Verstörende Bilder im BVB-Gästeblock: Hat der Fußball schon verloren?

dzAusschreitungen bei BVB-Spiel

Beim 2:2 zwischen dem BVB und Hertha kommt es im Berliner Block zu schlimmen Auseinandersetzungen zwischen Polizeikräften und Gäste-Fans. Es sind verstörende Bilder. Dirk Krampe kommentiert.

Dortmund

, 28.10.2018, 08:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem stellt sich beinahe jede Woche, in beinahe jedem beliebigen Stadion der Republik. Einzelne Fan-Gruppierungen benehmen sich daneben, grölen Hass-Parolen, beleidigen gegnerische Spieler und Unparteiische. Und das ist noch das Harmloseste, denn manchmal zünden sie, wie am Samstag im Signal Iduna Park, auch noch Pyrotechnik, die sie trotz aller vermeintlich intensiven Kontrollen immer noch ungehindert ins Stadion hineinschmuggeln können.

Eine neue Qualität

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Was sich im Dortmunder Stadion vor dem Anpfiff und dann nach gut einer Viertelstunde abspielte, hatte jedoch eine neue Qualität. Mitglieder der Berliner Ultragruppierung „Hauptstadtmafia“, die ihr 15-jähriges Bestehen mit Pyrotechnik und einem großen Banner „feierten“, und eine Einsatzhundertschaft der Polizei standen Kopf an Kopf am unteren Ende des Blocks in der Nordost-Ecke bei einer wilden Prügelei.

Die Chaoten warfen Becher, Fahnenstangen (!) und sonstige Gegenstände, die Ordnungsorgane antworteten mit dem Einsatz von Pfefferspray. Es waren Szenen wie bei einer Straßenschlacht, verstörende Bilder. Eine noch größere Eskalation der Situation stand minutenlang im Raum. Und währenddessen lief das Spiel auf dem Rasen unbeirrt weiter - ein ziemlich skurriles Bild.

Imaginäre Grenze überschritten?

Beinahe wöchentlich stehen die Einsatzkräfte der Polizei vor dem immer gleichen Problem. Welche Form von Ausschreitungen ist „hinnehmbar“ und zu „tolerieren“, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden? Wann ist diese imaginäre Grenze überschritten und es muss in jedem Fall gehandelt werden? In Dortmund entschied sich die Polizei, in den Block zu gehen, als Berliner Chaoten nach der Pyroaktion vor dem Anpfiff im Schutz eines Banners erkennbar den Einsatz weiterer Pyrotechnik vorbereiteten. Ein derartiges Vorgehen ist zumindest unüblich, in der Regel verhalten sich die Ordnungshüter deutlich defensiver. Der Versuch der Polizei, das Banner zu entfernen und einzuholen, war aus Sicht der Ultras ein Sakrileg - und die Situation nahm beinahe folgerichtig ihren unheilvollen Verlauf.

War der Einsatz nun richtig oder falsch? Darüber lässt sich trefflich streiten, im Nachhinein sowieso. Die Bilanz spricht zumindest eine eindeutige Sprache: 45 Verletzte vermeldete die Polizei nach Auswertung der ersten Erkenntnisse. Das sind mindestens 45 zu viel.

Sport gerät in den Hintergrund

Beinahe wöchentlich müssen sich normale Stadionbesucher fragen, ob sie sich solche oder ähnliche Szenen noch antun wollen bei ihrem „Erlebnis Stadionbesuch“. Sie müssen sich fragen, ob das Grölen von Hass-Parolen und das Zünden von Pyrotechnik tatsächlich „zum Fußball einfach dazu gehört, schon immer“, wie es dann so schön heißt. Sie müssen sich fragen, ob das also der Normalzustand ist, den man eh nicht ändern kann, den man in Kauf nehmen muss, wenn man mit seinen kleinen Kindern, die doch eigentlich nur ihre Stars spielen sehen und anfeuern wollen, in ein Fußball-Stadion geht.

Verstörende Bilder im BVB-Gästeblock: Hat der Fußball schon verloren?

Zerstörte Toiletten im Bereich der Nordtribüne. © Polizei Dortmund

Ich meine: nein! Denn vielleicht bleiben einige von denen ja zukünftig zu Hause. Weil sie ihren Kindern und sich derlei Bilder ersparen wollen. Weil sie es Leid sind, dass das Spiel völlig in den Hintergrund gedrängt wurde und nicht über Sport, sondern vor allem über Chaoten berichtet wird. In diesem Fall hätte der Fußball verloren. Vielleicht aber hat er dies ja schon jetzt. Weil es trotz aller permanenten Dialoge mit den Ultra-Gruppierungen immer wieder zu Eskalationen kommt. Ungehemmt. Und beinahe überall.

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