Vom künstlichen Koma in die Königsklasse! So tickt BVB-Gegner Slavia Prag

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Von der Fast-Pleite in die Champions League: Borussia Dortmunds Gegner Slavia Prag durchlebt turbulente Jahre. Mit Millionen-Zahlungen aus China soll eine neue Ära geprägt werden.

von Vit Chalupa

Prag

, 02.10.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Slavia Prag ist der Außenseiter der Gruppe F. Der Wert des Kaders liegt bei geschätzten 37 Millionen Euro, der des BVB bei 630 Millionen. „Egal. Das Einzige, was zählt, ist die Leistung auf dem Rasen. Und wir haben keine Angst,“ sagt Trainer Jindrich Trpisovsky.

Sieg gegen den BVB „wäre etwas ganz Spezielles“

Er spricht vom Topspiel in der Gruppe, sogar vom möglichen Topspiel seines Lebens: Borussia Dortmund ist seit Jahren sein Lieblingsklub, den er viel beobachtet und von dem er viel gelernt hat. „Natürlich freue ich mich auch auf das Camp Nou in Barcelona, aber das Heimspiel gegen Dortmund genießt meine höchste Wertschätzung“, sagt Trpisovsky. „Ich freue mich, dass unsere 18.000 Fans im Stadion die Möglichkeit haben, uns gegen einen echten Giganten kämpfen zu sehen. Und ein Sieg“, sagt Slavias Coach, „wäre etwas ganz Spezielles.“

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Mithelfen soll der nigerianische Offensivspieler Peter Olayinka, der nicht nur das 1:0 gegen Mlada Boleslav am Samstag sicherte, sondern auch den Führungstreffer beim 1:1 in Mailand gegen Inter am ersten Spieltag der Champions League erzielte. „Wenn er Vertrauen fühlt, läuft alles bei ihm besser. Ja, er vergibt viele Chancen, aber er liefert auch seine Tore und Vorlagen. Es ist kein Zufall, dass er zur nigerianischen Nationalmannschaft eingeladen wurde“, lobte Trpisovsky.

Erstes Champions-League-Heimspiel seit zwölf Jahren

Torwart Ondrej Kolar war am Samstag froh für das dritte Spiel zu Null hintereinander: „Das ist großartig für uns, dass die Serie weiterläuft. Doch gegen Dortmund wird es sicher ein anderes Match. Sie werden voraussichtlich mehr Chancen haben. Aber wir haben in Mailand gezeigt, dass wir gegen jeden Gegner mithalten können.“ Mut macht den Tschechen ihre Erfolgsserie mit dem Punkt in Mailand, Siegen im Derby bei Sparta, im Pokal und jetzt gegen Mlada Boleslav.

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Slavia, der Klub, die ganze Umgebung, die Fans freuen sich auf das Spiel gegen Borussia Dortmund - zwölf lange Jahre nach dem letzten Champions-League-Heimspiel. Die Prager stehen zum zweiten Mal in der Gruppenphase. Zwei 1:0-Siege in den Playoffs gegen Cluj aus Rumänien brachten nicht nur sechs Spiele gegen drei namhafte Gegner, sie spülen auch viele Millionen Euro in die Kasse, die noch vor vier Jahren leer war.

Die Millionen aus China fließen

Da lag der Traditionsklub im künstlichen Koma, nahe der Insolvenz. Dann kamen chinesische Firmen, investierten und investieren immer noch weitere Millionen. Und jetzt kann sich Geschäftsführer und Herrscher des Vereins, Jaroslav Tvrdik, ein ehemaliger Politiker, Direktor einer Fluggesellschaft und Wahlmanager der links orientierten sozialistischen Partei, über weitere Kohle freuen. Allein die Antrittsprämie beschert den Pragern ein halbes Jahresbudget. Ergebnisse und TV-Rechte können die Lage noch verbessern.

Vom künstlichen Koma in die Königsklasse! So tickt BVB-Gegner Slavia Prag

Bei Slavia beginnt für Jindrich Trpisovsky (l.) und Jaroslav Tvrdik eine neue Ära © imago

Mit dem chinesischen Geld, das nicht alle anderen Klubs der Liga respektieren - ähnlich wie bei RB Leipzig in Deutschland - stabilisierte sich Slavia. Der Klub erfand sich neu, auch wenn Stars wie Halil Altintop oder der Portugiese Danny anfangs nicht den gewünschten Erfolg brachten. Im Winter 2017 kam erst der Sportdirektor von Slovan Liberec, Jan Nezmar, ihm folgte der jetztige Coach Jindrich Trpisovsky. Die beiden waren gemeinsam schon beim Lokalverein aus Nordböhmen sehr erfolgreich. Und so beginnt bei Slavia eine neue Ära. Mit dem ersten Höhepunkt am Mittwoch - gegen den BVB in der Champions League.

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