Ultimatum für BVB-Trainer Favre - Watzke kündigt einen Neuzugang an

Mitgliederversammlung

Lucien Favre arbeitet bei Borussia Dortmund auf Bewährung. An den Trainer stellt Hans-Joachim Watzke eine klare Forderung. Zudem kündigt der BVB-Geschäftsführer einen Wintertransfer an.

Dortmund

, 24.11.2019, 14:42 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ultimatum für BVB-Trainer Favre - Watzke kündigt einen Neuzugang an

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke erklärte: „Den Worten müssen jetzt auch Taten folgen.“ © dpa

Marco Reus geht voran. Um 12.12 Uhr betritt Borussia Dortmunds Kapitän am Sonntag die Westfalenhalle 3b, hinter ihm Vize-Kapitän Lukasz Piszczek. Danach folgen alle weiteren Spieler und das Trainerteam. Buh-Rufe und Pfiffe begleiten den Einmarsch der Mannschaft, aus einer Ecke sind deutlich die Worte „Schämt Euch!“ eines frustrierten Anhängers zu vernehmen.

Das BVB-Desaster gegen Paderborn wirkt nach

Zwei Tage nach dem 3:3 gegen Paderborn ist es mit der Stimmung unter den gut 1000 Fans naturgemäß nicht zum Besten. Das Spiel gegen den Tabellenletzten wirkt nach. Tosenden Beifall wie vor einem Jahr, als für die Borussia nach dem zwölften Spieltag als Tabellenführer mit neun Zählern Vorsprung auf die Bayern die Sonne von einem strahlend blauen Himmel schien, hatte allerdings auch niemand erwartet.

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BVB-Boss Watzke über Favre, Krise und einen neuen Stürmer

Erst um 12.45 Uhr tritt Hans-Joachim Watzke ans Podium. Dessen Rede wird mit Spannung erwartet. Einen Kommentar hatte er sich nach der grausamen Darbietung am Freitag verkniffen. Vor zwei Jahren hatte Watzke an gleicher Stelle eine Brandrede gehalten. Es war der Tag nach dem denkwürdigen 4:4 gegen den FC Schalke 04, eine Partie, die den Niedergang des Trainers Peter Bosz noch beschleunigte. Lucien Favre steht heute ähnlich stark in der Kritik wie Bosz vor zwei Jahren, der Schweizer sitzt in der zweiten Reihe, seine Miene ist ernst und konzentriert.

Watzke: „Wir haben aktuell keine stabile Formation“

Watzke dankt zu Beginn Reus für die deutlichen Worte nach dem Spiel am Freitag. Die öffentliche Entschuldigung an die Fans „sei richtig und mutig“ gewesen, sagt der BVB-Boss, allein damit aber sei es nicht getan. „Den Worten müssen jetzt auch Taten folgen. Da seid Ihr in allererster Linie gefordert“, meint er in Richtung der Mannschaft.

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Die Analyse des Ist-Zustandes, die der BVB in der Woche nach dem 0:4 in München und nun in der Nacht nach dem 3:3 am Freitag gemacht habe, sei „ehrlich und selbstkritisch“ abgelaufen, sagt Watzke. Die Quintessenz: „Viele der Spieler, die letztes Jahr noch den Unterschied gemacht haben, sind aktuell nicht in einer guten Form. Wir haben aktuell keine stabile Formation auf dem Feld.“

Watzke spricht Favre das Vertrauen aus

Watzke spricht Trainer Lucien Favre direkt an: „Das ist in allererster Linie die Aufgabe der Mannschaft und von Dir, Lucien und Deinem Trainerteam, und wir haben auch das Recht, das einzufordern.“ Es gibt nur leichten Applaus, als Watzke dann den Satz spricht, auf den alle gewartet haben: „Lucien, Du hast weiter unser volles Vertrauen.“ Als uneingeschränkte Rückendeckung darf der Schweizer das allerdings nicht verstehen, denn Watzke weist sogleich auf den entscheidenden Punkt hin: „Du bist lange genug dabei um zu wissen, dass Fußball sich am Ende über Ergebnisse definiert.“ Im Klartext bleiben Favre die Spiele der kommenden Woche in Barcelona und in Berlin, um eine Wende herbeizuführen.

„Du bist lange genug dabei um zu wissen, dass Fußball sich am Ende über Ergebnisse definiert.“
Hans-Joachim Watzke

Watzke redet eine knappe halbe Stunde lang. Er nimmt vor allem die Spieler in die Pflicht, er bekräftigt seinen Glauben an das Potenzial des Kaders und rechtfertigt das ausgegebene Ziel, „alles zu versuchen, Deutscher Meister zu werden.“ Daran gäbe es auch nichts zu ändern. Und er gesteht, „dass wir auch Fehler gemacht haben. Wir hätten eine zweite Nummer neun verpflichten müssen.“ Diesen Fehler wird der BVB im Winter korrigieren.

Der Auftrag, den Watzke den Spielern vor den wichtigen Auswärtsspielen der kommenden Woche in Barcelona und Berlin mit auf den Weg gibt, bevor er seine Rede schließt, ist eindeutig. „Aus einem verzagten Arsch kann kein fröhlicher Furz kommen. Strafft Euch! Wenn Ihr diese Grundhaltung beherzigt, werden wir sicher wieder eine Einheit.“ Um 13.13 Uhr entlässt Präsident Dr. Reinhard Rauball die Mannschaft. Nur zögerlich stehen die Spieler auf, wieder gibt es Pfiffe, bevor sich auch aufmunternder Applaus in die Unmutsbekundungen mischt.

Dr. Reinhard Rauball ist „ein Glücksfall“ für den BVB

Dass er sich für seine spätere Wiederwahl glücklichere Umstände gewünscht hätte, merkt man Rauball an. Um 13.52 Uhr bestätigt die Versammlung den 72-Jährigen Juristen, der seit insgesamt 20 Jahren (verteilt auf drei Amtszeiten) die Geschicke des BVB leitet und den Klub mehrere Male vor dem Sturz in die Bedeutungslosigkeit rettete, bei nur zwei Enthaltungen für weitere drei Jahre in seinem Amt.

Ultimatum für BVB-Trainer Favre - Watzke kündigt einen Neuzugang an

Weitere drei Jahre BVB-Präsident: Dr. Reinhard Rauball. © dpa

Es gibt großen und lang anhaltenden Applaus für Rauball. Schon vorher hatte der Wahlausschuss-Vorsitzende Dr. Winfried Materna klar gemacht, was diese Personalie für Borussia Dortmund bedeutet: „Es ist ein Glücksfall, dass er sich bereiterklärt, weiter an der Spitze des BVB zu stehen.“

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