Vereins-DNA auf allen Ebenen - so schwarzgelb war der BVB noch nie

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Borussia Dortmund legt Wert auf die DNA des Vereins. Im Sommer kamen Michael Skibbe, Otto Addo und Mats Hummels zum Klub zurück. Schwarzgelber war der BVB nie besetzt. Das ist kein Zufall.

Dortmund

, 22.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Michael Skibbe - hier im ausführlichen Interview über seine Arbeit beim BVB - coachte elf Jahre in Dortmund, von 1989 bis 2000. Otto Addo kommt auf sechs schwarzgelbe Jahre als Spieler (1999 – 2005). Und Mats Hummels kickte von 2008 bis 2016 bei Borussia Dortmund. Drei Borussen mit Stallgeruch, drei Rückkehrer im Sommer 2019. Der BVB setzt so intensiv wie wenige andere Klubs auf Typen, die wissen, wie der Verein tickt.

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„Eine schwarzgelbe Vergangenheit allein reicht nicht“, schränkt Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ein. „Diese Leute müssen eine hohe Qualität mitbringen. Neben dem Können ist es dann hilfreich und entscheidend, die Vereins-DNA zu kennen und zu spüren.“

Kontinuität in der obersten Etage

Angefangen bei Reinhard Rauball, der bereits 1979 erstmals als Präsident dem Verein vorstand, über KGaA-Geschäftsführer Watzke, der 2001 als Schatzmeister seine erste leitende Funktion im Klub übernahm, und nicht zuletzt bei Sportdirektor Michael Zorc, der als Spieler und Manager mehr als 40 Jahre schwarzgelbes Leben vorweisen kann, verfestigt sich die Einschätzung von Kontinuität in der obersten Ebene.

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So schwarzgelb war der BVB noch nie

Borussia Dortmund legt Wert auf die DNA des Vereins. Im Sommer kamen Michael Skibbe und Otto Addo zum Klub zurück. Schwarzgelber war der BVB nie besetzt.
22.07.2019
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Reinhard Rauball:
Unter anderem Präsident von 1979 bis 1982, von 1984 bis 1986 und von 2004 bis heute
© imago
Hans-Joachim Watzke:
Besuchte 1966 das erste BVB-Spiel im Stadion „Rote Erde“. Erst Edelfan, ab 2001 Schatzmeister, seit 2005 Geschäftsführer
© imago
Michael Zorc:
Seit 1987 beim BVB. Erst als Junior, dann als Profi, Manager und Sportdirektor
© imago
Lars Ricken:
Ab 1990 und bis 2009 Spieler beim BVB, seit 2008 Nachwuchskoordinator
© imago
Edwin Boekamp:
Von 1993 bis 2008 und seit 2013 erst Trainer, Nachwuchskoordinator, sportlicher Leiter Junioren
© BVB
Michael Skibbe:
Von 1989 bis 2000 Jugendkoordinator, Nachwuchs- und Cheftrainer, seit 2019 als U-Cheftrainer zurück
© Groeger
Sebastian Kehl:
Von 2002 bis 2015 Spieler beim BVB; seit 2018 Leiter der Lizenzspielerabteilung
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Carsten Cramer:
2002 bis 2007 Teamleiter BVB für den Vermarkter „Sportfive“, seit 2010 beim BVB Direktor Vertrieb und Marketing
© imago
Otto Addo:
Als Spieler von 1999 bis 2005 beim BVB, seit 2019 zurück als „Talente-Trainer“
© Groeger
Matthias Sammer:
Als Spieler von 1993 bis 1998 und als Trainer von 2000 bis 2004 beim BVB. Seit 2018 externer Berater
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Thomas Treß:
Seit 2006 Geschäftsführer und Direktor Finanzen. Zuvor als Berater für RölfsPartner mit dem BVB befasst.
© imago

Ob im sportlichen oder administrativen Bereich, die Chefs umgeben sich gerne mit eingefleischten Borussen. Watzke fällt die Begründung dafür nicht schwer: „Borussia Dortmund muss seine Entscheidungen immer in seinem besonderen Umfeld treffen. Wer diesen Verein zehn oder 20 Jahre aus nächster Nähe erlebt hat, dem fällt das leichter.“

Treue ist keine selbstverständliche Firmenphilosophie

Für ein großes mittelständisches Unternehmen, das der BVB mit mehr als einer halbe Milliarde Jahresumsatz darstellt, ist diese Treue keine selbstverständliche Firmenphilosophie. Expertise und Innovationskraft von außen werden in der Geschäftswelt hoch geschätzt und eingekauft. Mit allen Vor- und Nachteilen, die „fremde“ Mitarbeiter bringen.

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Die Gefahr, zu sehr im eigenen Dünkel zu verharren und keine externen Impulse mehr zu erhalten, kennt Watzke. Er sieht sie beim BVB aber nicht gegeben. „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir im eigenen Saft schmoren. Matthias Sammer war beim DFB, bei Bayern München, kommt jetzt zurück. Sebastian Kehl hat sich nach seiner Karriere zwei Jahre lang fortgebildet. Otto Addo und Michael Skibbe haben lange und erfolgreich auch in anderen Ländern gearbeitet.“

Die BVB-Mannschaft der 90er-Jahre hat großen Anteil

Auch in anderen erfolgreichen Klubs, man nehme den FC Bayern München mit dem Duo Hoeneß/Rummenigge, herrscht Konstanz in der Chefetage. Auch wenn dort die interne Erneuerung nur zögerlich vorangeht. Eine Nabelschau sollte aus der hohen Identifikation nämlich nicht werden. Im Gegenteil.

„Aus der Mannschaft der 90er-Jahre haben wir Top-Leute im Klub, allen voran Michael Zorc.“
Hans-Joachim Watzke

Konstante Weiterentwicklung statt harter Umbrüche, diese Linie soll die Personalentscheidungen in Dortmund auch in Zukunft leiten. „Aus der Mannschaft der 90er-Jahre haben wir Top-Leute im Klub, allen voran Michael Zorc. Dann Lars Ricken, Matthias Sammer, Kalle Riedle. Die wissen, was den BVB ausmacht“, erläutert Watzke. Ganz ähnlich soll es weitergehen, geht es nach den Klubbossen.

Schmelzer, Sahin Marco Reus könnten Kehl folgen

„Jetzt kommt die nächste Generation. Sebastian Kehl ist der erste, aber sicher nicht der letzte Ex-Profi, den wir einbinden. Aber das entscheidende Kriterium ist und bleibt die Qualität.“ Marcel Schmelzer, Nuri Sahin oder Marco Reus wären einige der Kandidaten, die in verschiedenen Funktionen auch in zehn Jahren noch für den BVB arbeiten könnten. Roman Weidenfeller und Patrick Owomoyela tun es als Repräsentaten jetzt schon.

Vereins-DNA auf allen Ebenen - so schwarzgelb war der BVB noch nie

Sebastian Kehl ist als Leiter der Lizenzspielerabteilung seit einem Jahr an Bord. © imago

Bei Reus hatte Watzke das bereits betont („Dass wir ihn in irgendeiner Form nach der Karriere beim BVB einbinden, wenn er das möchte, ist auch klar.“), Sahin hatte selber kundgetan, dass er sich sehr gut vorstellen könne, eines Tages als Trainer zu arbeiten. Natürlich am liebsten beim BVB. Er könnte nach seiner aktiven Karriere einer der nächsten Rückkehrer werden.

Watzke: Charakter, Qualität und schwarzgelbes Herzblut

„Ein Vorteil bei Rückholaktionen ist, dass wir den Charakter sehr gut einschätzen können und wissen, welche Persönlichkeiten wir uns ins Haus holen“, sagt Watzke. „Charakter ist neben Qualität und schwarzgelbem Herzblut das andere entscheidende Kriterium.“

Diese Maßgabe wird auch in Zukunft gelten, wenn Personalien von oberster bis mittlerer Ebene beim BVB geklärt werden müssen. Schwarzgelber als im Sommer 2019 war der BVB nie besetzt.

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