Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs tritt Paul Jankowski in den Ballspielverein Borussia ein. 70 Jahre später ist der U23-Zeugwart noch immer mit dem BVB-Virus infiziert. Und voller Tatendrang.

Dortmund

, 25.12.2018, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der blaue Kombi hat am Trainingsgelände in Brackel einen Ehrenplatz. Direkt vor dem Eingang zum Kabinentrakt parkt „PJ 1909“. Immer. Man kennt das nicht anders. Es ist Mitte Dezember. Die Winterpause steht vor der Tür. Paul Jankowski schlendert mit einem Kaffee in der Hand Richtung Waschraum. Der 82-Jährige, das Alter glaubt man ihm kaum, grüßt herzlich: „Junge, alles klar?“ Alles klar, Paul.

„Wir waren Trümmerkinder“

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Gut zwei Wochen zuvor stand Jankowski im Rampenlicht. Auf der Bühne der Westfalenhalle 3b. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke überreichte die Ehrennadel zur 55-jährigen Vereinsmitgliedschaft. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. In den Verein eingetreten ist Jankowski nämlich schon 1948. „Wir waren Trümmerkinder. Der BVB hat uns damals von der Straße geholt“, sagt er. „Ich habe bei den den Schülern angefangen, so hieß das damals.“

Es hätte eine große Karriere werden können, wäre es 1961 nicht zu einer folgenreichen Meinungsverschiedenheit gekommen. „Ich sollte trotz einer Knieverletzung rauf zur Profimannschaft mit Hans Tauchert. Da gab es noch keine Bundesliga, das war Oberliga. Doch der Jugendtrainer wollte mich unbedingt behalten. Da war ich so sauer und habe mich abgemeldet.“ Die Abstinenz hielt aber nur zwei Jahre an. Gut so. „Jetzt bin ich seit 55 Jahren dabei.“

40 Jahre lang „auf Hoesch“

Jankowski, 1936 an der Wambler Straße in unmittelbarer Nähe zum Borsigplatz geboren, blickt auf emotionale Jahre zurück: „Ich war in der Hoesch-Schule, die gibt es ja heute noch an der Flurstraße. Alles war Borussia. Das ganze Hoesch-Viertel war BVB. Am Borsigplatz kannte jeder jeden. Dortmund ist meine Heimat. Es gibt keinen anderen Verein.“ Eine Liebeserklärung.

„Damals wurde eigentlich gar nicht gewaschen, nur die Trikots. Die Spieler mussten ihre Klamotten mit nach Hause nehmen.“
Paul Jankowski

40 Jahre lang war Jankowski „auf Hoesch. 1990 bin ich mit 55 Jahren dann in den Sozialplan“. Gut für den BVB. Heinz Keppmann, damals Teammanager der U23, kam auf ihn zu und fragte: „Paul, Du hast doch jetzt Zeit. Ich brauche einen Betreuer für die Schiedsrichter.“ Gefragt, zugesagt.

Der nächste Aufstieg ließ nicht lange auf sich warten. Unter Michael Henke, der damals als Co-Trainer von Ottmar Hitzfeld fungierte und nebenbei die U23 betreute (Jankowski: „Das wäre heute gar nicht mehr vorstellbar.“), war die Stelle des Zeugwarts neu zu besetzen. „Da“, sagt Jankowski, „musste ich aber erst mit meiner Frau sprechen.“ Sie gab ihren Segen.

Sein Job ist seither deutlich anspruchsvoller geworden. „Damals wurde eigentlich gar nicht gewaschen, nur die Trikots. Die Spieler mussten ihre Klamotten mit nach Hause nehmen.“ Das heißt: „Für mich war es früher entspannter, heute ist es profihafter. Spaß gemacht hat es aber immer.“

Horst Köppel in der Kabine eingeschlossen

Und eine von sicher hundert Anekdoten kommt Paul Jankowski wie aus der Pistole geschossen über die Lippen. Unter Horst Köppel spielte der BVB II Anfang der 2000er-Jahre in der Regionalliga. Heimspiel in der Roten Erde. Jankowski schließt die Kabinentür im Westfalenstadion ab und macht sich gemeinsam mit dem damaligen Co-Trainer Ingo Preuß auf den Weg Richtung Trainerbank. Jankowski fragt: „Wo ist eigentlich der Horst?“ - und gibt die Antwort gleich hinterher: „Auf einmal kommt einer und sagt: Da unten ist einer am Trommeln.“ Was war los? „Horst Köppel saß auf dem Pott, ich habe ihn eingeschlossen. Das Spiel lief schon.“

U23-Zeugwart Paul Jankowski ist seit 1948 mit dem BVB-Virus infiziert

Paul Jankowski, hier beim Spiel des BVB II in Oberhausen Mitte Dezember, in seinem Element. © Schulze

Und wie lange, die Frage sei gestattet, will Paul Jankowski noch weitermachen? „Es macht mir unheimlich Freude, für den Verein meinen Job zu machen. Das hält mich fit. Soll ich zu Hause auf der Couch liegen?“ Rhetorische Frage, woll? „Wenn’s nicht mehr geht, dann geht’s nicht mehr.“ Durchaus pragmatisch, der Herr Jankowski.

Bis dahin wird der blaue Kombi noch ganz oft an exponierter Stelle am Trainingsgebäude in Brackel stehen.

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