In der Schaltzentrale herrschte beim im Sommer viel Bewegung in puncto Transfers. Doch wie gut ist der BVB hier aufgestellt? Das Mittelfeld in der Kaderanalyse.

Dortmund

, 23.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Meist drei, seltener vier Mittelfeldspieler sind in den Konzepten von Trainer Lucien Favre vorgesehen. Dort, wo das Spiel auf dem Feld am wenigsten Platz lässt, hat der neue Fußballlehrer des BVB die größten Freiräume und gleich mehrere Kandidaten für verschiedene Positionen. „Es ist gut, wenn die Spieler flexibel sind“, sagt Favre über seine Optionen im Zentrum. Im Kadercheck heute: das Mittelfeld.

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Julian Weigl: Nach mehr als drei Monaten Pause feierte der Sechser am vergangenen Freitag endlich sein Comeback. 60 Minuten im Kreis der U23, Weigl war froh. Und fix und fertig. „Julian hat ein enormes Potenzial“, sagt Favre über den Shooting Star, der nach einer deutlich schwächeren Saison inklusive Verletzungen leistungsmäßig wieder nach oben klettern will. Auch wenn sich die Gerüchte halten, dass er mit seinem ehemaligen Trainer Thomas Tuchel über einen Wechsel zu Paris St. Germain mehr als nur einmal nachgedacht habe, scheitert ein Transfer nicht zuletzt am Preis. Weigls Wert taxiert man in Dortmund jenseits von 50 Millionen Euro. Zum Stammspieler macht ihn diese Summe beim BVB aber nicht automatisch.

Viele Optionen im BVB-Mittelfeld - aber auch einige Streichkandidaten

Julian Weigl kämpft sich nach seiner Verletzung wieder zurück. Allerdings kursieren Gerüchte um einen Wechsel nach Paris. © Bielefeld

Axel Witsel: Was für eine Pflichtspiel-Premiere: Kaum eine Viertelstunde auf dem Rasen, rettete der Neuzugang den BVB vor einem peinlichen Pokal-Aus in Fürth. Für das Erzielen von Toren hat der Klub ihn aber nicht verpflichtet. Sondern als Chef im Mittelfeld. Als Organisator von Struktur und Balance auf dem Platz, als energischen Zweikämpfer und Taktgeber. Wenn die ersten Eindrücke aus Tests und Trainings nicht täuschen, wird der Lockenkopf der neue Kopf der Mannschaft. Dann wären die 20 Millionen Euro Ablöse an Tianjin Quanjian und ein stattliches Salär bestens investiert. „So einen haben wir echt gebraucht“, sagt Marco Reus.


Thomas Delaney: Durfte man dem Dortmunder Mittelfeld in der Vergangenheit unwidersprochen eine gewisse Zweikampf-Allergie nachsagen, sind diese Zeiten passé. Der ehemalige Werderaner ist ein hervorragender Balleroberer und ein unermüdlicher Kämpfer, der öfter mal den Weg in den gegnerischen Strafraum findet. Ein weiteres Kriterium, das für ihn spricht: So fröhlich und freundlich er sich im Gespräch gibt, so unerbittlich und entschlossen agiert er auf dem Platz, Stichwort Mentalität. Ein perfekter Kicker ist er allerdings nicht: An seiner Passsicherheit muss der Däne, gerade in Favres Augen, noch arbeiten.


Mahmoud Dahoud: Es gibt sie in jedem Spiel von ihm, diese Momente, in denen Dahoud auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn spaziert. Messerscharfe Zuspiele, Tempowechsel, überraschende Drehungen und Spielverlagerungen, die an einen Ilkay Gündogan erinnern. Das sind die starken Szenen. Die gegenteiligen Situationen sind kopflose Dribblings, die zu Ballverlusten führen, Pässe ins Nichts, Abspielfehler zum Haareraufen. Der 23-jährige U-Nationalspieler kann das Spiel gefährlich machen - in beide Richtungen. In Favre trifft er beim BVB seinen ehemaligen Förderer aus Gladbacher Zeiten wieder. Wenn der ihm Klarheit in den Aktionen einbimst, ist Dahouds Potenzial riesengroß.

Viele Optionen im BVB-Mittelfeld - aber auch einige Streichkandidaten

Mit Geistesblitzen ist Mahmoud Dahoud immer dazu in der Lage, für Torgefahr zu sorgen. Allerdings leistet sich der U23-Nationalspieler auch den ein oder anderen Aussetzer. © dpa

Sebastian Rode: Ach, ach! Auch nach zwei Jahren in Westfalen bekommt der als „Mentalitätsspieler“ vorgestellte Ex-Bayer kein Bein an die Erde. Wiederkehrende, plagende Verletzungspausen setzten ihn für die gesamte Spielzeit 2017/18 außer Gefecht. Die Historie seiner Ausfallzeiten ist weitaus umfangreicher als die Liste seiner Einsätze. Und diese Saison beginnt kaum besser. Trainer Favre setzt augenscheinlich nicht auf ihn, aufdrängen konnte er sich auch nicht. Rode dürfte den Verein bei einem passenden Angebot verlassen.


Mario Götze: Favres Fußball und Götzes Genialität - wann, wenn nicht in dieser Kombination sollte es gelingen, wieder die außergewöhnlichen Gaben von Götze hervorzukitzeln. Der Spielmacher, wahlweise auch Achter oder „Neuneinhalber“ (Favre), also zurückhängende Spitze, hat die WM-Ausbootung abgehakt, die gesamte Vorbereitung absolviert und viel, viel gespielt. Garantien für großen Fußball gibt es keine. Doch die Sehnsucht nach einem großartigen Götze lebt bei den Fans weiter.


Shinji Kagawa: Es dürfte den stillen Japaner irritiert haben, dass er beim ersten Pflichtspiel der Saison nicht einmal einen Platz im Kader eingeräumt bekam. Klar, er stieß nach der WM erst spät zur Mannschaft. Doch allzu große Stücke scheint Favre nicht zu halten auf den 29-Jährigen. Gesichert ist, dass sich Kagawa erst wieder in den Vordergrund kicken muss.

Viele Optionen im BVB-Mittelfeld - aber auch einige Streichkandidaten

Shinji Kagawa scheint in den Planungen von Lucien Favre keine große Rolle zu spielen. © Guido Kirchner

Nuri Sahin: Ein Wortführer war, ist und bleibt der langgediente Borusse. Sportlich hat Sahin jedoch ein schweres Jahr vor sich. Schaffte er es unter Peter Stöger immer wieder mal von der Tribüne in die Startelf, sinken seine Aktien unter Favre. Auf den Sechser- und Achterpositionen hatte er schon vorher reichlich Konkurrenz, die ihm den Rang abgelaufen hat, jetzt sind in der Hierarchie auch noch Delaney und Witsel vor ihm gelandet. Der 29-Jährige wird sich trotzdem reinhängen. Sein Vertrag endet in einem Jahr.


Sergio Gomez: Er zeigte in seinen ersten Profieinsätzen im Frühjahr enormes Potenzial. Abrufen kann es der 17-Jährige in diesem Sommer noch nicht. Körperlich hängt er noch weit zurück. Auch im Test mit der U23 konnte er nicht überzeugen. Er braucht Spielpraxis. In Dortmund winkt ihm die nicht.

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