Umdenken beim BVB: Im Winter könnte ein neuer Mittelstürmer kommen

dzBorussia Dortmund

Ein Stürmer der Marke „groß und wuchtig“ fehlt im BVB-Kader. Trainer Lucien Favre schätzt diese Typen nicht. Im Winter könnte trotzdem ein Torjäger kommen. Die Spur führt nach England.

Dortmund

, 15.11.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

23 Treffer in der Bundesliga, fünf in der Champions League: Auf den ersten Blick lässt sich Borussia Dortmund kein Personalproblem in der Offensive anlasten. Auf den zweiten Blick schon.

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Schmerzhaft vermissen die Borussen seit Ende September ihren einzigen Mittelstürmer Paco Alcacer (26). Wegen einer Achillessehnenreizung und muskulären Problemen stand der Spanier wochenlang nicht zur Verfügung und kam seitdem nur zu zwei Kurzeinsätzen.

Seine abermalige Wahnsinns-Quote von fünf Toren an den ersten fünf Spieltagen konnte Alcacer also nicht ausbauen – und kein anderer Offensivspieler die Lücke füllen.

Umdenken beim BVB: Im Winter könnte ein neuer Mittelstürmer kommen

Eine treffsichere Alternative zu Paco Alcacer fehlt bisher beim BVB. © Guido Kirchner

Mit Alcacer in der Startelf traf der BVB in der Bundesliga im Schnitt drei Mal, ohne ihn nur 1,3 Mal. Ein eklatanter Unterschied, der die Abhängigkeit zeigt – und bei einem nicht behobenen Mangel an Alternativen im Dortmunder Edelkader den Finger in die Wunde legt.

Die Statistiken der Offensivspieler sind ausbaufähig

Lucien Favre pocht auf seine Idealvorstellung von einem spielstarken Mittelstürmer oder einer „falschen Neun“. Schon zu Gladbacher Zeiten ignorierte er stur einen Knipser wie Luuk de Jong.

Doch wenn der BVB-Trainer ehrlich zu sich ist, muss er eingestehen, dass weder Mario Götze noch Julian Brandt oder Jacob Bruun Larsen in dieser Rolle als verkappte Spitze die gegnerischen Abwehrreihen das Fürchten lehren. Bislang hat die Dortmunder Führungsriege diese Haltung Favres mitgetragen.

Das könnte sich nun ändern. Wie evident die Notlage ist, zumal Alcacer trotz verbesserter Fitness immer wieder verletzt passen muss, das lässt sich nicht mehr leugnen.

Der Transfer von Olivier Giroud scheiterte schon einmal

„Man kann immer darüber diskutieren“, sagte Borussias Sportdirektor Michael Zorc zur Stürmerfrage. „Es geht aber immer auch um Verfügbarkeiten und Möglichkeiten.“ Im Sommer passte es nicht bei einem Torjäger, den der BVB schon lange auf seiner Wunschliste führt. Aber beide Eventualitäten dürften im Winter gegeben sein.

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Bereits im Januar 2018 hätten die Dortmunder Macher gerne Olivier Giroud, damals beim FC Arsenal unter Vertrag, als Nachfolger für Pierre-Emerick Aubameyang präsentiert. Das gelang unter anderem aus privaten Gründen nicht, der französische Nationalspieler (94 Spiele, 37 Tore) erwartete zu der Zeit mit seiner Frau Nachwuchs und wollte in London bleiben. Seither spielt er beim FC Chelsea.

Bei Chelsea ist Olivier Giroud nur noch die Nummer drei

Dort ist der 33-jährige Modellathlet nur noch die dritte Wahl von Trainer Frank Lampard. Er kommt nur auf sechs Einsätze mit 211 Spielminuten und spielt sonst im Farmteam.

Hinter dem englischen Newcomer Tammy Abraham (11 Saisontore) kämpft er mit dem ehemaligen Borussen Michy Batshuayi (7 Saisontore) um die verbleibenden Spielminuten – viel zu wenig für Girouds Ansprüche.

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Tammy Abrahma (Mitte) hat Olivier Giroud mittlerweile den Platz im Sturmzentrum abgenommen. © picture alliance/dpa

„Das akzeptiere ich nicht. In bestimmten Situationen darf man nicht schicksalsergeben sein“, sagte er vor vier Wochen im Magazin „Le Pèlerin“. Vor allem mit Blick auf die Europameisterschaft 2020, bei der der Torjäger unbedingt für Weltmeister Frankreich auflaufen will, kann er sich kein Bankdrücker-Dasein erlauben.

Die kolportierte Ablösesumme liegt bei fünf Millionen Euro

Girouds Kontrakt läuft Ende der Saison aus, im Winter soll er für fünf Millionen Pfund zu haben sein. Chelsea würde ihn, so ist aus England zu vernehmen, ziehen lassen. Vorausgesetzt, die wirksame Transfersperre für die Engländer wird zum Teil gelockert. Hier steht am 20. November die Revision vor dem Sportgerichtshof CAS an.

Wechselt Giroud dann zu Inter Mailand, wo Chelseas Ex-Trainer Antonio Conte an der Seitenlinie steht? Oder zu Borussia Dortmund?

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Seine Stürmerqualitäten hat Giroud schon oft unter Beweis gestellt. © picture alliance/dpa

Für den BVB wäre Giroud erschwinglich und aufgrund seiner Erfahrung eine Soforthilfe. Einen körperlich robusten und kopfballstarken Offensivspieler hat Lucien Favre nicht im Kader.

Ob der nun in sein Konzept passt oder nicht – an einer fehlenden Alternative für den Angriff sollen Borussias hohe Ziele in dieser Saison nicht scheitern. Notfalls würde Favre überstimmt.

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