Vor emotionaler Rückkehr: Ex-BVB-Talent Luca Kilian ist der Senkrechtstarter in Paderborn

dzBorussia Dortmund

„Am Freitag komme ich nach Hause“, sagt Luca Kilian. Er ist in Dortmund groß geworden, spielte beim BVB. Für sein erstes Spiel im Signal Iduna Park musste er jedoch nach Paderborn wechseln.

von Leon Elspaß

Dortmund

, 22.11.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Amand Theis darf aktuell sehr zufrieden sein. Er, selbst 296-facher Bundesligaspieler und von 1977 bis 1980 bei Borussia Dortmund unter Vertrag, rückte nach seiner eigenen Karriere in die Rolle des Chefkritikers.

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Nicht öffentlich, sondern familienintern. Denn seit sich dessen Enkel Luca Kilian anschickt, in die Fußstapfen des mittlerweile 69-jährigen Ex-Verteidigers zu treten, schaut Theis wieder ganz genau hin. Zuweilen fallen seine Kritiken dann großväterlich-mild aus, meist aber entwaffnend ehrlich und professionell.

Tipps vor dem Spiel, Feedback nach den Partien

„Vor den Spielen“, erklärte Kilian mal, „schreibt er mir eine Nachricht oder wir telefonieren kurz.“ Und während der Partien analysiert Theis, gibt anschließend Feedback. Per Telefon oder im unmittelbaren Gespräch.

Vor emotionaler Rückkehr: Ex-BVB-Talent Luca Kilian ist der Senkrechtstarter in Paderborn

Beim SC Paderborn steht Luca Kilian hoch im Kurs, ist aktuell Stammspieler. © picture alliance/dpa

Seit der 20-Jährige beim SC Paderborn spielt, hat er bereits öfter Besuch vom Großvater bekommen. „Er freut sich natürlich riesig, dass ich meinen Traum vom Profifußball gerade leben kann“, schildert Kilian dieser Redaktion. Für beide, Enkel und Opa, wird das freitägliche Duell zwischen dem BVB und Paderborn (20.30 Uhr) ein besonderes.

Vom Hombrucher SV über den BVB zum SC Paderborn

Ebenso wie Theis besitzt der im Dortmunder Süden aufgewachsene Kilian nämlich eine schwarzgelbe Vita. 2011 kam er vom Hombrucher SV, war 2017 essenzieller Teil der meisterlichen U19-Mannschaft, ehe er in der Runde 2018/2019 für die Regionalliga-Vertretung auflief.

„Am Freitag komme ich nach Hause.“
Luca Kilian

„Am Freitag“, sagt Kilian denn auch, „am Freitag komme ich nach Hause“. Um im Signal Iduna Park zum ersten Mal anlässlich einer Bundesliga-Partie aufzulaufen. Als Angestellter der Borussia blieb ihm dieser Schritt noch verwehrt.

Schon im Sommer 2018 hatte sich Kilian reif gefühlt für die ganz große Bühne. Dass ihn der BVB nicht aus der A-Jugend in den Elite-Kader befördern wollte, ließ ihn über einen Wechsel grübeln.

Zu Trainingsbeginn des BVB II stand er dann aber doch auf dem Rasen in Dortmund-Brackel. Jan Siewert, Kilians erster Seniorentrainer, erinnert sich im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, dass der Defensivmann in der Vorbereitung „noch etwas Zeit gebraucht“ habe, „danach war der Junge da“.

Der Ehrgeiz ist es, der Luca Kilian auszeichnet

Siewert, kürzlich noch bei Huddersfield Town angestellt, bezeichnet Kilian als „unheimlich ehrgeizigen Typ“, der zuweilen „fast verbissen“ an seinem Ziel arbeitete.

„Das hat ihn ausgezeichnet“, sagt dieser Fußballlehrer, den es nicht überrascht, dass sein einstiger Schützling den Aufstieg zum Bundesliga-Stammspieler nun doch so rasch geschafft hat. „Wenn ein Spieler sehr ehrgeizig ist - das wollte ich immer vermitteln -, dann kann es funktionieren.“

Vor emotionaler Rückkehr: Ex-BVB-Talent Luca Kilian ist der Senkrechtstarter in Paderborn

Früher trug Luca Kilian die schwarzgelben Farben. © David Inderlied

In den vergangenen sieben Pflichtspielen stand Kilian beim SCP immer in der Startelf, sechsmal in der Bundesliga, einmal im Pokal, jeweils über die gesamte Spielzeit. „Es hätte eigentlich nicht besser laufen können“, meint er.

Dass er zu Beginn der Saison nicht sofort spielen würde, „war ja zu erahnen.“ Seine leicht verspätete Profi-Premiere und die Wochen danach bewiesen ihm jedoch, „dass ich im Sommer den richtigen Schritt vollzogen habe.“

Kilian hat unter anderem Ex-BVB-Kicker Uwe Hünemeier verdrängt

Hin zum richtigen Verein und zum richtigen Trainer. Steffen Baumgart verhalf Kilian gegen Bayern München (2:3) zum Debüt und setzte in der Innenverteidigung zuletzt immer auf das von ihm ausgerufene „Zentrum der Zukunft“ bestehend aus dem ehemaligen BVB-Talent sowie Sebastian Schonlau (25 Jahre).

Die mit deutlich ausgeprägterer Erfahrung gesegneten Christian Strohdiek (31) - seinerseits der etatmäßige Kapitän – und Uwe Hünemeier (33) mussten für das deutlich jüngere Duo weichen.

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Gegen die Bayern habe Baumgart ihn „einfach reingeworfen, dann habe ich mein Bestes gegeben“, erzählt Kilian, der sich inzwischen zum Paderborner Top-Transfer entwickelt hat.

Kein anderer Zugang erwies sich bislang als so stabil auftretende Verstärkung. Dass er seit September auch im Kreise der U21-Nationalmannschaft von Stefan Kuntz zum Stammpersonal zählt, kommt daher nicht überraschend.

Etwas überrascht hat Kilian die kurze Kontaktzeit in der Bundesliga

Einzig gegen die TSG Hoffenheim in Paderborner Arbeitskluft (0:3) und kürzlich in der EM-Qualifikation gegen Belgien mit dem Adler auf der Brust (2:3) wackelte auch Kilian.

Ansonsten indes, das bemerkt er völlig korrekt, seien keine „rapiden Leistungsabfälle“ dazwischen gewesen, „bei denen sich mancher fragt: Was macht der Junge da?“ Jene Bedenkenträger, die im Dortmunder Umfeld nach seinem Wechsel zum Bundesligisten zu vernehmen waren, sind vorerst verstummt.

Vor emotionaler Rückkehr: Ex-BVB-Talent Luca Kilian ist der Senkrechtstarter in Paderborn

Luca Kilian gehört in Paderborn zum „Zentrum der Zukunft“. © Guido Kirchner

Kilian, der trotz 1,90 Meter Größe schnell beschleunigende Innenverteidiger mit besserem rechten Fuß und gutem Offensivkopfball, kommt bisher gut zurecht mit der krassen Umstellung vom Regionalliga- aufs Bundesliga-Niveau.

Etwas überrascht hat ihn lediglich, „dass die Kontaktzeit so gering ist“, also die (mögliche) Dauer mit Ball am Fuß. „Vor dem Fernseher sieht das häufig so aus, als hätten die Spieler noch ein wenig Zeit - das Spiel ist dann aber doch viel schneller als man denkt.“

Der SC Paderborn und Luca Kilian schielen auf den Relegationsplatz

Einige seiner Kollegen haben damit offenkundig größere Probleme. Außenseiter Paderborn, mit vier gesammelten Punkten am Tabellenende, leistet sich (noch) zu viele einfache Patzer im eigenen Abschluss wie im Defensivzweikampf.

Nur am neunten Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf konnte der SCP bisher gewinnen (2:0). Derzeit sehe es „nicht so gut aus“ im Kampf um den Klassenerhalt, gibt Kilian deshalb zu. „Der Relegationsplatz ist allerdings nur fünf Punkte weg, das sind zwei Spiele. Von daher“, sagt er, „sollten wir einfach unseren Weg weitergehen.“

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Dieser von Trainer Baumgart initiierte Paderborner Weg gibt vor, keinen maßgeschneiderten Matchplan zu besitzen, sondern den eigenen forsch-offensiv geprägten Spielstil konsequent durchzuziehen.

Gegen jeden Gegner, der da gerade kommt - und insofern auch beim BVB. „Mit Sicherheit werden wir nicht damit anfangen, die Bälle hinten rauszuschlagen“, bekräftigt Kilian. Es solle stattdessen „mutig“ nach vorne gehen, im Optimalfall flach und schnell, um ebenso zügig im Gefahrenbereich des Gegners zum Abschluss zu kommen.

„Am Freitag muss alles passen“

Dass die Borussia derzeit durchwachsene Vorträge präsentiert und vor zwei Wochen beim heftigen 0:4 in München nicht konkurrenzfähig war, ist Kilian freilich nicht entgangen.

„Am Freitag muss alles passen“, sagt er trotzdem und bemerkt, „welche Wucht Dortmund entfalten kann, vor allem im eigenen Stadion.“ Als klarer Underdog kehrt er erstmals zurück, läuft höchstwahrscheinlich erstmals vor mehr als 80.000 Zuschauern auf. Mit dem SC Paderborn, dem ostwestfälischen Außenseiter, lebt er seinen „Kindheitstraum“. Und Amand Theis schaut dabei zu.

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