dieser Offensive in die Saison gehen.“


… das Pokalspiel gegen Uerdingen: „Die erste Runde im Pokal kann auch mal ein Stolperstein sein. Als ich das Los Uerdingen gesehen habe, habe ich gleich an Kevin Großkreutz gedacht, für den es bestimmt auch ein ganz besonderes Spiel wird. Natürlich wollen wir die Runde überstehen. Es wird live übertragen, das Stadion wird voll sein. Wir werden die Aufgabe sicherlich nicht unterschätzen.“


… Kontakt mit Kevin Großkreutz: „Wir haben hin und her geschrieben. Kevin wird alles geben, wie immer. Nach dem Spiel wird er bei uns in der Kabine sein, da bin ich mir sicher, aber auf dem Platz wird er es allen beweisen wollen. Sich selbst. Und den Zuschauern.“

Warum Kehl beim BVB nicht unbedingt Bedarf auf der Stürmerposition sieht

Immanuel Pherai macht beim BVB in der Sommervorbereitung auf Sebastian Kehl einen guten Eindruck. © Guido Kirchner

… Immanuel Pherai und Giovanni Reyna: „Beide machen einen sehr guten Eindruck und haben ihre Qualitäten gezeigt. Gio ist erst 16, aber man sieht seine Qualitäten. Er braucht natürlich noch Zeit – und die sollte man ihm geben. Immanuel hat nicht nur in diesem Jahr unsere U19 stark beeinflusst und auch zum Titel geführt. Wir haben hoffnungsvolle Talente in unseren Reihen. Nicht nur die beiden. Sie haben ihre Chance in den USA genutzt, deswegen haben wir sie auch mit in die Schweiz genommen. Der Trainer freut sich, die beiden dabei zu haben. Der Plan wird aber schon sein, dass sie im Jugendbereich oder bei der U23 Spielpraxis sammeln. Für die jungen Spieler ist es extrem wichtig, Woche für Woche Spielpraxis zu sammeln. Man tut den Jungs am Ende keinen Gefallen, wenn man sie jetzt voll in den Fokus stellt. Sie werden sich entwickeln – und wir haben viel mit ihnen vor.“


… sein erstes Jahr als Leiter der Lizenzspielabteilung: „Grundsätzlich war es ein erfolgreiches erstes Jahr für mich in einer neugeschaffenen Position, die sich über das Jahr auch weiter entwickelt hat. Es ist ja klar, dass im Laufe einer Saison Dinge auf einen zukommen, auch in der Zusammenarbeit mit Aki und Michael. Ich glaube aber, dass wir alle erfolgreich zusammengearbeitet haben und dass ich einen klaren Mehrwert bringen konnte. Ansonsten möchte ich nicht so viel über mich selber reden. Bewerten müssen mich andere. Klar ist aber, dass ich ambitioniert bin und der Mannschaft helfen möchte. Es geht darum, die Voraussetzungen zu schaffen, damit wir noch erfolgreicher und stärker werden. Und dann schauen wir, was am Ende dabei rumkommt.“


… die Qualität des Kaders: „Wir haben eine gute Mischung aus Führungsspielern, Unterschiedsspielern und jungen Talenten. Ich find’s immer schwierig, die Mannschaft zum Beispiel mit der von 2012 zu vergleichen. Es war eine andere Zeit und es hat sich seitdem ja auch vieles entwickelt. Man sollte da nicht zu sehr in der Vergangenheit leben. Ich glaube einfach, dass wir sehr gut aufgestellt sind und dass die Mischung und die Balance in der Mannschaft gut sind. Wir haben uns auch in der Breite noch einmal sehr gut verstärkt – und wir freuen uns auf eine Saison, die hoffentlich erfolgreich sein wird.“

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